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    Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Mein Briefwechsel mit Robert Habeck

    Nun ja, von einem Briefwechsel im eigentlichen Sinne des Wortes kann keine Rede sein, denn ich musste Robert Habeck in den Schwitzkasten nehmen, bevor er sich zu einer Stellungnahme bequemte. Seit die Grünen staatstragend geworden sind und sogar eigene Vertreter im Präsidium des Bundestages haben, muss man sie immer wieder daran erinnern, wer ihre Diäten, Spesen und die Aktivitäten ihrer NGOs und Stiftungen bezahlt: Es sind die Steuerzahler! Und weil ich mit ein paar Cent dabei bin, darf ich erwarten, dass meine Anfragen beantwortet werden.
    Seit Habeck, im Hauptberuf Autor von keimfreien Kinderbüchern, sich mit zwei Posts zu Landtagswahlen in Thüringen und Bayern bis auf die Zahnfüllungen blamiert hatte, ist er etwas vorsichtiger geworden – nicht mit seinem halb- bis ungaren Statements, sondern mit der Art, wie er sie erklärt. Schauen Sie bitte:
    1.
    sehr geehrter herr habeck,
    in ihrer PK gestern erwähnten sie auch „antisemitisten“, die an den anti-corona-demos teilnehmen. ich habe dazu zwei fragen.
    meinten sie damit vielleicht „antisemiten“? und falls ja, müsste es dann nicht „antisemiten“ und „antisemitinnen“ heißen?
    ich hoffe, es geht ihnen gut.
    beste grüße aus dem befreiten Schleswig-Holstein
    2.
    guten abend, sehr geehrter herr habeck,
    bitte entschuldigen sie, dass ich sie wieder belästige. ich möchte sie nur daran erinnern, dass sie meine mail vom 12.5. noch nicht beantwortet haben. könnte es damit zu tun haben, dass sie erst den wiss. dienst des bundestages um hilfe bitten mussten? oder dass „antisemitisten“ und „antisemiten“ zwei verschiedene kategorien sind, etwa so wie „israeliten“ und „juden“? bitte, klären sie mich auf.
    beste grüße aus grünheide
    3.
    Sehr geehrter Herr Broder,
    danke für Ihre Nachricht. Im Namen von Herrn Habeck möchte ich Ihnen antworten, dass es schlicht ein kleiner Versprecher war und natürlich „Antisemiten“ gemeint waren. Davon gibt es männliche und weibliche.
    Mit freundlichen Grüßen
    Nicola Kabel, Pressesprecherin/Leiterin Presse und Kommunikation, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Bundesverband
    4.
    guten abend, frau kabel, und vielen dank für ihre klarstelling, die mich nachhaltig beruhigt hat.
    man muss ja heute mit allem rechnen, es gibt menschen, die statistik mit statik und statisten verwechseln. oder kobalt mit kobold.
    kann schon mal passieren.
    stets ihr
    Das also war mein Briefwechsel mit dem Co-Vositzenden der Grünen, Robert Habeck, der „für die Renaissance des 21. Jahrhunderts" kämpft. Jetzt muss er nur noch den Reset-Button finden
    und schnell drücken.

    https://www.achgut.com/artikel/mein_..._robert_habeck
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    SPD: Keine Antwort unter dieser Nummer

    Die SPD hat nicht nur eine charismatische Doppelspitze,sie hat auch eine Pressestelle. Chef der Pressestelle beim Parteivorstand ist Albrecht von Wangenheim. Es sei, sagt er, eine aufreibende, aber erbauliche Tätigkeit. Vor allem angesichts der enormen Zahl von Zuschriften, die ihn tagtäglich erreichen. Darunter auch eine von mir:

    sehr geehrter herr von wangenheim,

    in allen berichten über die wahl der beiden neuen vorsitzenden der spd vermisse ich eine information. ist es ein ehrenamt oder bekommen die vorsitzenden ein entgelt, und sei es nur in der form eines schmerzensgeldes?

    und falls dies der fall ist: werden sie nach BAT bezahlt oder außertariflich?

    für eine auskunft wäre ich ihnen sehr verbunden.

    beste grüße vom potomac an die spree

    hb

    Die Antwort kam umgehend.

    Vielen Dank für die Nachricht.

    Wir werten alle Zuschriften an den SPD-Parteivorstand sorgfältig aus. Anregungen und Kritik fließen dabei in unsere Diskussionen mit ein. Wir bitten um Verständnis, dass es uns aufgrund der enormen Zahl von Zuschriften nicht möglich ist, zeitnah auf jede Nachricht einzugehen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Team Direktkommunikation

    Ich bedankte mich auf der Stelle bei der Pressestelle.

    Vielen Dank. So genau wollte ich es nicht wissen. Alles Gute für Ihre Arbeit

    https://www.achgut.com/artikel/spd_k..._dieser_nummer
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  3. #3
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe


    ZDF: Grüner als grün und nachhaltig wortkarg


    Am 1. März dieses Jahres, um fünf nach acht, verbreitete das ZDF in einer hausinternen Mitteilung die frohe Botschaft, mit dem Umwelt- und Klimaschutz gehe es kräftig voran.

    Sonne, Wind und Wasser – Grüner Strom für das ZDF

    Sonne, Wind und Wasser – das ZDF steigt um auf grünen Strom und leistet damit als Unternehmen einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Für das Sendezentrum in Mainz und die 16 Inlandsstudios wird die Strommenge einer mittleren Kleinstadt benötigt. Da zahlt es ein auf die Umweltbilanz des Senders, den Stromanbieter zu wechseln und seit Januar dieses Jahres auf „grünen Strom“ umzusteigen.

    Nach einer europaweiten Ausschreibung bezieht das ZDF Strom aus hundert Prozent erneuerbaren Energien. Der Energiemix für Ökostrom setzt sich zusammen aus 52 Prozent Photovoltaik- und Windenergie und 48 Prozent sonstiger erneuerbarer Energien – hauptsächlich Wasserkraft.

    Dazu kommt seit 2017 in Mainz eine Photovoltaik-Anlage auf dem Parkdeck mit einem Stromertrag von 100.000 Kilowattstunden pro Jahr. Zum Vergleich: Ein 4-Personen-Haushalt in einem Mehrfamilienhaus benötigt bei einem mittleren Verbrauch bis zu 3.200 Kilowattstunden Strom im Jahr. Mit dem Solarstrom werden die innerbetrieblichen Elektrofahrzeuge „betankt“. Der überschüssige sonnenerzeugte Strom wird direkt ins lokale Elektroversorgungsnetz eingespeist.

    Bei der Umstellung auf grünen Strom waren die Berliner Vorreiter: Auf dem Dach des Hauptstadtstudios wurde bereits im August 2013 eine Photovoltaikanlage mit 27 Modulen installiert. Sie leistet ein nicht unerhebliches Einsparpotenzial bei der konventionellen Energieversorgung und bietet unserem Berliner Elektro-Fahrzeug die nötige Power.

    Zukünftig ist der Strom im ZDF grün – und das bundesweit.

    Spannend, um nicht zu sagen: geradezu aufregend an dieser Meldung fand ich die saubere Aufteilung des „Energiemix“ – 52 Prozent Photovoltaik- und Windenergie und 48 Prozent sonstiger erneuerbarer Energien – hauptsächlich Wasserkraft. Wie kriegen die vom ZDF das hin, und wo sind die Wasserfälle, welche die Wasserkraft in Energie umwandeln? Konnte es eine Falschmeldung sein, die irgendein Spaßvogel dem ZDF unterjubeln wollte? Also wandte ich mich am 2. März an die für „Kommunikation“ zuständige Stelle im ZDF:

    sehr geehrter herr stock, sehr geehrter herr berendsmeier,

    mir liegt eine stellungnahme vor, die vom ZDF bzw. im Auftrag des ZDF verbreitet worden sein soll: Sonne, Wind und Wasser – Grüner Strom für das ZDF.

    können sie mir bitte bestätigen, dass es sich tatsächlich um eine information ihres hauses handelt und bei dieser gelegenheit erklären, zu welchem zweck das ZDF vier dieselmotoren mit generatoren für die zentrale am lerchenberg angeschafft hat, wenn der strombedarf des hauses „aus hundert Prozent erneuerbaren Energien“ generiert werden soll?

    kommen sie gut durch das närrische wochenende und lassen sie bitte keinen müll auf den straßen liegen.

    beste grüße, ihr hb

    Die Herren Stock und Berendsmeier waren vermutlich bereits mit den Vorbereitungen der großen ZDF-Karnevalsgala beschäftigt. Meine Anfrage landete auf dem Schreibtisch einer Mitarbeiterin, die mir am 4. März antwortete:

    Sehr geehrter Herr Broder,

    das ZDF bezieht seit Januar 2019 Strom aus alternativen Energien. Die Dieselgeneratoren sichern als Netzersatzanlage die Stromversorgung im Fall eines Netzausfalls.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Barbara Matiaske

    HA Kommunikation - Presse und Information

    Mit einer so raschen Antwort – an einem Rosenmontag in Mainz! – hatte ich nicht gerechnet. Mit einer dermaßen lustlosen auch nicht. Ich verließ einen Empfang bei der Botschaft der Mongolischen Republik noch vor dem Beginn des Unterhaltungsprogramms und machte mich auf den Heimweg, weil ich auf meinem iPhone E-mails lesen, aber nicht schreiben kann.

    sehr geehrte frau matiaske,

    vielen dank für die rasche antwort. erlauben sie mir bitte eine nachfrage:

    bedeutet die umstellung auf strom aus alternativen energien eine kostenersparnis oder verursacht sie mehrkosten? warum haben sie den erwerb der vier dieselgeneratoren in der meldung Grüner Strom für das ZDF nicht erwähnt? und kommt im falle eines netzausfalls, der hoffentlich nie eintreten möge, bio-diesel zum einsatz?

    das wäre alles für heute. danke für ihr entgegenkommen.

    beste grüße, ihr hb

    Die Antwort kam umgehend, um 8.55 Uhr des folgendes Tages landete sie in meinem Postfach.

    Sehr geehrter Herr Broder,

    erlauben auch Sie mir eine Nachfrage: In welcher Funktion fragen Sie und woher haben Sie den Artikel „Grüner Strom für das ZDF“?

    Viele Grüße

    Barbara Matiaske

    HA Kommunikation - Presse und Information

    Das klang noch unleidiger als die letzte E-mail. Ich dachte kurz über meine „Funktion“ nach und antworte sehr höflich, um eine Eskalation der Situation zu verhindern.

    sehr geehrte frau matiaske,

    ich tue es in meiner funktion als gebührenzahler.

    wenn sie weitere informationen über mich benötigen, wenden sie sich bitte an ihren intendanten. der artikel „Grüner Strom für das ZDF“ wurde mir zugeschickt. deswegen habe ich sie um eine bestätigung gebeten, dass es tatsächlich eine publikation ihres hauses ist.

    und nun seien sie bitte so nett und beantworten meine fragen. dafür bezahle ich sie.

    dankbare grüße, b.

    Frau Matiaske von der HA Kommunikation – Presse und Information beim ZDF antwortete knapp unterhalb der Schallgeschwindigkeit. Sie hatte offenbar den Tag in Erwartung einer E-mail von mir an ihrem Schreibtisch am Lerchenberg verbracht.

    Sehr geehrter Herr Broder,

    Informationen zum Thema Nachhaltigkeit im ZDF finden Sie auf den Seiten unternehmen.zdf.de https://www.zdf.de/zdfunternehmen/en...t-csr-108.html

    Mit freundlichen Grüßen, Barbara Matiaske

    So, das war die Quittung für meine exzessive Freundlichkeit. Ein Verweis zum Thema Nachhaltigkeit im ZDF. Darüber wollte ich schon lange alles wissen. Vor allem, aus welchen nachhaltigen Quellen die Mitarbeiter ihren Humor hernehmen und wo der Abfall, der am Lerchenberg produziert wird, am Ende der Woche entsorgt wird. We’ll keep you posted!

    https://www.achgut.com/artikel/das_z...altig_wortkarg
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  4. #4
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Monika, der Herbst ist da!

    Monika Grütters ist eine Politikerin, die man als attraktiv, klug und sympathisch bezeichnen kann, ohne Angst haben zu müssen, auf einer #metoo-Liste zu landen. Außerdem ist sie auch erfolgreich, geradezu ein Überflieger, und das auf einem Parcours, der mit Fallen und Hindernissen gespickt ist. Derzeit aber hat sie keinen allzu glücklichen Lauf. In der Gurlitt-Affäre machte sie keine gute Figur, jetzt hat die SZ die Staatsministerin für Kultur und Medien dermaßen in die Tonne geschrieben, dass sogar ihr Vor-Vor-Vorgänger Michael Naumann, der alte Strippenzieher, Tränen in den Augen gehabt haben soll. Das Irreste an dem SZ-Artikel – „Macht und maximale Verflechtung" – war freilich, dass keiner der Gesprächspartner des Verfassers namentlich genannt werden wollte – aus Angst vor Repressalien aus dem Hause Grütters. Und das sagt eigentlich alles über den staatlich organisierten und geförderten Kulturbetrieb aus. Keiner mag die Hand beißen, die ihn füttert.

    Zuletzt ist Monika Grütters ins Gerede gekommen durch ihre Fürsprache für die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“. Sie nannte es ein „fatales Zeichen", dass die Stiftung Bauhaus Dessau der Antifa-Fronttheater-Truppe keinen Saal für ein „Konzert“ zur Verfügung stellen wollte. Daraus entstand der folgende Briefwechsel:

    Broder an Grütters:

    Liebe Monika,
    Gunnar Schupelius schreibt, Du hast dich dafür eingesetzt, dass die linksradikale Musikgruppe „Feine Sahne Fischfilet“ im Saal der „Stiftung Bauhaus“ in Dessau auftreten darf. https://www.bz-berlin.de/berlin/kolu...nika-gruetters

    Das finde ich gut. Du solltest dich auch dafür einsetzen, dass FSF auch in der Kirche auftreten darf, die du jeden Sonntag besuchst. Kunstfreiheit geht über alles. Erlaube mir bitte nur eine Frage. Als Kurt Westergaard angegriffen wurde https://www.welt.de/politik/ausland/...en-wollen.html, hast Du Dich da auch für seine Kunstfreiheit eingesetzt? Ich kann dazu keinen Hinweis bei Google finden.

    Ansonsten hoffe ich, dass es Dir gut geht.
    Viele grüße aus der Nachbarschaft
    H.

    Grütters an Broder:

    Lieber Henryk,

    hab Dank für Deine Rückmeldung zu meiner Haltung gegenüber dem abgesagten Konzert der Punk-Band „Feine Sahne Fischfilet“ in Dessau. Genau wie Du finde auch ich manche Texte der Band abstoßend. Und dennoch verteidige ich die Freiheit der Kunst als Staatsministerin für Kultur vehement. Ich habe mich um eine differenzierte Stellungnahme bemüht, die ich Dir anbei übersende, weil sie nicht in allen Medienberichten vollständig zitiert war und Dir möglicherweise entgangen ist.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Monika Grütters

    "Die Kunstfreiheit genießt in Deutschland durch Artikel 5 im Grundgesetz hohen Verfassungsrang. Dieser Stellenwert ist die Lehre aus den Erfahrungen unserer Geschichte mit dem Angriff auf die Demokratie seitens rechter und linker Antidemokraten. Der so verstandenen Freiheit der Kunst fühle ich mich als Kulturstaatsministerin immer verpflichtet. Deshalb darf niemals der Eindruck entstehen, dass der Druck der rechtsextremistische Szene ausreicht, ein Konzert zu verhindern. Der Fall von Kollegah hat aber auch gezeigt, was für dramatische Konsequenzen es hat, wenn Hass und Gewalt verharmlost werden oder dazu aufgerufen wird. Ebenso zweifelhaft sind Texte, die wegen linksextremistischer Tendenzen zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz geführt haben. Die Verantwortung der Künstler für ein von rechtsstaatlichen Werten geprägtes Miteinander ist für die Verteidigung der Kunstfreiheit unverzichtbar. Deshalb müssen wir von allen Beteiligten auch immer wieder einfordern, diese Verantwortung stets wahrzunehmen. Verwerfungen wie die aktuellen zeigen, wie dringend nötig auch in der Pop-Musikwelt ein ethischer Kompass ist. Über all dies wird im Stiftungsrat des Bauhaus Dessau und mit dem ZDF intensiv zu sprechen sein."

    Broder an Grütters:

    Liebe Monika,

    danke für deine Antwort. Die Presseerklärung zu FSF kenne ich. Sie wird durch Wiederholung nicht besser. Und zu Westergaard findet sich darin auch kein Wort. Interessant zu sehen, wo für Dich die „Verwerfungen“ im Kulturbetrieb anfangen.

    Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen.

    H.

    https://www.achgut.com/artikel/monika_der_herbst_ist_da
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
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  5. #5
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe


    Doktor Gniffkes gesammeltes Schweigen


    Es ist ja nicht alles übel, was die Tagesthemen und das heute-journal senden. Die Berichterstattung über die Hurricanes, die über die Philippinen und die Ostküste der USA hinweggefegt sind, war zum Beispiel ganz ordentlich. Dafür ist vieles nicht einfach schlecht, es ist manipulativ, selektiv und wird als Nachricht angeboten, obwohl es reine Meinung ist, wogegen nichts zu sagen wäre, wenn es als Meinung präsentiert würde. Und dort, wo „Meinung“ drauf steht, ist es meist präpotentes Gelaber von Leuten, die ihren Traum, Regierungssprecher zu werden, noch nicht aufgegeben haben.

    Nachfolgend ein kurzer und zugegeben recht einseitiger Briefwechsel zwischen mir und Dr. Kai Gniffke, dem Ersten Chefredakteur von ARD aktuell, zuständig für Tagesschau, Tagesthemen, Brennpunkt und andere.

    broder an Gniffke, 3. September

    guten abend, lieber herr Gniffke,

    ich habe soeben die 20-uhr-tagesschau gesehen, in der sie über das konzert in chemnitz berichtet haben. in dem bericht hieß es, das konzert sei „gratis“ gewesen. der eintritt für die besucher frei. - davon abgesehen ist so ein konzert mit erheblichen kosten verbunden. die bühne muss auf- und abgebaut, die technik gemietet und bedient werden. der verkehr muss umgeleitet, der müll nach dem konzert abtransportiert werden. das alles kostet geld. hinzu kommen die ausgaben für die vielen dixie-klos, das security-personal und die sanitäter vor ort. auch die polizisten, die aus sieben bundesländern angereist sind, wollen versorgt werden. alles in allem dürften die kosten für ein konzert dieser größenordnung bei mindestens 500.000,- euro liegen.
    wäre es da nicht angemessen gewesen, wenn sie - und sei es nur in einem kurzen nebensatz - darauf hingewiesen hätten, statt den eindruck zu erwecken, das ganze sei „gratis“ gewesen? von dem geldwerten vorteil, den eine live-übertragung im ZDF für die musiker bedeutet, nicht zu reden.

    ich wäre ihnen sehr verbunden, wenn sie mir diese unterlassung erklären würden.
    mit den besten grüßen von der deutsch-ungarischen grenze.
    ihr hb

    broder an Gniffke, 10. September

    lieber herr Gniffke,
    ich möchte nicht aufdringlich sein, aber sie schulden mir noch eine antwort auf meine mail vom 3.9. vielleicht könnten sie mir bei dieser gelegenheit auch sagen, ob sie ihre zusammenarbeit mit der „antifa zeckenbiss“ ausbauen und vertiefen wollen.

    viele grüße aus der wilmersdorfer antifa-ortsgruppe
    ihr hb

    broder an Gniffke, 16. September

    lieber herr gniffke,
    es ist mir ein wenig unangenehm, aber ich muss sie darauf hinweisen, dass in der „Demokratieabgabe“ von 17,50 euro, welche die ARD und die anderen ö-r anstalten erheben, auch ein entgelt für die beantwortung von zuhörer- und zuschaueranfragen enthalten ist. und da wir uns grade so schön unterhalten, hätte ich noch eine frage:
    sowohl in der tagesschau wie in den tagesthemen hieß es heute in einem bericht über zwei demos in köthen, „Anlass der Demonstrationen“ sei „der Tod eines 22jährigen Deutschen vor einer Woche, der Schwerkranke war nach einer Auseinandersetzung mit zwei Afghanen an einem Infarkt gestorben“.

    ist ihnen bekannt, dass „herzversagen“ die häufigste und beliebteste todesursache in einigen der renommiertesten deutschen ferienlager wie buchenwald, dachau und sachsenhausen war, solange die todesfälle noch einzeln gezählt wurden?
    andererseits kann man natürlich nicht ausschließen, dass der schwerkranke inzwischen auch gestorben wäre, wenn es die „auseinandersetzung“ mit den zwei vom himmel gefallenen afghanen nicht gegeben hätte. möglicherweise vor aufregung über die berichterstattung der tagesschau aus chemnitz und köthen. auch dann wäre er eines natürlichen todes gestorben.

    kommen sie bitte gut in die neue woche
    beste grüße aus dem plänterwald
    ihr hb

    Gniffke an broder, 17. September

    Lieber Herr Broder,
    danke für Ihre Mail. Natürlich haben Sie auch als gesetzlich Fernseh-Versicherter Anspruch auf Chefarzt-Behandlung. Allerdings muss ich diesmal gestehen - und das ist jetzt keine Ironie - dass ich Ihre Frage nicht verstanden habe. Bitte helfen Sie mir. Oder war es von Ihnen eher als eine rhetorische Frage gemeint?
    Herzliche Grüße
    Dr. Kai Gniffke

    broder an Gniffke, 17. September

    lieber herr gniffke,

    ich habe nicht studiert und deswegen keine ahnung, was eine rhetorische frage ist. sie dagegen scheinen mir ein meister der rhetorischen antwort zu sein. als erstes fällt mir da ihre stellungnahme auf die frage ein, warum die TT nicht über den zwischenfall in freiburg berichtet haben, bei dem eine junge frau vom rad gefallen und ertrunken ist. ich könnte noch weitere beispiele anführen, aber nicht jetzt. mein blutdruck sinkt, und ich muss deswegen die TT gucken. während sie, nehme ich an, grade auf der seite von „antifa zeckenbiss“ nach anregungen suchen.

    haben sie eine ruhige nacht

    ihr hb

    Das wäre es für heute. Mich erinnert diese Geschichte an ein Frühwerk von Heinrich Böll aus dem Jahre 1958. Falls Sie an Dr. Gniffke schreiben möchten, versuchen Sie es unter dieser Adresse: kai.gniffke@tagesschau.de.

    https://www.achgut.com/artikel/dokto...ltes_schweigen
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  6. #6
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Broder erhält wenigstens noch Antworten. Offensichtlich aber nur wegen seines Promi-Statuses.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  7. #7
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    Broder erhält wenigstens noch Antworten. Offensichtlich aber nur wegen seines Promi-Statuses.
    Aber ist dieses Briefeschreiben sinnvoll bei Menschen, über die man besser kein Wort verlieren sollte?
    Dabei machen sie es uns doch zum Beispiel mit der AfD vor: sie versuchen sie totzuschweigen. Warum können wir eigentlich nicht einmal etwas von ihnen lernen?
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

  8. #8
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Chemnitz: Die Regierung leistet einen Offenbarungseid

    guten abend, lieber herr seibert,

    eigentlich wollte ich sie fragen, ob die kanzlerin beabsichtigt, eine erklärung zu dem neuen buch von Thilo Sarrazin abzugeben, von dem ich sie herzlich grüßen soll. aber ich stelle diese frage erst einmal zurück. etwas anderes erscheint mir wichtiger.

    ich teile vollkommen ihre haltung, dass „Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens, anderer Herkunft, oder der Versuch, Hass auf den Straßen zu verbreiten“ nicht hingenommen werden können. ich habe in den letzten tagen versucht, visuelle belege für solche hetzjagden im netz zu finden, bin aber nur auf ein ca 20 sec kurzes video gestoßen, auf dem zu sehen ist, wie eine person einer anderen person hinterher läuft. aus diesem video wird nicht klar, wer wen verfolgt, auch nicht, wo und wann dieses video aufgenommen wurde.

    nun bin ich über einen beitrag des politologen Werner Patzelt gestolpert, der eine vielzahl von berichten über chemnitz ausgewertet hat. sein resümee: „Jene ‚Hetzjagden‘, bei denen sich – so der anfangs letzter Woche allenthalben verbreitete Eindruck – sehr viele von denen, die in Chemnitz demonstrierten, auch noch ans Fangen und Verprügeln von Migranten machen wollten, hat es so nicht gegeben.“ (http://wjpatzelt.de/2018/09/02/was-v...inigen-lehren/)

    prof. Patzelt steht nicht im verdacht, ein panikmacher oder schönredner zu sein. andererseits bin ich mir sicher, dass sie, lieber herr seibert, keine behauptung in die welt setzen, die sie nicht belegen können. ich wäre ihnen deswegen sehr verbunden, wenn sie mir sagen würden, wo ich die belege finden kann. es kann doch nicht sein, dass es nur ein kurzes video obskurer provenienz gibt.

    mit den besten grüßen aus katowice

    ihr hb

    Sehr geehrter Herr Broder, vielen Dank für Ihre Anfrage.

    Regierungssprecher Steffen Seibert hat sich am Montag, 27. August 2018, in der Regierungspressekonferenz zu den Ereignissen in Chemnitz geäußert und die Vorfälle des Vortags politisch eingeordnet.

    Zu diesem Zeitpunkt existierten in den sozialen Medien bereits vielfach verbreitete Schilderungen der Geschehnisse, darunter auch eine Videoaufnahme, die zeigt, wie Demonstranten in aufgeladener Stimmung Migranten mit Sätzen wie „Haut ab!“, „Was wollt ihr, ihr Kanaken“ und „Ihr seid nicht willkommen“ nachsetzen und diese in die Flucht jagen.

    Auch die „Freie Presse Chemnitz“ berichtete darüber, dass es aus der Demonstration heraus Angriffe auf „Migranten, Linke und Polizisten“ gegeben habe.

    Die Einordnung der Ereignisse von Chemnitz war schließlich am Montag, 3. September 2018, ein weiteres Mal Thema in der Regierungspressekonferenz. Regierungssprecher Steffen Seibert hat auf die Frage eines Journalisten wie folgt geantwortet:

    „Ich werde hier keine semantische Debatte über ein Wort führen. Wenn die Generalstaatsanwaltschaft das sagt, dann nehme ich das natürlich zur Kenntnis. Es bleibt aber dabei, dass Filmaufnahmen zeigen, wie Menschen ausländischer Herkunft nachgesetzt wurde und wie sie bedroht wurden. Es bleibt dabei, dass Polizisten und Journalisten bedroht, zum Teil auch angegriffen wurden. Es bleibt dabei, dass es Äußerungen gab, die bedrohlich waren, nah am Aufruf zur Selbstjustiz. Also da gibt es aus meiner Sicht auch nichts kleinzureden.“

    Quelle: „ein Regierungssprecher“ (ohne Namensnennung)

    Mit freundlichen Grüßen

    sehr geehrter herr XY,

    vielen dank für ihre rasche antwort.

    erlauben sie mir bitte eine kleine nachfrage, nur um sicher zu sein, dass ich sie richtig verstanden habe:

    die bundesregierung, vertreten durch den regierungssprecher, herrn seibert, bildet sich also ihre meinung aufgrund von berichten in den sog. sozialen medien, denen man auch viele lustige verschwörungstheorien entnehmen kann, u.a. die, 9/11 wäre ein insiderjob der CIA gewesen und die kanzlerin eine agentin des KGB.

    der bundesregierung bzw. dem BPA liegt genau „eine Videoaufnahme vor, die zeigt, wie Demonstranten in aufgeladener Stimmung Migranten... nachsetzen und diese in die Flucht jagen“. ich nehme an, wir beide meinen dieselbe videoaufnahme, einen etwa 20 sec kurzem clip, von dem man nicht weiß, wer ihn gemacht und wie er seinen weg in die „sozialen medien“ und das fernsehen gemacht hat. man kann diesen clip so interpretieren, wie sie es tun, man kann aber auch der meinung sein, dass er diese interpretation nicht hergibt. wie so vieles im leben ist auch das eine frage der optik. ihrer auslegung steht nicht nur das nicht-vorhandensein anderer videoaufnahmen entgegen, sondern auch die feststellung des sächsischen generalstaatsanwalts, es habe keine „hetzjagden“ gegeben. der politologe Werner Patzelt kommt nach auswertung der zugänglichen dokumente zum selben ergebnis.

    ich will mit ihnen keine semantische debatte führen. aber es gibt einen unterschied zwischen pöbeleien, übergriffen auf journalisten (bis jetzt liegen sieben anzeigen vor) und „hetzjagden“. es macht auch einen unterschied, ob ein solcher begriff von der friedlichen chemnitzer antifa gebraucht wird oder vom regierungssprecher, also quasi ex cathedra. auch das kann im eifer des gefcchtes mal passieren, aber dann sollte es auch richtiggestellt bzw. „politisch eingeordnet“ werden.

    mit den besten grüßen, auch an herrn seibert

    ihr hb

    Fortsetzung folgt. Oder auch nicht.

    https://www.achgut.com/artikel/chemn...ffenbarungseid
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  9. #9
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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Der NDR korrigiert einen falschen Fehler

    Wie Sie vermutlich wissen, hat es im Vorfeld der Verleihung des Johann-Heinrich-Voß-Preises durch die Stadt Otterndorf einige Aufregung gegeben. Um den Streit zu deeskalieren, habe ich auf die Annahme des Preises verzichtet. Was mitnichten zu einer Beruhigung der Gemüter geführt hat.

    Federführend in dieser Causa war eine Bürgerinitiative, die von einer SPD-Lokalpoliikerin initiiert wurde, und eine NDR-Redaktion, die sich der Sache annahm. Ich hätte, hieß es in einem Radio-Beitrag, Flüchtlinge als „parasitäres Pack“ bezeichnet. In einer später korrigierten Fassung wurde der O-Ton nachgebessert; es war nur noch von „Andersdenkenden“ die Rede, die ich als „Parasiten“ beschimpft hätte, was zwar auch nicht stimmte, aber nicht mehr ganz so fies klang. Und dann war da noch eine halbherzige „Richtigstellung", wobei der für den verpatzten Beitrag verantwortliche Redakteur sich selbst interviewte.

    Parallel dazu lief ein Notenwechsel zwischen mir und dem NDR, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, steht er doch für die zunehmende Verwahrlosung der Sitten im öffentlich-rechtlichen System da.

    Hier die Stationen der Reise in einen Abgrund namens Norddeutscher Rundfunk.

    16. Mai: sehr geehrter herr deppe,

    sie haben gestern ein radio-interview mit Stefan Aust geführt, in dem sie ihm u.a. die frage stellen:

    Aber wenn Broder Andersdenkende als zum Beispiel „Parasiten“ beschimpft, als „Anal-Phabeten“, als „Lumpen vom Dienst“, „Jung-Stürmer“, „autistische Schmieranten“ oder Flüchtlinge als „parasitäres Pack“, dann ist es doch schwierig, das mit den Werten von Humanismus, Aufklärung, Menschlichkeit und Freiheit zu vereinbaren, oder?

    darf ich sie bitten, mir mitzuteilen, woher sie diese zitate haben und ob sie sich die mühe gemacht haben, sie auf ihre richtigkeit und den kontext zu überprüfen?

    für eine zeitnahe antwort wäre ich ihnen sehr verbunden.

    grüße von der spree an die elbe, b

    18. Mai: sehr geehrter herr marmor,

    ich habe mich gestern an ihren mitarbeiter, jürgen deppe, gewandt und ihn gebeten, mir zu sagen, woher er die zitate hat, die er im interview mit stefan aust benutzte. herr deppe scheint sich mit der antwort schwer zu tun. - wäre es ihnen möglich, den vorgang ein wenig zu beschleunigen?

    vielen dank für ihre mühe, ihr hb

    18. Mai: Sehr geehrter Herr Broder,

    vielen Dank für Ihre E-Mail. Ihr Anliegen ist uns wichtig und befindet sich bei uns gerade in Bearbeitung. Wir werden uns zeitnah bei Ihnen melden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Liza Hamidi
    Büro des Intendanten
    Norddeutscher Rundfunk

    18. Mai: Sehr geehrter Herr Broder,

    haben Sie vielen Dank für Ihre E-Mail vom 16. Mai an NDR Kultur. Sie nehmen Bezug auf das Interview, das Jürgen Deppe am Dienstag dieser Woche für die Sendung „Journal“ mit Stefan Aust geführt hat. Sie bitten um Mitteilung der Belegstellen für die dort aufgeführten Zitate. Alle genannten Begriffe und Wendungen sind in öffentlich zugänglichen Quellen zu finden. Die Belege im Detail:

    „Anal-Phabeten“: Diese Prägung verwenden Sie in der Überschrift des Textes „Aachener Anal-Phabeten“ vom 21.12.2011. Im Text schreiben Sie: „Dass es in meinem Gewerbe Kollegen gibt, die nicht schreiben können, damit habe ich mich schon abgefunden. Dass es aber auch solche gibt, die nicht lesen können, das überrascht mich doch ein wenig.“ Sie nehmen damit Bezug auf den stellvertretenden Chefredakteur der Aachener Zeitung, Bernd Büttgens.

    Quelle: achgut.com http://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/5573

    „autistischer Schmierant“: Diese Prägung verwenden Sie in dem Text „Fuck you, ZDF!“ vom 14.04.2012 mit Bezug auf Günter Grass. Sie kritisieren, dass ein Interview mit Ihnen für das ZDF-Kulturmagazin „aspekte“ in einen falschen Zusammenhang gerückt worden sei, den Sie als „miese Manipulation“ bezeichnen. Das Interview sei „als eine Art Streitgespräch zwischen Grass und mir“ gesendet worden – das dafür verwendete Gespräch mit Grass sei aber nach der Veröffentlichung des Grass-Gedichts „Was gesagt werden muss“ geführt worden, das Gespräch mit Ihnen davor. Sie schreiben: „Grass konnte sich zu den Reaktionen auf sein Gedicht äußern, ich konnte aber nichts zu dem Gedicht sagen, weil ich es nicht kannte. Ich hätte sonst nicht darauf verzichtet, Grass das zu nennen, was er ist: Nicht nur ein Antisemit, sondern ein blöder Schwätzer, ein autistischer Schmierant und ein wehleidiges Würstchen, das austeilen, aber nicht einstecken kann.“

    Quelle: achgut.com http://www.achgut.com/artikel/fuck_you_zdf

    „Jung-Stürmer“: Diese Prägung verwenden Sie in dem Text „Es geht nichts über ein persönliches Gespräch“ vom 10.02.2012 mit Bezug auf den im Text namentlich nicht genannten („ein 22 Jahre junges Würstchen“) „frisch gekürte[n] Kreisvorsitzende[n]“ der Piraten-Partei in Heidenheim. Er sei „so blöd“ gewesen, „sich die Blöße zu geben und der Welt per Twitter mitzuteilen, er finde ‚den juden an sich unsymptahisch [sic]'“. Mit Blick auf die darauf folgende Entwicklung schreiben Sie: „In Heidenheim wird aus dem Jung-Stürmer nix mehr“.

    Quelle: achgut.com http://www.achgut.com/artikel/es_geh...ches_gespraech

    „Lumpen vom Dienst“: Diese Wendung verwenden Sie - im Singular - in dem Text „Der Lump vom Dienst“ vom 16.11.2011 mit Bezug auf den Journalisten Christian Bommarius. Es heißt da: „Ein Schweinefuss bleibt ein Schweinefuss, auch wenn man ihm jeden Tag ein frisches Armani-Söckchen überzieht. In diesem Fall heißt das Füßchen Christian Bommarius, er ist der Lump vom Dienst der Berliner Zeitung“. Sie geben im Wortlaut wieder, was Christian Bommarius „in einem Kommentar über den norwegischen Massenmörder Breivik“ darüber geschrieben habe, „‚was Broder mit Breivik zu tun hat‘“. Weiter zitieren Sie einen Leitartikel Bommarius‘ „über die ‚selbstverschuldete Blindheit‘ des Verfassungsschutzes gegenüber Rechtsextremisten“. Das Leitartikel-Zitat endet mit einer namentlich auf Sie gemünzten Polemik. Sie schreiben dazu: „Wäre er [Bommarius] ein normaler Wichtigtuer, würde ich ihn jetzt zu einem kleinen Zweikampf bitten. Drei Runden a drei Minuten mit 12-Unzen-Handschuhen, und das Problem wäre vom Tisch. Er ist aber kein normaler Wichtigtuer, er ist ein Lump, der Lump vom Dienst der Berliner Zeitung.“

    Quelle: „Die Achse des Guten. Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena“ http://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/5412

    „Parasiten“ und „parasitäres Pack“: Diesen Begriff und diese Wendung verwenden Sie in dem Text „Lau unter Schock“ vom 24.01.2012 mit Bezug auf einen Artikel des ZEIT-Journalisten Jörg Lau. – Lau hatte sich mit einem „achgut-Eintrag“ von Ihnen auseinandergesetzt. In diesem Zusammenhang zitieren Sie zuerst sich selbst (aus jenem Text vom 18.01.2012): „So lange dieses parasitäre Pack nicht von seinem ‚Recht auf Rückkehr‘ Gebrauch macht, wird es keinen Frieden in Palästina geben.“ Sie fragen nun: „Was soll daran falsch sein?“ Es gehe, erläutern Sie, um „mehr als 1000 NGOs“, die sich „um die Palästinenser in der WB und in Gaza“ kümmern. Dazu schreiben Sie: „Es sind Parasiten, die das vermeintliche oder tatsächliche Elend ihrer Fürsorgeobjekte nicht nur ausnutzen, sondern für dessen Fortsetzung sorgen“.

    Quelle: „Die Achse des Guten. Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena“ http://henryk-broder.com/hmb.php/blog/article/5552

    Zusammenfassend sei angemerkt:

    Im Interview mit Herrn Aust hat Jürgen Deppe mit Bezug auf die Otterndorfer Initiative Begriffe zitiert, die sich durch überprüfbare Quellen belegen lassen. In einem Fall („parasitäres Pack“) ist dabei eine unzutreffende Kontextualisierung unterlaufen. In der Tat wurde die Wendung „parasitäres Pack“ in einen Kontext gerückt, den Sie in der o.a. Quelle nicht hergestellt haben. Dafür bitten wir um Entschuldigung.

    Die Meinungsverschiedenheiten rund um den renommierten Preis auf nachvollziehbare Weise zu thematisieren: Dies, nicht mehr, nicht weniger, war der leitende Gedanke des mit Stefan Aust geführten Interviews.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Ulrich Kühn
    Leitung Kulturmagazine, NDR Kultur

    22. Mai: sehr geehrter herr dr. kühn,

    vielen dank für ihre mail. sie haben also tatsächlich im großen heuhaufen meiner werke fünf stecknadeln gefunden, die sie gegen mich ins feld führen. sie beziehungsweise ihr kollege jürgen deppe, der das int mit stefan aust geführt hat. wer immer es war, er hat quasi die pointe geliefert und den dazugehörigen witz unterschlagen. das ist die hohe schule der manipulation. günter grass, um nur ein beispiel zu nennen, hat sich die attribute „Antisemit“, „blöder Schwätzer“ und „autistischer Schmierant“ ehrlich erarbeitet, mit seinem vergessenen waffen-SS-gastspiel wie mit seinen „israelkritischen“ statements. sie bzw. herr deppe mögen da anderer meinung sein, es sei ihnen beiden gegönnt.

    eine der fünf stecknadeln hat herr deppe selbst platziert, um später „heureka!" zu schreien. wie auch sie, herr kühn, inzwischen herausgefunden haben, ist ihm „dabei eine unzutreffende Kontextualisierung unterlaufen“, was eine wirklich kreative umschreibung für „Fälschung“ ist, für die sie, herr kühn, nun „um Entschuldigung“ bitten. die bekommen sie erst, wenn sie sich nicht bei mir, sondern bei den hörerinnen und hörern des NDR entschuldigen und ausdrücklich darauf hinweisen, dass mit „Parasiten“ bzw. „parasitärem Pack“ die NGOs gemeint waren, die das „Elend ihrer Fürsorgeobjekte ausnutzen“. ist doch nicht zu viel verlangt, oder?

    aber das sind nur petitessen. was mich tatsächlich beleidigt, kränkt, schmerzt und verletzt, ist der umstand, dass herr deppe oder die/derjenige, den/die er ins archiv geschickt hat, nicht mal eine meiner vielen sottisen gefunden hat, die mir für claudia roth eingefallen sind, z.b.: „Ein Doppelzentner fleischgewordene Dummheit, nah am Wasser gebaut und voller Mitgefühl mit sich selbst.“ sie müssen doch zugeben, das ist noch besser als „eine intellektuell befreite Zone“ (Wiglaf Droste) und „Eichhörnchen auf Ecstasy“ (Harald Schmidt). auch frau roth soll darüber sehr, sehr ungehalten gewesen sein.

    was sie bzw. herr deppe jetzt noch machen sollten, wäre, ein kompendium zu erarbeiten, in dem alle ausdrücke und wendungen enthalten sind, derer sich kulturschaffende enthalten sollten. achten sie dabei bitte auf die richtige kontextualisierung. das wäre für alle gremien, die preise vergeben, eine große hilfe.

    mit vielen grüßen, auch an herrn deppe, ihr hb

    23. Mai: Sehr geehrter Herr Broder,

    vielen Dank für Ihre Mail vom 22. Mai. Sie fragen, ob wir schon einmal daran gedacht hätten, uns bei den Hörerinnen und Hörern des NDR zu entschuldigen und sie darauf hinzuweisen, wer mit den von Ihnen verwendeten Begriffen „Parasiten“ und „parasitäres Pack“ gemeint war. Sie finden den entsprechenden Hinweis nebst Entschuldigung im Internet unter dem Interview mit Stefan Aust. Außerdem haben wir unsere Korrektur-Rubrik „NDR Kultur und Sie“ (in der Regel mittwochs im Programm) dazu genutzt, auch „on air“ den korrekten Zusammenhang darzustellen, unter Verweis auf Ihre entsprechenden Texte vom Januar 2012. Der Link dazu steht am Ende der Mail.

    Ich wiederhole es: Ich bedauere sehr, dass uns dieser Fehler unterlaufen ist, und es würde mich freuen, wenn Sie unsere Entschuldigung akzeptierten. Wäre das möglich?

    Fragt, mit besten Grüßen, Ihr Ulrich Kühn

    26. Mai: sehr geehrter herr kühn,

    ich möchte wirklich nicht derjenige sein, der dem öffentlich-rechtlichen system den todesstoß versetzt. es ist eh dabei, selbstmord auf raten zu begehen. ich wäre deswegen bereit, ihre entschuldigung unter einer bedingung anzunehmen: dass sie herrn deppe, ihren kreativen investigativ-interviewer, für mindestens zwei wochen als kammerdiener zu frau göring-eckardt schicken.

    mit vielen grüßen aus dem schönen thüringen, ihr hb

    Sollte es, liebe Achse-Leser, eine Fortsetzung geben, werden wir Sie auf dem Laufenden halten und dabei natürlich auf die Kontextualisierung achten.

    https://www.achgut.com/artikel/der_n...alschen_fehler
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

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    AW: Henryk M. Broder schreibt Briefe

    Die Tagesschau übt schon mal den Kopfstand

    Vielen Lesern der Achse hat mein kleiner Notenwechsel mit dem HR ordentlich Spaß gemacht. Es gibt jetzt eine Fortsetzung, diesmal mit dem Chef der Tagesschau über die Frage, warum eine Reporterin des BR, die aus Teheran berichtet, vor der Kamera ein Kopftuch trägt. Schauen Sie bitte:

    Lieber Herr Gniffke,

    Ihre Korrespondentin in Teheran trägt ein Kopftuch, wenn sie einen Bericht für die Tagesschau oder die Tagesthemen aufnimmt. Ich habe im Prinzip nichts dagegen, würde aber gerne wissen, warum Ihre Kollegen, die in Israel arbeiten, keine Kippa tragen, und die Mitarbeiter, die in Italien tätig sind, kein Kruzifix.

    Für eine ernst gemeinte Antwort wäre ich ihnen sehr verbunden.

    Beste Grüße aus dem Altmühltal

    ihr hb

    Lieber Herr Broder,

    die Antwort ist ebenso einfach wie ernst gemeint: Die Kolleginnen in Israel und in Italien tragen die genannten Gegenstände bei ihren Auftritten nicht, weil dies in diesen Ländern nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Das ist der Unterschied zu Iran.

    Herzliche Grüße von der Elbe an die Altmühl
    Dr. Kai Gniffke
    Erster Chefredakteur

    lieber herr gniffke,

    danke für die schnelle antwort.

    das gesetz würde ich gerne mal sehen. es kann auch eine farsi-version sein, ich habe freunde, die es lesen und übersetzen können. sind sie sich sicher, dass das „gesetz“ auch für auslandskorrespondentinnen gilt, die im iranischen TV nicht zu sehen sind?und falls es in irgendeinem land ein ein gesetz gäbe, das die mitarbeiter ausländischer sender verpflichtet, ihre ansagen im kopfstand zu machen, würden sie sich auch daran halten?

    grüß gott aus bayern

    ihr hb

    Lieber Herr Broder,

    selbstverständlich würden sich unsere Korrespondenten an das Kopfstand-Gesetz halten. Aber zurück zu Frau Amiri. Sie hat jüngst auf unserer Seite erklärt, warum sie das Kopftuch trägt: http://www.tagesschau.de/ausland/iran-amiri-103.html Für Nachfragen steht Ihnen das Studio Teheran des BR sicher gerne zur Verfügung.

    Herzliche Grüße
    Dr. Kai Gniffke
    Erster Chefredakteur
    ARD-aktuell

    lieber herr gniffke,

    entschuldigen sie bitte, dass ich erst jetzt antworte. ich hatte ein treffen mit erich von däniken, um mir von ihm über seine letzte reise zum mars berichten zu lassen.

    mit aller hochachtung - ich finde ihre letzte mail ein wenig unbefriedigend. umso witziger ist dagegen das int., das die tagesschau mit ihrer eigenen korrepondentin in teheran geführt hat. ein musterbeispiel investigativen journalismus. besonders erhellend finde ich zwei sätze, die von der politischen reife ihrer mitarbeiterin zeugen:

    „Auch in Deutschland verlangen wir, das sich alle an unsere Gesetze halten.“

    eigentlich ist es noch schlimmer. wir verlangen sogar, dass das bindewort „dass“ mit zwei „s“ geschrieben wird, aber vielleicht gelten mittlerweile auch dafür die regeln des iranischen regimes. im übrigen „verlangen wir“ mitnichten, dass sich alle an „unsere regeln“ halten. die ausnahmen, z.b. bei der illegalen einreise, sind inzwischen zur regel geworden.

    „Ich arbeite mit iranischen Kollegen zusammen, deshalb trage ich Kopftuch. Es ist einfach konsequent, das Kopftuch zu tragen, anstatt es einmal nicht und einmal schon zu tragen. Denn sonst müsste man sich jedes Mal erneut erklären. Und das nimmt Zeit in Anspruch, die ich lieber für Geschichten aus diesem Land verwende.“

    ihre mitarbeiterin trägt das kopftuch nicht, weil ein gesetz es verlangt, sondern weil ihre kollegen es von ihr erwarten. das studio des BR in teheran, sie müssten es wissen, ist kein öffentlicher raum – kein cafe, kein park, keine behörde und keine u-bahn-station – es ist ein privater ort. die berichte ihrer korrespondentin werden in deutschland gezeigt, nicht im iran. das tragen des kopftuchs durch eine deutsche staatsangehörige an einem nicht-öffentlichen ort ist kein ausdruck des respekts vor der kultur des gastlandes, sondern ein zeichen der unterwerfung vor einer diktatur, in der zum tode verurteilte frauen vollverhüllt exekutiert werden. wohl aus rücksicht auf die männlichen zuschauer der hinrichtung.

    wenn ihre mitarbeiterin erklärt, es sei „einfach konsequent, das kopftuch zu tragen, anstatt es einmal nicht und einmal schon zu tragen“, dann wäre es ebenso konsequent, das kopftuch einfach nicht zu tragen. allerdings, das zeit-argument leuchtet mir ein. ich wasche mir die haare auch nur jeden dritten tag, um mehr zeit für meine artikel zu haben.

    ich hoffe, damit zur klärung eines komplexen sachverhalts beigetragen zu haben und wünsche ihnen ein ruhiges, kopftuchfreies wochenende.

    schabbat schalom!

    ihr hb

    Das wäre es, vorläufig. Sollte es seitens der Tagesschau eine neue Erklärung dafür geben, warum eine deutsche Korrespondetin ein Kopftuch trägt, werden wir Sie umgehend darüber informieren.

    https://www.achgut.com/artikel/die_t..._den_kopfstand
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

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