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    Der Name ist Programm: Integration durch Sport

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    Der Name ist Programm in Lindow: Integration durch Sport







    Fußball verbindet: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gibt Sportvereinen und -verbänden mit dem Bundesprogramm "Integration durch Sport" eine wichtige Stütze. Der LSB legte nun in Kooperation mit dem FLB zum zweiten Mal den Lehrgang "Teamleiter für Migranten" auf. 15 Teilnehmer erhalten aktuell in Lindow das Rüstzeug, um künftig als Jugendtrainer im Verein tätig sein zu können.


    Lindow (moz) Eine energische Stimme. Ein selbstbewusstes Auftreten. Die Übungen vormachen – kein Problem. Mit seinen 20 Jahren leitet Sadegh Akbari die Trainingseinheit überaus souverän. Unterstützt wird er von seinem afghanischen Landsmann Naser Afzal. Auch der hat reichlich Fußball im Blut, hat der heute 21-Jährige doch vor gar nicht all zu langer Zeit für die U18-Nationalmannschaft seines Landes gespielt. Beide mussten 2016 aus Afghanistan fliehen, sie fanden in Deutschland eine neue Heimat.


    Eine neue Sprache lernen, zur Schule gehen, eine Ausbildung machen: die Integration von Sadegh Akbari und Naser Afzal klappt reibungslos. Auch, weil sie vorangehen, sich zusätzlich in Sportvereinen engagieren, als Spieler und als Übungsleiter, sofort Kontakte knüpfen, die deutsche Sprache noch schneller lernen. Wie auch Patrick Nyalla. Der 35-jährige Kameruner war vor seiner Ankunft in Deutschland über zehn Jahre Profi – "vor allem in Asien", wie er verrät.

    Lehrgang in Lindow

    Seit Sonntag gehen das Trio in Sachen Integration noch einen Schritt weiter. Es lässt sich, zusammen mit zwölf weiteren Teilnehmern, in Lindow zum "Teamleiter für Migranten im Fußball", so die offizielle Bezeichnung, ausbilden. Diesen Grundlehrgang organisiert der Landessportbund Brandenburg (LSB) in Kooperation mit dem Fußball-Landesverband Brandenburg (FLB). Und das bereits zum zweiten Mal, wie FLB-Referent Michael Flottron anmerkt. Er wird vor Ort von einem weiteren Referenten, Martin Filip, und von einem LSB-Team unterstützt. "Drei erfahrene Übungsleiter mit Migrationshintergrund als Tandempartner begleiten den Lehrgang", erklärt Jörg Schneider von der Brandenburgischen Sportjugend im LSB. Den 15 Teilnehmern werden unter anderem Methoden und Inhalte des Fußballtrainings sowie Grundlagen der Mannschaftsführung vermittelt, "um ihnen die ehrenamtliche Arbeit im Verein näherzubringen und sie dafür zu qualifizieren", so Schneider. Mit dabei sind Migranten aus Frankfurt (Oder), Eisenhüttenstadt, Cottbus, Bad Saarow, Potsdam, Jüterbog und Ludwigsfelde.


    "Im Vergleich zum ersten Lehrgang vor einem Jahr sind die Deutschkenntnisse bei den Teilnehmern deutlich besser. Wir können hier als Gruppe richtig gut arbeiten", freut sich Michael Flottron über das Engagement seiner Schützlinge, wie auch über die "hervorragenden Bedingungen" in Lindow. Im Wechsel wird Theorie gebüffelt und diese dann in Praxiseinheiten vertieft. Flottron: "Es läuft ähnlich ab wie bei einem Trainerlehrgang, nur nehmen wir uns noch mehr Zeit für die einzelnen Themen." Am Montag gab es zum Einstieg des sechstägigen Lehrgangs unter anderem eine Fehler- und eine Mustertrainingseinheit. "Wir haben zunächst bewusst keine Vorgaben gemacht und auch nicht eingegriffen, sodass später bei der Mustereinheit die Korrekturen für die Teilnehmer besser verständlich waren", erklärt FLB-Referent Flottron.


    Am Mittwoch leiteten Sadegh Akbari und Naser Afzal leiteten ihre Lehreinheit problemlos. Sie teilten die Gruppe, um lange Wartezeiten für die "Spieler" zu vermeiden. "Viele Kontakte, viele Wiederholungen – so muss das sein", strahlt Akbari. Der 20-Jährige, der 2016 zusammen mit seiner Familie nach Deutschland kam, ist bereits seit einigen Jahren als Übungsleiter beim FC Eisenhüttenstadt aktiv. "Ich bin Betreuer der D-Jugend und Co-Trainer bei den C-Junioren", berichtet Akbari. Der Fußball ist in seiner Familie stets präsent, "mein Vater hat gespielt, mein Opa auch". Seine Großeltern sind damals in den Iran geflohen, leben nach wie vor dort. "Ich vermisse sie sehr, kann sie leider nicht besuchen, nur ab und zu telefonieren", berichtet der junge Afghane mit trauriger Stimme. Ihm und seiner Familie gehe es in Deutschland sehr gut. "Wir sind zufrieden und dankbar", sagt Akbari, der nach der Schule eine Ausbildung zum Koch begann und diese im kommenden Jahr abschließt.



    So weit ist Naser Afzal noch nicht. Der 21-Jährige ist derzeit auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, "gerne als Heizungsmonteur", klärt er auf. Auch er floh vor vier Jahren aus Afghanistan nach Deutschland – ganz alleine. Selbstständig suchte Afzal Kontakt zu einem Sportverein, trainierte beim SV Wacker Cottbus Ströbitz mit. Und die Cottbuser staunten nicht schlecht. Der junge Flüchtling zeigte sein großes Talent. Kein Wunder: Einst spielte er in der U18-Nationalmannschaft seines Landes. In der Vorsaison erzielte der Stürmer 17 Tore für den Landesligisten. Aktuell sei er aber nicht in Form. "Ich habe in der Corona-Zeit nicht so viel gemacht und etwas zugenommen", lacht Afzal. "Das muss ich erst wieder abtrainieren."


    Athletisch kommt dagegen Patrick Nyalla daher. Der 35-jährige Kameruner kickte zuletzt für den VfB Trebbin in der Landesklasse, schaffte mit dem Club gar den Aufstieg in die Landesliga. Nun kehrt der ausgebildete Verteidiger zum MTV Wünsdorf zurück, bei dem er seine beachtliche Karriere in Deutschland 2017 fortsetzt hatte. Warum beachtlich? Serges Patrick Nyalla Ngatchou, so sein vollständiger Name, hat über zehn Jahre als Profi gespielt. In seiner Heimat für den Club Panthère de Bangante. "Ich habe dann viele Jahre in Asien gespielt, unter anderem in Bahrain, in Thailand und auf den Malediven. Insgesamt in fünf verschiedenen Ländern", so Nyalla.


    Mit der Teilnahme an diesem Grundlehrgang will er sein Deutsch weiter verbessern. "Das ist das beste Training", sagt der Kameruner. Vielmehr meint er damit aber den ständigen Kontakt in einem Verein, ob als Spieler oder bald als Teamleiter. Als Kurs-Leiter Jörg Schneider das hört, legt er ein Lächeln auf. "Da wollen wir ja hin, die Jungs als Engagierte in Sportvereinen gewinnen. Dadurch lernen sie die Lebensgewohnheiten auch noch viel besser kennen", sieht der LSB-Mitarbeiter den Weg, den das Programm "Integration durch Sport" ebnen soll und kann, als einen "ganz wichtigen" an.

    Projektstart 1989, Ausweitung folgte rasch

    "Integration durch Sport" (IdS) ist ein Bundesprogramm, das Sportvereine und -verbände unterstützt, integrative Arbeit leisten zu können, sei es mittels interkultureller Qualifizierungen oder finanzieller Unterstützung. Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete erhalten somit auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Hilfestellungen, die oft über reine Sportkurse oder Trainingsgruppen hinausreichen. Der DOSB bestimmt in engem Austausch mit dem Bundesinnenministerium (BMI) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die strategische und konzeptionelle Ausrichtung von IdS.


    Die Anfänge des Programms gehen auf 1989 zurück, als das Programm zunächst in den vier Bundesländern Niedersachsen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen implementiert wurde, damals noch unter dem Projektnamen "Sport für alle – Sport mit Aussiedlern". Bereits im darauf folgenden Jahr fand eine Ausweitung auf alle alten und 1991 schließlich auf die neuen Bundesländer statt. 2001 wurde das Programm auf die Zielgruppe der Migranten ausgeweitet, und der Name hin zu "Integration durch Sport" geändert. Seit 2016 wird auch Flüchtlingen bei der Integration geholfen.

    https://www.moz.de/landkreise/ostpri...g/0/1/1813270/
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

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    AW: Der Name ist Programm: Integration durch Sport

    Ich frage mich, warum dieses Bild bei mir ein gewisses Unwohlsein auslöst.
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

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