Smart-Meter-Gesetz Bundestag beschließt Einbau moderner Stromzähler

Ideen für intelligente Stromzähler gibt es bereits seit gut 15 Jahren, nun sollen die Geräte endlich kommen. Verbraucher soll der Einbau nicht mehr als 50 Euro kosten.

Der Einbau moderner Stromzähler soll künftig vorgeschrieben werden. Der Bundestag hat mehrheitlich für einen entsprechenden Gesetzentwurf zum Einbau sogenannter Smart Meter gestimmt. Für das Vorhaben votierten die Ampelfraktionen SPD, Grüne und FDP. Auch die Union stimmte – trotz Kritik – zu. AfD und Linke lehnten den Gesetzentwurf ab.

Bis spätestens Ende 2032 sollen die intelligenten Stromzähler, die den Verbrauch automatisch an den Anbieter übertragen, flächendeckend zum Einsatz kommen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will damit die Digitalisierung im Energiebereich forcieren. Mit Smart Metern soll das Stromnetz besser gesteuert werden, da die Betreiber erstmals genaue Informationen zu Zeitpunkt und genauem Ort bekommen können.

(Anmerkung: Zielgerichtetes Abschalten einzelner Haushalte vom Netz- mit Smart Meter erstmals möglich - heißt also jetzt "bessere Steuerung"?)

Wäsche waschen, wenn der Strom billig ist

(Anmerkung: Das hatten wir schon mal, billigen Strom außerhalb der Hauptverbrauchszeiten. Das nannte sich z.B. Nachtstrom und mit dem wurden z.B. die Nachtspeicheröfen aufgeladen. Dazu braucht es keine Smart Meter. Die Verbraucher werden hinter das Licht geführt. Die Smart Meter werden wegen ganz anderer Ziele benötigt.)
Das heißt, zu bestimmten Zeiten ist Elektrizität billiger, zu anderen teurer. So kann auf die schwankende Produktion von Wind- und Solarstrom reagiert werden. Der Einbau soll Haushalte grundsätzlich nicht mehr als 20 Euro kosten. Für Haushalte mit steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen sollen es bis zu 50 Euro sein.


Für Privathaushalte können die Smart Meter nützlich sein, weil sie den Stromverbrauch transparent machen und so Einsparungen ermöglichen. »Der eigene Verbrauch wird dann perspektivisch etwa per Smartphone-App so einfach abzulesen sein wie der Spritverbrauch beim Auto oder der Ladestand des Handys«, erklärte der Digitalverband Bitkom. Einer Umfrage des Verbands zufolge würden 61 Prozent der Befragten gern digital vernetzte Strommessgeräte nutzen.


Smart Meter machen zudem dynamische Stromtarife möglich, bei denen sich der Preis theoretisch alle 15 Minuten ändern kann. So können Haushalte Strom nutzen, wenn er besonders günstig ist. Ab 2025 müssen für alle Verbraucher auch dynamische Stromtarife angeboten werden. Derzeit gibt es diese Pflicht nur für große Versorger.

(Auch dazu benötigt man keine Smart Meter, wenn sie nur die Information bereitstellen sollen, wann der Strom billiger oder teurer ist und wie teuer er um welche Uhrzeit ist. Hier könnte das Energieunternehmen seinen Verbrauchern eine App anbieten, auf der sie den aktuellen Strompreis erfahren. Ganz schnell, ganz einfach, ganz ohne Smart Meter.)



Bis 2030 sollen nach Angaben des Wirtschaftsministeriums die meisten Haushalte und Großverbraucher wie Unternehmen, Schulen und Schwimmbäder mit Smart Metern ausgestattet sein. Bis 2033 sollen 95 Prozent aller Verbraucherinnen und Verbraucher ein intelligentes Messgerät haben.


Um das Tempo zu beschleunigen, entfällt mit dem neuen Gesetz etwa die Drei-Hersteller-Regel, die bisher für jede Entwicklungsstufe die Zertifizierung von drei voneinander unabhängigen Herstellern erforderte. Künftig soll das Tempo vom innovativsten Hersteller bestimmt werden, ein Warten auf den technischen Gleichstand von mindestens drei Herstellern entfällt. (Arbeitet Habeck hier wieder einem Spezi in die Tasche, der der "innovativste Hersteller" ist?)


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung war vom »niederländischen Gent« die Rede. Tatsächlich liegt die Stadt in Belgien. Wir haben die Angabe korrigiert.

https://www.spiegel.de/wirtschaft/se...cbo=v2-YLNS7hU