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    Nikolaus Blome, Stilberater der Bundesregierung (ber den Brger als Pbel)



    Nikolaus Blome, Stilberater der Bundesregierung



    Roger Letsch

    Nikolaus Blome, einst Augsteins Quoten-Konservativer, macht in einem Spiegel-Beitrag deutlich, was er von kritischen Brgern hlt: Nichts, denn diese sind einfach nur bescheuert und frher htte man sie gleich Pbel genannt.



    Ich habe nie verstanden, warum das 2020 eingestellte Format Augstein und Blome ausgerechnet mit Hauser und Kienzle verglichen wurde, gerade was die glaubhafte Besetzung des konservativen Parts der Duos anbelangt. Aus dem Blickwinkel des Salonlinken Augstein ergab es zwar Sinn, mit Blome ein Gegenber zu haben, das ihm rhetorisch nicht das Wasser reichen und selten einen Satz geschweige denn einen Gedanken beenden konnte. Es mag ja nur meine ganz individuelle Einschtzung sein, aber fr konservativ im eigentlichen Sinne habe ich Blome nie gehalten.


    Er wirkt vielmehr wie ein zu jedem Schleck bereiter Opportunist, solange der anvisierte Hintern in der Machthierarchie nur weit genug ber ihm schwebt. Unter ihm wabert in seiner Wahrnehmung das, was Hillary Clinton einst basket of deplorables nannte, der Pbel, ber dessen Sorgen und Nte man sich geistreich erhebt. Ein Geck, der seinen Snobismus fr Konservatismus hlt und die Nase rmpft, wenn der herausgebrllte Zorn der Menschen aus dem Nebel unter ihm nach Sauerkraut riecht.


    In einem Spiegel-Artikelmacht Blome sich nun Luft gegen die Impertinenz eines Mannes und seines imaginierten Standes gleich mit, weil der in einer Kanzler-Fragerunde nach der Wahrscheinlichkeit des Schiebefehls bei zu erwartenden Demonstrationen im Herbst fragte. Scholzens schnippische Antwort auf eben diese Frage feiert Blome.


    Der Frager wird sich gedacht haben: Was fr ein arroganter Politiker-Sack (aus dem Westen). Ich dachte mir: In your face!



    Mehr Verachtung geht kaum

    Nun kann man sich stilistisch natrlich sehr leicht ber die Frage erheben, genau wie man sich ber die Antwort des Kanzlers, die von Ulbrichtscher Dimension war, aufregen kann oder auch nicht. Was Blome leider ebenso wenig begriff wie der berrumpelte Kanzler, war der Zweck der Frage. Jedem war doch klar, dass Scholz, selbst wenn es einen solchen Schiebefehl gbe, nicht mit ja geantwortet htte. Die Frage sollte Scholz in erster Linie erschttern. Sie war ein Test, ob es da noch irgendetwas gibt, das man seiner Regierung zutraut, was ihn aus der Fassung brchte.


    Diesen Test hat Scholz nicht bestanden, denn er ist nun sicher der berzeugung, es prinzipiell mit radikalisierten Idioten zu tun zu haben. Stellt man die Frage aber in den Sinnzusammenhang mit anderen, bereits gebrochenen, Zusicherungen unserer geliebten Regierung, ist das kategorische nein des Olaf Scholz allerdings nicht viel wert. In der Reihe der gebrochenen Niemand hat die Absicht eine Mauer-Erklrungen tummeln sich heute schon Begriffe wie Schuldenunion, Lockdown, Impfpflicht, Verbrennungsmotor, die Versammlungsfreiheit und die Freiheit von Justiz, Forschung oder Medizin. Bilden Sie weitere Beispiele, liebe Leser.


    Der Kanzler versuchte es mit Ironie gegenber Leuten, die man frher Pbel' genannt htte, und frher war bekanntlich nicht alles schlechter.



    Fr gewhnlich erkenne ich Ironie, weil sie vielleicht auf Fe tritt, aber nicht ins Gesicht schlgt. Das, was Scholz benutzte, war aber eher Zynismus, und der ist nicht gerade das beste Mittel in der Krisenkommunikation. Aber nun hat der Leser auch nochmal schriftlich, was Blome vom Sauerkrautgeruch des Pbels hlt, der droht, sich bald wieder auf den Straen zu versammeln. Mehr Verachtung geht kaum.


    Das hat Stil, aber ob es hilft? Zum dritten Mal in sieben Jahren stellt sich die Frage, wie man diese Menschen erreicht, die alle menschliche Migung fahren lassen. Flchtlinge, Corona und nun Inflation oder 'Wutwinter': Es mehren sich die Hinweise, dass es stets dieselben sind, die da am lautesten krakeelen, nicht nur im Osten des Landes.



    Wie, bitte, sollen das denn andere Leute sein?

    Vielleicht lsst mancher ja zunchst alle Hoffnung und dann erst die Migung fahren? Es mehren sich jedenfalls die Anzeichen, dass es immer dieselben Politiker sind, die ohne Mandat oder Auftrag ein gesellschaftliches Experiment nach dem anderen starten und deren Trmmer ungefragt in die Leben aller kippen. Es ist schon bemerkenswert, dass Blome nicht erkennt, dass es auch immer dieselben sind, die die Suppe auszulffeln haben, die ihnen die Politik einbrockt.


    Zu beklagen, dass die Hungernden sich mit den Frierenden gemein machen, ist albern. Natrlich sind es stets dieselben! Wer dank der Massenzuwanderung der letzten Jahre kaum bezahlbaren Wohnraum findet, in dem er dann in Quarantne hocken und seinen Kindern beim Skype-Learning zusehen darf, bekommt jetzt auch noch Probleme mit den Kosten fr Strom und Gas und muss sich von der Inflation die kaum vorhandene Kaufkraft wegfressen lassen, weil er sein nicht vorhandenes Vermgen nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Und nun drfen diese Menschen auch noch im Stundentakt die Spartipps von Politikern mit fnfstelligem Monatseinkommen und Zugang zu Fahrdiensten und BahnCard100 ertragen! Wie, bitte, sollen das denn andere Leute sein?


    Das macht es einfacher und schwerer zugleich. Einfacher, weil man die Pappenheimer inzwischen kennt und ihr Weltbild nicht neu kartografieren muss. Schwerer, weil die Betroffenen nach eigenen Angaben zunchst Sorge hatten, 'umgevolkt', dann beim Impfen 'gechipped' und jetzt enteignet zu werden, obwohl die Ukraine doch Russland angegriffen habe. Wie viel Verfolgungswahn geht in einen einzelnen Kopf? Sollte man es also nicht gleich lassen mit der Ansprache?



    Nicht nur Scholz, auch Blome ist ein Zyniker

    Zur Demonstration der Abwegigkeit dampft Blome die Argumente jedes gesellschaftlichen Konfliktfeldes auf das absolute Extrem zusammen. Die vielen Aspekte, die den Menschen im Alltag unangenehm nahekommen, etwa die desolate Sicherheitslage, oder Freibder als Nahkampfzonen der Willkommenskultur, oder die finanzielle Verausgabung der Sozialsysteme, werden auf die bldsinnigste aller Vokabeln, die Umvolkung reduziert. Aus der bergriffigkeit des Staates, der sich anmat, medizinische Experimente verpflichtend zu machen und Kritiker mit allen Mitteln zu delegitimieren versucht, wird das irrational-lcherliche gechipped. Nicht nur Scholz, auch Blome ist ein Zyniker, der nicht wirklich an Argumenten interessiert ist. Oder wenigstens an guten Pointen. Irgendwer wrde ernsthaft glauben und behaupten, die Ukraine htte Russland angegriffen und derjenige htte dann auch noch irgendeine Relevanz? Kommen Sie, Herr Blome, das knnen sogar Sie besser!


    'Brger' ist kein geschtzter Begriff, das ist mir klar. Jeder kann sich 'Brger' nennen, auch wenn er mit einem schiedlich-friedlichen Gemeinwesen, Toleranz, Mehrheitsfindung oder sonstigen Gepflogenheiten einer brgerlich-zivilen Gesellschaft absolut nichts am Aluhut hat. Aber es gibt eben auch eine Grenze, jenseits derer sind bestimmte Brger nicht mehr besorgt, sondern bescheuert, und es wre an der Zeit, das einmal laut auszusprechen. Ich jedenfalls bin nicht bereit, mir von einer letztlich recht kleinen Gruppe diktieren zu lassen, in welchen gesamtgesellschaftlichen Modus wir zu schalten haben. Nicht schon wieder.



    Da ist er wieder, der Aluhut. Und somit das Letztargument, dass jeder, der den engen, erlaubten Meinungskorridor verlsst, hchstens noch in der nicht geschtzten Selbstdarstellung als Brger durchgeht. Disruptionen des friedlich-schiedlichen Gemeinwesens haben geflligst wie blich planvoll, wissenschaftlich abgesichert von oben zu kommen! Der Brger sei friedlich, der Staat schiedlich. Wer das anders sieht, muss bescheuert sein! Und in der Minderheit, der die vermeintliche Mehrheit zeigen darf, wo der Frosch die Locken hat.


    Er htte Chirurg werden sollen. Und arbeitslos.

    Ab hier schreibt Blome sich gewissermaen wieder vom Gipfel der Schnodderigkeit herunter, und jeder, der sich voreilig ber das bisher Gelesene emprte, darf sich dank des Folgenden belehren lassen, schon bis zum Ende lesen zu mssen. Es kommt doch noch was Nettes! Denn legitim sei Protest ja schon irgendwie, und nachdem Blome dem Wutpbel links und rechts eine verpasst hat, drckt er ihm frsorglich die Plakate mit den stilistisch minderwertigen Losungen in die Hand und klopft ihm aufmunternd auf den Rcken. Vom guten Recht ist dann gnnerhaft die Rede und dass AfD und Linke ja einen gemeinsamen Kampf ums berleben kmpften.


    Wirklich ums berleben kmpft gerade der Industriestandort Deutschland und sein Abkmmling, der grozgige Sozialstaat. Nicht zuletzt dank missglckter Groexperimente, deren berspitzte und so ins Absurde zielende Bezeichnungen Umvolkung und gechipped Blome so gern verwendet. Dabei fllt mir auf, dass sich fr die Kritiker der ebenfalls gerade krachend scheiternden Energiewende kein medial griffiger Euphemismus durchgesetzt hat. Wie htte der auch aussehen sollen? Eine Verschwrung, die daran glaubt, die Regierung wolle das Land energetisch ausschlielich aus Licht und Luft versorgen? Fr sowas erntet man doch keinen Spott auf Kosten des Pbels, sondern donnernden Applaus aller Hnde, sofern sie nicht festgeklebt sind. Blome unterscheidet so messerscharf zwischen guter und schlechter bertreibung wie zwischen guter und schlechter Meinung oder gutem und schlechten politischen Stil er htte Chirurg werden sollen. Und arbeitslos.


    Aber das rechtfertigt nicht alles. Nicht die infame Umkehr von Ursache und Wirkung, von Tter und Opfer, von Putin und Selenskyj. Und auch nicht die Mr von der deutschen 'Mehrheitsdiktatur' oder der Fernsteuerung aus Washington. Das ist so durchschaubar wie degoutant, schmt euch!



    Ein Schelm, der Blome jetzt daran erinnert, dass er weiter oben noch genau diese Mehrheitsdiktatur am guten Werke sah, gegen die unbedeutende Minderheit der Deppen. Doch leider hat die kritisierte Politik kein Anrecht darauf, sachlich richtig oder auf Hochdeutsch beschimpft zu werden. Was jedoch den Geschmack von Politfeingeist Blome beleidigt hat, wird nicht so ganz klar. Die in Frage stehenden Kanzlerbefrager waren jedenfalls nicht gegen Selenskyi oder fr Putin auf der Strae, sondern haben schlicht Angst vor den Folgen einer erratischen und am ideologischen Applaus ausgerichteten Politik; und weil Angst nun mal ein Gefhl ist, welches man nicht fr illegal erklren kann, gibt Blome es einfach der Lcherlichkeit preis.


    Willkommen in der Zweckdemokratur

    Der Rest sind bertreibungen. Mehrheitsdiktatur mag ein hartes Wort sein fr eine Regierung, die ihr Handeln am liebsten dadurch zu legitimieren versucht, dass eine herbeibefragte Mehrheit es befrworte. Vielleicht fllt Herrn Blome ja ein besserer Begriff ein. Ich wrde Zweckdemokratur vorschlagen, weil eine Mehrheit nmlich nur dann legitimierend ist, wenn deren Wnsche mit den Zielen der Politik bereinstimmen. Wre es anders und wrde tatschlich eine numerische Meinungsmehrheit die Agenda setzen, wrden ja beispielsweise die drei verbliebenen Kernkraftwerke einfach weiterlaufen und die drei im letzten Jahr abgeschalteten wrden reaktiviert.


    Ein seltsames Stck hat Nikolaus Blome da abgeliefert, in dem er sich zunchst mal so richtig ber den unverstndigen Pbel auskotzt, nur um dann in die Binse zu mnden, dass Tter-Opfer-Umkehr aber so gar nicht gehe. Das gilt jedoch nicht nur fr den Verursacher des Krieges gegen die Ukraine, sondern auch fr die Frage, was zuerst da war: eine grottenschlechte Politik oder die wtenden Proteste dagegen. Es ist das Los der Politik, dass die Whler ihr die Brocken um die Ohren hauen, sobald sie feststellen, dass alle ausformulierte und hfliche Beredsamkeit und oft sogar Wahlen selbst nichts bewirken.


    Blome ist die Form jedoch wichtiger als der Inhalt. Er vermisst das Dekor und verwirft den Kritiker, weil die Kritik nicht atemreinen Mundes ist und nicht mit Demut vorgetragen wird. Und da Blome, der ausweislich seines Wikipedia-Eintrages als liberalkonservativ gilt, im Spiegel am Ende seines Textes noch ausgerechnet Habeck bemht, tue ich, der ich mich ebenso verorte, dies in abgewandelter Form auch: Liberalkonservativ, das bist du nicht, Alter!


    Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Mastab seiner beschrnkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preuischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Nikolaus Blome, Stilberater der Bundesregierung (ber den Brger als Pbel)

    Nikolaus Blome, einst Augsteins Quoten-Konservativer, macht in einem Spiegel-Beitrag deutlich, was er von kritischen Brgern hlt: Nichts, denn diese sind einfach nur bescheuert und frher htte man sie gleich Pbel genannt.
    Wenn hier jemand bescheuert" ist, ist er es wohl eher selbst.
    Einigkeit und Recht und Freiheit fr das deutsche Vaterland

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