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    Riexinger (Linke): So sieht die ntzliche Arbeit aus, die er fr die Reichen fordert (statt diese zu erschieen)

    So sah Rixingers ntzliche Arbeit im Kommunismus aus

    Der Parteichef der Linken Rixinger hat auf der jngsten Strategiekonferenz seiner Partei fr den kologischen Systemwechsel auf die Einlassung einer Genossin das 1% Reiche in unserem Land zu erschieen, erwidert, man wolle sie doch nicht erschieen, sondern mit ntzlicher Arbeit beschaftigen. Am heutigen 5. Mrz 1953 , dem Todestag von Josif Wissarionowitsch Stalin, einer der schlimmsten Diktatoren, der Welt erlebt hat, mchte ich daran erinnern, wie diese Ntzliche Arbeit im Gulag ausgesehen hat. Ein Erlebnisbericht von Prof. Dr. Werner Gumpel. Den Beitrag ahbe ich der Homepage der Lagergemeinschaft Workuta entnommen.



    Fr die politischen Gefangenen im Lager Nr. 13, Schacht 9 und 10, in Workuta, 160 Km nrdlich des Polarkreises. war dieser Tag zunchst ein Tag wie jeder andere: Um sieben Uhr am Morgen mussten sie nach einem Zhlappell vor das Lagertor treten, wo sie vom Konvoi in Empfang genommen wurden. Dieser bestand aus einer Gruppe von mit Maschinenpistolen bewaffneten Soldaten, die dafr zu sorgen hatten, dass die Gefangenen zum ihnen zugewiesenen Arbeitsobjekt gebracht wurden, und dass keiner von ihnen die Flucht wagte. Eine alltgliche Prozedur. Alltglich auch die Warnung vor einem Fluchtversuch. Der Kommandeur des Konvoi verkndete mit lauter Stimme: Ein Schritt nach links, ein Schritt nach rechts wird als Fluchtversuch gewertet. Der Konvoi schiet ohne Vorwarnung. Hnde auf den Rcken! Im Schritt vorwrts!.


    In einer Fnferreihe auch ich und Erwin Jris, ber dessen abenteuerliches Leben die Zeitfragen in der Ausgabe 5 von diesem Jahr anlsslich seines hundertsten Geburtstags berichtet haben. Nach einem Marsch von etwa einer Stunde erreichte die Kolonne das Arbeitsobjekt. So paradox dies klingen mag: Mitten in der Tundra sollte ein Khlhaus errichtet werden. Auch in den wenigen Wochen des arktischen Sommers gab es nmlich Tage mit Temperaturen von ber zehn Grad. Das Fleisch der Rentiere, von deren Zchtung und Verkauf das einheimische Volk der Nenzen lebte, musste bis zu seinem Abtransport in sdliche Gefilde khl gelagert werden, damit es nicht verdarb. Das Objekt war mit Wachtrmen und einer Todeszone gesichert, die niemand betreten durfte. Andernfalls wurde er erschossen. Und das geschah auch dann, wenn der Betreffende durch seine Ttigkeit gezwungen war, die verbotene Zone zu betreten.


    Durch den Lautsprecher in der Lagerbaracke hatten wir schon vor drei Tagen erfahren, dass Stalin erkrankt sei. Hoffentlich holt ihn der Teufel, meinte Erwin Jris zu mir. Es ist fr uns die einzige Chance, hier herauszukommen. Erwin litt psychisch und krperlich wie wir alle. Kein Kontakt zu den Lieben zu Hause, Hunger und die Ungewissheit, ob die 25 Jahre Zwangsarbeit, zu denen er, ebenso wie ich, von einem sowjetischen Militrtribunal verurteilt worden war, je ein Ende nehmen wrden. Doch niemals verlor er seinen Optimismus, immer siegte seine Berliner Schnauze, die auch fr uns andere Deutschen, die wir vom DDR-Regime als Oppositionelle nach Workuta entsorgt worden waren, erfrischend und aufmunternd wirkte. Gejammert haben unter uns Deutschen nur sehr wenige. Schlielich hatten wir alle das gleiche Schicksal. Erwin gehrte in keinem Fall zu ihnen.


    Anfang Mrz war die Polarnacht dem Tageslicht gewichen. Am 5. Mrz schien sogar die Sonne fr einige Stunden. Ein gutes Omen? Wir arbeiteten bei der Aushebung der Grben fr die Fundamente des Khlhauses. Dazu musste der Dauerfrostboden mit der Spitzhacke aufgeschlagen werden das war wie der Versuch, Beton mit der Spitzhacke zu zerschlagen. Doch Gefangenenarbeit war Sklavenarbeit und kostete nichts. Die Grben mussten eine Tiefe von drei bis vier Metern erreichen, mussten so tief sein, dass Kies oder Felsen erreicht waren. Nur darauf die Fundamente des Hauses zu setzen, hatte einen Sinn.


    Die Schicht dauerte zwlf Stunden, dann traf die Nachtschicht ein. Eine Mittagspause gab es nicht. Am Morgen hatten wir eine Schssel mit Kohlsuppe und einen Kanten Brot erhalten, jetzt lechzten wir auf das Abendmahl, das aus einer nur teilweise, nmlich je nach Normerfllung gefllten Schssel Brei und einem Stck Fleisch, sowie zwei oder drei Gramm l bestand. Endlich also Abmarsch zum Lager.


    Dort angekommen erfolgten Zhlung und Durchsuchung. Es htte ja sein knnen, dass irgendwelche gefhrlichen Gegenstnde ins Lager geschmuggelt werden. Als wir das Lagertor durchschritten hatten kamen uns erste Gefangene entgegen. Ein Ukrainer, mit dem ich lange in einer Brigade gearbeitet hatte, lief auf mich zu und schrie mit sich berschlagender Stimme: Stalin ist tot! Stalin ist tot! Er schttelte mir die Hand und lief zu Erwin: Stalin ist tot! Jetzt wird sich alles ndern! Hurra! Stalin ist tot! Erwin und ich reichten uns die Hnde, aber wir fanden keine Worte. Vor Erregung konnte ich nicht sprechen, und ich denke, dass es Erwin ebenso ergangen ist. Auch Freude kann die Stimme verschlagen.


    In der Baracke herrschte Aufregung. Die Menschen aus den vielen Nationalitten der UdSSR und aus Osteuropa, die hier zusammengewrfelt waren, waren vereint in der Einzigartigkeit des historischen Geschehens, das von schicksalhafter Bedeutung war. Doch es war nicht laut, es gab kein Stimmengewirr. Die Gesprche verliefen gedmpft. Freude offen zu zeigen wagten nur wenige: Wer wusste denn, wie es nun weitergehen wrde, wer an die Stelle Stalins treten wrde? Vor allem: Wrden seine Anhnger, wrde der Apparat jene Menschen, die ihre Zufriedenheit ber den Tod des Diktators zeigten, bestrafen und nach alter Sitte erschieen? Auch die Wachtposten und die Lagerverwaltung waren verunsichert. Wir bemerkten dies daran, dass sie sich zurckhielten und mglichst wenig in Erscheinung traten.


    Am nchsten Tag die alte Prozedur. Das Leben verlief weiter so wie gehabt. Sammeln am Lagertor Aufruf mit Namen und Strflingsnummer, Warnung, Abmarsch. Wie immer fhrte der Weg durch die einzige groe Strae der von Zwangsarbeitern errichteten Stadt Workuta, Deren Einwohner waren zum berwiegenden Teil Verbannte und entlassene Hftlinge. Dem Pulk von bewachten zerlumpten und verhungerten Strflingen wurde kaum Aufmerksamkeit gezollt: Zu viele gab es von ihnen, zu gewohnt war der Anblick. Doch ein Mann blieb am Straenrand stehen. Er fixierte uns. Schau Dir den an! sagte Erwin. Dann hrten wir die Stimme dieses Mannes. Er hatte sich breitbeinig aufgestellt und schrie so laut er konnte: Podochla sobaka! (der Hund ist verreckt!) und wieder und wieder: Der Hund ist verreckt! Der Hund ist verreckt!
    Bald blieb er hinter uns zurck. Millionen von Russen mgen gedacht haben wie er, nur wagten sie es nicht, ihren Gedanken zu artikulieren, zu tief lag die Angst von Jahrzehnten des Terrors in ihrem Gemt. Doch es gab auch selbst unter den Gefangenen Menschen die laut klagten: Unser groer Fhrer ist tot. Was soll jetzt aus uns werden, was soll aus Russland werden? Folgte man der Presse (im Lager war ein Exemplar der Parteizeitung Pravda ausgehngt), so war Russland in Trauer erstarrt.


    Es dauerte nur wenige Monate und es ereigneten sich bemerkenswerte Dinge. Im Lagerlaufsprecher wurde fast tglich eine Liste von Namen verlesen. Im Anschluss hie es: Zu Unrecht verurteilt. Die Genannten sind unverzglich zu entlassen. Es waren fast ausschlielich Staatsbrger der UdSSR. Viele von ihnen hatten zu Unrecht zehn und mehr Jahre in Lagerhaft verbracht, wo sie den Tod von hunderten Mithftlingen erlebt hatten. Ein besonders tragischer Fall, den ich wohl nie vergessen werde: Ein Russlanddeutscher evangelischer Pfarrer mit dem deutschen Namen Karl Weber, war wegen seiner seelsorgerischen Ttigkeit Ende der dreiiger Jahren verhaftet und zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Nach zehn Jahren hie es, er werde entlassen. Als er am festgesetzten Tag zum Lagertor kam wurde ihm mitgeteilt, dass seine Strafe um fnf Jahre verlngert worden sei. Er unterschrieb und wurde zurck in die Baracke gefhrt. Als diese fnf Jahre vorbei waren, sollte er nun endgltig entlassen werden. Am Entlassungstag schritt er zur Lagerwache, doch erneut hatte er zu unterschreiben: Ihre Haftstrafe ist um weitere fnf Jahre verlngert worden. Solche Haftverlngerungen konnten von Moskau aus verfgt werden, ohne dass es ein Verfahren dazu gab. So konnten auch Freiheitsstrafen per Dekret nachtrglich in Todesstrafen umgewandelt werden. Nun aber, nach fast zwanzig Jahren im Sommer 1953, stand der Pfarrer Weber auf der Liste jener Menschen von denen es hie: Zu Unrecht verurteilt. Unverzglich zu entlassen. Wir gratulierten ihm herzlich. Er war so aufgeregt, er sprach kein Wort. Als es hie, er solle zur Kommandantur kommen und seine Entlassungspapiere holen, versagte sein Herz. Er fiel tot um.


    Fr uns Deutsche nderte sich zunchst nicht viel, auer dass sich die Zustnde im Lager verbesserten. Als sich am 1. August 1953 die Arbeiter des Schachts 29 zu einem friedlichen Streik erhoben, wurde das Lager von Truppen umstellt und in die am Lagertor demonstrierenden Menschen hineingeschossen. 53 Gefangene wurden erschossen, unter ihnen zwei Deutsche, 123 wurden schwer oder leicht verletzt, unter ihnen 14 Deutsche. Doch der Blutzoll, ihr Opfer war nicht umsonst. Nicht nur die Verhltnisse in den Lagern nderten sich nun, auch die Zahl der Entlassungen nahm zu. Eine Gruppe von Deutschen konnte im September 1953 in die Heimat zurckkehren. Anderen war dieses Glck erst zwei Jahre spter vergnnt, zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Diktators. Unter ihnen waren auch Erwin Jris und ich.


    Der Beitrag erschien zuerst auf https://www.zeit-fragen.ch/archiv/20...lin-starb.html.

    https://vera-lengsfeld.de/2020/03/05...aus/#more-5156
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Mastab seiner beschrnkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preuischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Riexinger (Linke): So sieht die ntzliche Arbeit aus, die er fr die Reichen fordert (statt diese zu erschieen)

    Die Stalinisten scharren wieder mit den Hufen. Sie wurden ja auch nie fr ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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