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    Bewegende Biografie: Junger Syrer erzählt von seiner Flucht und dem Ankommen im Sauerland

    Deutschland, das Land der Dichter und Denker und der Märchen. Deswegen entschuldige man den Autoren die Lückengeschichte, denn schließlich wird der Syrer für sein 17-seitiges Büchlein (oh, hier steht 20-seitiges, in einem Bezahlartikel wurde in der Einleitung noch von einem 17-seitigen Heftlein gesprochen) im Rahmen des politischen Programms "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" geehrt und sogar in den Band „800 Jahre Brilon“, wie die Stadt im Sauerland heißt, aufgenommen.

    Allzugroße Lücken wurden von mir - ich konnte es mir nicht verkneifen - mit blau gezeichneten Kommentaren unterlegt. Das Denken muss man sich in diesem Lande ja wieder angewöhnen, zu sorglos ist inzwischen unser Umgang mit Lücken, Fehl- und Falschinformationen und Widersprüchlichkeiten.




    Geschichte wird in Band „800 Jahre Brilon“ aufgenommen
    Bewegende Biografie: Junger Syrer erzählt von seiner Flucht und dem Ankommen im Sauerland






    Mohammed Hamkaro (Mi.) freut sich mit (v.l.) Ute Hachmann (Stadtbibliothek), Sarah Gruß (Vormundschaft), Verena Wacker (Schulsozialarbeit), Manuela Henke (Förderlehrkraft), Manuela Buchau (Stadtarchiv) und Bürgermeister Dr. Christof Bartsch, dass dem syrischen Flüchtlingsdrama mit seiner Geschichte mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.


    „Hallo, ich heiße Mohammed und bin am 3. Januar 2003 in Kerzayhel in Syrien geboren.“ So unscheinbar beginnt Mohammed Hamkaros Lebensgeschichte. Doch schon der nächste Satz lässt vermuten, ganz so alltäglich ist sie nicht: Sein Vater sitzt bei seiner Geburt im Gefängnis, weil er kurdische Bücher versteckt. Als Mohammed acht ist, beginnt der Krieg in Syrien. Nach drei Jahren endet seine Schulzeit – das Gebäude wird für Flüchtlinge gebraucht.

    Kann man natürlich glauben.



    Brilon - Ein Jahr darauf schicken seine Eltern ihn mit seinem großen Bruder in die Türkei, damit er wieder in die Schule gehen und eine Zukunft haben könne. Es folgt der erste von vielen weiteren heimlichen Grenzübertritten. Aber in der Türkei muss er hart arbeiten, anstelle eine Schule zu besuchen. Die Familie will das Geld zusammen bekommen, um die Eltern nachholen zu können. Das gelingt auch, aber in der Türkei gibt es keine Perspektive. Also beschließen die Eltern erneut, ihn – inzwischen ist er zwölf – mit seiner Schwester und anderen Verwandten weiterzuschicken.

    Die Eltern schicken ihn in die Türkei, damit er die Schule besuchen kann? Vier Jahre später schicken sie ihn mit seiner Schwester und anderen Verwandten weiter? Mit welchen Verwandten? Und warum kommt er alleine an (wie im weiteren Verlauf dieser dürftigen Geschichte zu lesen)?


    In einem offenen Schlauchboot über das Mittelmeer nach Griechenland, dann über die Balkanroute und Österreich gelangt Mohammed schließlich 2015 nach Deutschland, wo der Mann seiner Schwester lebt. Dort darf er nicht bleiben, sondern muss, wie alle anderen Ankömmlinge auch, die Stationen seines Asylverfahrens durchlaufen. 2016 kommt er zu seinem älteren Bruder, der bereits in Brilon ist. Hier, endlich, kann er eine Schule besuchen und schafft, nach nur vier Jahren, in diesem Jahr den Hauptschulabschluss.

    Wo der Mann seiner Schwester lebt? Und wo lebt seine Schwester? Und der ältere Bruder ist bereits auch in Deutschland?....


    Dass die bewegende Geschichte des heute 17-Jährigen aufgeschrieben wurde, ist einem Schulprojekt, das die Schulsozialarbeiterin Verena Wacker an der Heinrich-Lübcke-Sekundarschule mit der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angestoßen hatte, zu verdanken. Da Mohammed es sich nicht zutraute, die Geschichte selbst aufzuschreiben, diktierte er sie seiner Lehrerin Manuela Henke, die an der HLS intensiv beschulte Kinder betreut: „Ich erlebe Schüler wie ihn als sprachlos, wenn sie die Sprache noch nicht beherrschen.“



    Geschichte bereitet Gänsehaut

    Besonders beeindruckt habe sie seine lapidare Erzählweise. Wenn sie sich zum Beispiel vor Augen hielt, was es für einen Zehnjährigen bedeutet, zwölf Stunden und mehr in einer Fabrik arbeiten zu müssen, wie es Mohammed etliche Jahre in der Türkei tat, dann habe sie eine Gänsehaut bekommen. Mittlerweile hätten die meisten Klassen die Geschichte im Unterricht gelesen – und dabei seien alle „mucksmäuschenstill“ gewesen, so Henke.

    Also eine nicht überprüfbare Geschichte mit dem Motiv der Manipulation minderjähriger Schüler im Unterricht?

    Auf Anregung eines Kollegen, den Text „schöner aufzubereiten“, hatte Verena Wacker im Frühjahr Mohammeds Geschichte der Leiterin der Stadtbibliothek Ute Hachmann in die Hand gedrückt: „Mir wurde schnell klar, dass dies viele lesen sollten – und dass es einen passenden Rahmen bekommen sollte.“ Die Gestaltung der Publikation übernahmen Manuela Buchau vom Stadtarchiv und Lucia Liebeton, die gerade ein freiwilliges Jahr an der Bibliothek absolvierte.

    Wo immer die Beeinflussung der Wähler und der Kinder nahe ist, ist auch ein Politiker nicht fern. Und bekommt zusätzlich noch einen persönlichen Rahmen...

    Bürgermeister: „Ich war tief beeindruckt“

    „Ich war tief beeindruckt – vor allem, als ich las, dass Mohammed nur fünf Tage nach meiner Tochter geboren ist. Wenn man vergleicht, wie behütet sie aufgewachsen ist da habe ich die größte Hochachtung vor ihm“, sagte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Ähnliche Schicksale haben viele andere Menschen gehabt. „Aber es ist wichtig, dass wir dem, was geschieht, ein Gesicht geben“, so Bartsch weiter.



    Nun soll Mohammeds Geschichte – die zunächst als 20-seitiges Heft erschienen ist und gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro im Stadtarchiv erworben werden kann – sogar in den vierten – und letzten Band von „800 Jahre Brilon“ aufgenommen werden. „Durch Mohammeds Geschichte wird die Geschichte Brilons nochmal weiter gespannt. Sie rundet das Gesamtwerk toll ab“, freute sich der Bürgermeister.



    Mohammed hofft indes, irgendwann einmal seine Eltern, die wieder zurück in Syrien sind, zu sehen – und vor allem, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Deshalb will er auch weiter zur Schule gehen. „Ich will meine Eltern nicht enttäuschen“, so schließt seine Erzählung.

    https://www.sauerlandkurier.de/hochs...-90065581.html

    Diese Geschichte ist bewußt so kurz gehalten, dass nicht zuviele Fragen entstehen können. Keine Informationen sind eben auch Informationen.
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Bewegende Biografie: Junger Syrer erzählt von seiner Flucht und dem Ankommen im Sauerland

    Mohammed hofft indes, irgendwann einmal seine Eltern, die wieder zurück in Syrien sind, zu sehen – und vor allem, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

    So wie so viele Syrer inzwischen wieder in Syrien sind, weil dort keine Kampfhandlungen mehr stattfinden. Es könnte nun also ein großes Rückkehrerprogramm gestartet werden. Vor allem die Kriminellen und Arbeitslosen müssten zügig nach Hause geschickt werden.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  3. #3
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    AW: Bewegende Biografie: Junger Syrer erzählt von seiner Flucht und dem Ankommen im Sauerland

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    So wie so viele Syrer inzwischen wieder in Syrien sind, weil dort keine Kampfhandlungen mehr stattfinden. Es könnte nun also ein großes Rückkehrerprogramm gestartet werden. Vor allem die Kriminellen und Arbeitslosen müssten zügig nach Hause geschickt werden.
    Die Syrer werden sicher nicht auf halbem Wege umkehren wollen.
    Es verhält ähnlich wie beim Vertreter. Hat er erst einmal den Fuß in der Tür, kommt schnell der Rest hinterher.
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

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