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    Steinheimer Flchtlingshelferinnen: Nach fnf Jahren nicht vorbei

    Nur eines vornweg: Asylbewerber im laufenden Verfahren erhalten Taschengeld und zwar rund 150,-- Euro im Monat.


    Asylbewerberinnen und Asylbewerber sollen ab 2020 einen hheren Anteil der bisherigen staatlichen Leistungen in Form von Taschengeld erhalten. Fr alleinstehende Erwachsene sollen 150 statt 135 Euro fr den persnlichen Bedarf zur Verfgung stehen, fr Jugendliche 79 statt 76 Euro im Monat.
    https://www.zeit.de/politik/deutschl...darf-erhoehung

    Von diesem Geld lt sich auch ein Briefporto von 80 Cent bezahlen, meine ich. Aber nun zum Artikel:

    Steinheimer Flchtlingshelferinnen Stephanie Flake und Ulrike Czorny im Interview
    Nach fnf Jahren nicht vorbei


    Steinheim (WB). Sie sind zustndig fr 250 in Steinheim gemeldete Flchtlinge, ihre nachgezogenen Familienmitglieder und weitere zugezogene Migranten. Es ist eine groe Verantwortung, die Stephanie Flake (55, gelernte Erzieherin) und Ulrike Czorny (51, gelernte Krankenschwester) tragen. Seit 2016 sind beide als Flchtlingshelferinnen in der Emmerstadt ttig.





    Hier steht die Tr immer offen: An ihrem Arbeitsplatz im Friedrich-Wilhelm-Weber-Forum herrscht ein stetiges Kommen und Gehen. Um zehn bis 15 Kunden kmmern sich Ulrike Czorny (links) und Stephanie Flake jeden Tag.





    Im Interview mit Greta Wiedemeier berichten die beiden beim Caritasverband angestellten Frauen, warum die Flchtlinge sie auch nach fnf Jahren immer noch dringend brauchen, was genau eigentlich ihren Berufsalltag ausmacht und wo sie an Grenzen kommen.



    Wie sind Sie zum Beruf der hauptamtlichen Flchtlingshelferin gekommen?



    Ulrike Czorny: Durch das Ehrenamt. 2015, als die groe Welle kam, habe ich mich engagiert und bin dann darauf angesprochen worden, dass hier noch eine zweite Stelle frei wird.


    Stephanie Flake:
    Bei mir war es hnlich. Ich war zuvor schon in Erstaufnahmeinrichtungen in Nieheim, Driburg und Borgentreich ttig. Dann sind die Kommunen dazu bergegangen, eigene Flchtlingsberater einzustellen. Da bin ich dann auch angesprochen worden und habe die Stelle bekommen, die zu dem Zeitpunkt erst geschaffen wurde.



    Was ist Ihre Motivation, warum gerade dieser Beruf?



    Czorny
    : Wir haben beide soziale Berufe gelernt, haben soziale Ambitionen und ein Helfer-Syndrom. Wenn wir es nicht machen, macht es keiner.


    Flake:
    Ich war schon vor 30 Jahren mit meinem Mann in der Entwicklungshilfe ttig. Da war es fr mich genau das, was ich mchte: Wieder mit Menschen aus fremden Kulturen arbeiten.



    Was sind Ihre grten Herausforderungen im Job?



    Czorny:
    Schwierig ist immer der ganze Papierkrieg bei den mtern, der auch fr uns manchmal sehr undurchsichtig ist.


    Flake:
    Die Brokratie in Deutschland ist eine schiere Katastrophe. Fr mich sind auch die Frauenschicksale und die Fluchtgeschichten immer wieder eine Herausforderung. Viele kommen und haben wirklich nichts. Nicht einmal die 80 Cent, um einen Brief zum Jobcenter zu schicken. Auerdem ist es herausfordernd, negative Dinge wie Abschiebungen zu vermitteln.



    Und was waren die prgendsten Ereignisse in den vergangenen fnf Jahren?



    Flake:
    Es gibt viele positive: Wir begleiten einige junge Mnner, die jetzt eine abgeschlossene Ausbildung haben. Das ist toll. Genauso wie die Entwicklung vom emotionalen und sozialen Zustand bei der Ankunft bis hin zur heutigen, gut integrierten Situation. Es gibt aber natrlich auch genau das Gegenteil: Ein junger Nigerianer, den wir betreut haben, und der hier eine Arbeit und sogar eine deutsche Freundin gefunden hatte, wurde abgeschoben. Da die Leute untereinander noch immer in Kontakt sind, wissen wir, dass er heute wenn er denn noch lebt als verrckter Obdachloser haust. Das nennt man Retraumatisierung: Die Menschen sind jahrelang hier und schpfen Hoffnung. Gerade in afrikanischen Lndern wird dann nicht verstanden: Warum kommt er jetzt wieder? Der war doch in Europa, wo es alles gibt. Diejenigen, die wieder zurckkehren, sind dort absolut nichts mehr. Er wird auch in seiner Familie nicht mehr aufgenommen. Wenn man so etwas hrt und die Person dann persnlich kennt oder gekannt hat, kriegt man schon eine Gnsehaut.



    Nun sind viele der Flchtlinge schon seit einigen Jahren in Steinheim. Mit welchen Anliegen kommen sie auch heute noch zu Ihnen?



    Czorny
    : Das groe Problem ist es immer noch, auch fr Familien mit drei oder vier Kindern bezahlbare Wohnungen zu finden.


    Flake:
    Wir sagen immer: Wir machen hier alles von Geburt bis Bahre. Die Leute kommen, sind schwanger und wissen nicht Was ist jetzt?. Und selbstverstndlich wird auch gestorben und wir mssen schauen, wie man dann damit umgeht.



    Was htte es denn fr die hier lebenden Flchtlinge bedeutet, wenn der Rat sich vor kurzem nicht fr sondern gegen eine Verlngerung Ihrer Stellen entschieden htte?



    Czorny
    : Dann wrden sie mit allem alleine da stehen. Mit jedem Formular, mit jedem Problem. In vielen Behrden werden die Formulare rbergeschoben und fertig. Da ist niemand, der hilft.


    Flake:
    Es gibt natrlich auch einige Ehrenamtliche, die sich engagieren. Deren Zahl hat sich allerdings von rund 50 im Jahr 2015 auf heute zehn reduziert. Damals war es en vogue, dass jeder einen Syrer betreut. Das hat dann leider sehr schnell nachgelassen.



    Wie ergeht es den Flchtlingen bei uns in Steinheim aus Ihrer Sicht?



    Flake
    : Ein Nachteil ist tatschlich die Wohnsituation, die ist in groen Stdten aber nicht besser. Auerdem hat man sich in Steinheim zwar mittlerweile an arabisch aussehende Menschen gewhnt, schwarze Menschen sind aber immer noch eine Raritt. Da wird schon eher noch mal geguckt. In einer Stadt wie Kln oder Essen kann man sich freier bewegen. Das betrifft aber nicht speziell Steinheim, sondern den lndlichen Raum im Allgemeinen.


    Czorny
    : Je lndlicher, desto schneller aber die Integration.


    Flake:
    Das stimmt. Es sind auch schon einige weggezogen in grere Stdte, kommen aber trotzdem zu uns zur Beratung. Da gibt es eben keine Frau Ulli oder eine Frau Stephie. Und wenn, dann mit drei bis sechs Wochen Wartezeit.



    Was wnschen Sie sich fr Ihre Schtzlinge?



    Flake
    : Eine hhere Akzeptanz. Dass mehr der Mensch gesehen wird. Und dass nicht erwartet wird, dass die Flchtlinge, nachdem sie fnf Jahre hier sind, alleine klar kommen. Das kann gar nicht gehen, wenn man aus einem anderen Kulturkreis kommt. Auch ein guter und vor allem bezahlbarer Nahverkehr wre enorm wichtig zu Sprachkursen nach Hxter vermitteln wir aufgrund der schlechten Verbindung gar nicht.


    Czorny:
    Als ich mit der Stelle hier angefangen bin, hat jemand aus Steinheim zu mir gesagt: Mensch toll, dass du das jetzt hauptamtlich machst. Was ist denn da deine Aufgabe: Du integrierst die jetzt hier? Da habe ich gedacht: Das wre schn, wenn ich das alleine knnte. Aber da brauchen wir alle zu.

    https://www.westfalen-blatt.de/OWL/K...n-nicht-vorbei
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Mastab seiner beschrnkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preuischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Steinheimer Flchtlingshelferinnen: Nach fnf Jahren nicht vorbei

    Was wnschen Sie sich fr Ihre Schtzlinge?


    Flake : Eine hhere Akzeptanz. Dass mehr der Mensch gesehen wird. Und dass nicht erwartet wird, dass die Flchtlinge, nachdem sie fnf Jahre hier sind, alleine klar kommen. Das kann gar nicht gehen, wenn man aus einem anderen Kulturkreis kommt. Auch ein guter und vor allem bezahlbarer Nahverkehr wre enorm wichtig – zu Sprachkursen nach Hxter vermitteln wir aufgrund der schlechten Verbindung gar nicht.

    Nein, das kann man nun wirklich nicht erwarten, dass solche Leute nach einem halben Jahrzehnt selbststndig zurecht kommen. Sie brauchen eben eine lebenslange Betreuung. Warum sollen sie ihren Arsch hochkriegen, wenn das ein verbldeter Deutscher fr sie tun kann?

    - - - Aktualisiert oder hinzugefgt- - - -

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    wie Zwillingsschwestern.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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