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    Iraner Mohammed: In ständiger Angst vor der Abschiebung

    Wenn nicht seine Geschichte oder Geschichten, so wird ihn wenigstens seine Lebensgefährtin retten als Ehefrau in spe, die allerdings erst zum Zuge kommen kann, wenn die Ehe im Iran aufgelöst wurde:

    Iraner von Abschiebung bedroht

    In ständiger Angst vor der Abschiebung

    Mohammad Hojatinasab hat dem Islam abgeschworen. Damit hat sich der heute 33-Jährige in seiner Heimat, dem Iran, in Lebensgefahr gebracht. 2015 flüchtete er nach Deutschland. Nun droht ihm die Abschiebung.


    Mohammad Hojatinasab liebt seine Arbeit als Pflegehelfer und ist bei den Bewohnern, deren Verwandten, den Kollegen und der Chefin des Seniorenheims beliebt.




    Landkreis Osterholz. Die Nachricht habe ihn geschockt, sagt Günter Angermeier. Auch Christa Reichenbach mochte es nicht glauben, als sie hörte, dass Mohammad Hojatinasab in den Iran abgeschoben werden soll. Seit 3. März wird er in Deutschland nur geduldet. Angermeier und Reichenbach kennen den Flüchtling vom Senioren- und Pflegeheim Bellvita in Ritterhude. Seit November 2018 arbeitet der 33-Jährige dort als Pflegehelfer. Matti, wie er von allen genannt wird, sei beliebt, bestätigen die Leiterin der Einrichtung, Katrin Tieck, und der Mitarbeiter Nicco Ostwald: Matti sei ein toller, umsichtiger Kollege.


    „Er ist immer nett, fröhlich und richtig liebevoll; er macht seine Arbeit mit ganz viel Herz und ist dabei sehr angenehm“, erzählt Christa Reichenbach. Ihre Mutter wurde von Matti versorgt. „Trotz des Zeitdrucks in der Pflege ist er immer sehr geduldig“, sagt auch Angermeier. Sein Vater, der an Parkinson litt, habe bis zuletzt gelächelt, wenn Matti zu ihm kam. Das zu sehen, habe ihm als Sohn gutgetan. So einen Helfer zu verlieren, so einen Menschen, sei für ihn unfassbar.


    Die Gerichte beurteilen dies anders. Sowohl mit seinem Antrag auf Asyl, als auch mit dem Antrag auf Zulassung eines Berufungsverfahrens, ist Mohammad Hojatinasab gescheitert. Er soll abgeschoben werden. Eine Revision ist nicht möglich. Was ihm jetzt noch bleibt, ist ein Härtefallantrag, sagt seine Lebensgefährtin Elke Vestal. Auf Nachfrage bestätigt dies die Ausländerbehörde des Landkreises Osterholz: „Nach derzeitiger Faktenlage ist ein Härtefallantrag die einzige Möglichkeit, eine langfristige Bleibeperspektive zu eröffnen.“

    Hojatinasab setzt seine ganze Hoffnung darauf: „Ich bin aus Angst geflüchtet.“ Ende 2015 habe er sich zu Fuß über die Türkei, Griechenland und Mazedonien nach Deutschland aufgemacht. Eltern, Geschwister, Frau und Kind sowie Schwiegereltern ließ er zurück. Vor ihnen und der iranischen Gesellschaft floh er. „Wenn ich in den Iran zurückgeschickt werde, lebe ich vielleicht noch eine Woche“, sagt Hojatinasab. Denn er hat sich in dem islamischen Staat vom Islam losgesagt. Damit ist er quasi vogelfrei. „Man kann im Iran nicht ohne einen Glauben leben“, sagt der 33-Jährige.


    „Dort, wo der Islam Staatsreligion und tragende Säule der staatlichen Ordnung ist, bedeutet der Glaubensabfall Erschütterung der muslimischen Gemeinschaft und Lebensordnung. Als loyaler Staatsbürger gilt, wer am Islam festhält. Wer vom Islam abfällt, begeht Staatsverrat“, erklärt die Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher, stellvertretende Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Bundeszentrale für Politische Bildung, in einem Artikel für die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“. Sie weist darauf hin, dass die Scharia für jeden Apostaten – also jedem Abtrünnigen – eindeutig die Todesstrafe fordere.


    Zwar werde diese in der Praxis gerichtlich sehr selten angeordnet. Doch auch dort, wo die Abkehr vom Islam nicht vom Gericht verfolgt werde, seien es häufig Familie und Gesellschaft, die den Abtrünnigen verfolgten, ihn mit psychischer und physischer Folter zur Rückkehr zum Islam zwingen wollten, ihn sogar töteten. Mohammad Hojatinasab macht sich keine Illusionen: „Mein Bruder hat mich wissen lassen, käme ich nach Hause, bringe er mich persönlich um. Aber ich bin doch auch ein Mensch!“

    In Deutschland getauft

    Jedes Wort über seine Familie, über den Iran, seine Verfolgung, fällt dem 33-Jährigen schwer. Er bittet um ein Glas Wasser, blickt auf seine Hände, setzt zum Reden an, bleibt stumm. Es ist seine Lebensgefährtin, die von seinen Narben berichtet. Sein Vater, so gibt sie Hojatinasabs Schilderungen wieder, wollte ihm die Arme abschneiden. Elke Vestal ist es, die die Misshandlungen erwähnt; von den Albträumen spricht, die ihn nicht schlafen lassen. Manchmal könne er die Nacht nur im Freien überstehen. „Nachdem er deshalb psychologische Hilfe in Bremen bekommen hatte, war es besser geworden“, sagt Vestal Aber nun seien die Albträume zurück. „Manchmal bin ich so fertig, dann denke ich an Selbstmord“, sagt der 33-Jährige.


    Er berichtet, wie ihn die iranische Polizei auf offener Straße angehalten, sein damals langes Haar vor aller Augen abgeschnitten und ihn geschlagen habe. „Ein Moslem hat kurze Haare zu haben, er darf nicht mit langem Haar auf der Straße rumlaufen“, erklärt Hojatinasab. Für ihn ist der Islam „die totale Unterdrückung“. Er zwinge ihn dazu, Dinge zu tun, die er nicht machen wolle. Deshalb habe er sich von dieser Religion abgewandt. Auf seine Frau angesprochen, sagt er: „Wenn ich kein Moslem bin, gelte ich nicht als Mann und kann auch kein Ehemann sein.“


    Laut der Islamwissenschaftlerin Christine Schirrmacher hat die Flucht nach Deutschland dies tatsächlich besiegelt: „Begibt sich ein Apostat ins nichtmuslimische Ausland, gilt er in seinem Heimatland als tot. Seine Ehe wird automatisch als illegal aufgelöst, er wird zwangsgeschieden.“


    Nach seiner Flucht fand Mohammad Hojatinasab zum Christentum. Er ließ sich taufen und besucht die St.-Johannes-Kirchengemeinde in Ritterhude. Ihm gefalle, wofür diese Religion steht, möge die Gemeinschaft, die gelebte Nächstenliebe. „Und alte Menschen zu pflegen, macht mich glücklich“, setzt er hinzu. Wenn er nun noch den Sprachtest bestehe, könne er zum 1. August die Ausbildung zur Pflegefachkraft antreten. Dafür sei bereits alles geklärt.


    Trotzdem könne ihm der Landkreis Osterholz keine längerfristige Ausbildungs- oder Beschäftigungsduldung erteilen, teilt Kreissprecher Malte Wintjen auf Nachfrage der Redaktion mit. Er erfülle mehrere Vorbedingungen nicht. „Aus der Berufstätigkeit allein ist keine längerfristige Bleibeperspektive herzuleiten“, so Wintjen. Von den psychischen Problemen, unter denen Hojatinasab leide, habe die Ausländerbehörde bislang keine Kenntnis gehabt. „Unter sehr strengen Kriterien kann sich aus einer psychischen Erkrankung eine eingeschränkte Reiseunfähigkeit ergeben.“ Aber auch die führe nicht automatisch zu einem längerfristigen Aufenthaltsrecht.


    Werde jedoch der Härtefallantrag von Hojatinasab angenommen, könne „die Kommission dem Innenministerium vorschlagen, dem Landkreis als Ausländerbehörde eine Anordnung zur Erteilung eines Aufenthaltstitels zu erteilen.“ Diese Kommission könne grundsätzlich alle Aspekte eines Falls betrachten – sowohl die persönliche Situation des Betroffenen als auch Integrationsaspekte.


    Dass Mohammad Hojatinasab aufgrund der Corona-Krise nicht abgeschoben werde, könne der Landkreis nicht zusagen. Zwar könne es Einschränkungen deswegen geben, aber darüber entscheide die Landesregierung täglich neu, so Wintjen: „Grundsätzlich gibt es für den Iran keinen Abschiebestopp.“


    Heimleiterin Katrin Tieck hat unterdessen eine Unterschriftenaktion für „Matti“ gestartet. Er dürfe einfach nicht abgeschoben werden. Auch weil in Zeiten des Pflegekräftenotstands jeder Helfer – „noch dazu ein so guter“ – gebraucht werde. Wer unterschreiben möchte, findet die Liste am Eingang zum Pflegeheim Bellvita, Riesstraße 59 in Ritterhude.

    https://www.weser-kurier.de/region/w...d,1905146.html
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Iraner Mohammed: In ständiger Angst vor der Abschiebung

    Bin durchaus gewillt ihm zu glauben und seinen dauerhaften Aufendhalt als Gewinn für uns anzusehen. Grade Iraner sind sehr oft nicht nur gebildet sondern auch hoch anständige Leute !!!
    Nur ein Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Wirbelsturm auslösen

  3. #3
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    AW: Iraner Mohammed: In ständiger Angst vor der Abschiebung

    Der vermeintliche Glaubensabfall ist bei Iranern ein selbst geschaffener "Verfolgungsgrund", der dann den Antrag auf Asyl nach sich zieht. Es sind fast ausschließlich Iraner, die angeblich vom Islam abfallen. Dessen ungeachtet sind die Iraner völlig anders drauf als die Araber und Türken. Es sind angenehme Menschen.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  4. #4
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    AW: Iraner Mohammed: In ständiger Angst vor der Abschiebung

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    Der vermeintliche Glaubensabfall ist bei Iranern ein selbst geschaffener "Verfolgungsgrund", der dann den Antrag auf Asyl nach sich zieht. Es sind fast ausschließlich Iraner, die angeblich vom Islam abfallen. Dessen ungeachtet sind die Iraner völlig anders drauf als die Araber und Türken. Es sind angenehme Menschen.
    Nun, das dürfte individuell verschieden sein.
    Aber insgesamt gehören sie nicht in den mitteleuropäischen Raum.
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

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