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    Die Formel der Integration: Eine deutsch-orientalische Geschichte

    Orientalische Ausschmückungen (also Erfindungen und Übertreibungen) werden in einer Geschichte verarbeitet, die ebenso deutsche Ausschmückungen (Erfindungen und Übertreibungen) beinhaltet. Orient ist überall.

    Heraus kommt eine Geschichte mit allerlei Merkwürdigkeiten, jeweils von mir farbig markiert, allerdings ohne Gewähr, etwas überlesen zu haben, denn schon alleine die Altersangabe der Personen, die auf dem Bild zu sehen sind, wirkt unstimmig.



    Lüneburg. Fragt man sie nach ihrer Heimat, nennen sie Lüneburg. Obwohl Deutschland nie ein Ziel war für Ramadan Airout (38) und Zainab Naessa (37), seine Frau. Die Familie entkam der syrischen Blutmühle. Und fand eine Formel für eine gelingende Integration. Nötig ist das: 10,9 Millionen Zugewanderte mit ausländischen Pässen leben in Deutschland. Kein Wunder, dass das Bundesamt für Migration es als eine „Schlüsselaufgabe für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“ ansieht, sie in unsere Gesellschaft einzufügen.

    Nur raus aus dem Bürgerkrieg

    Ramadan Airout dachte 2015 nur ans Entkommen. „Mein Bruder, ein Ingenieur, war auf dem Weg nach Hause von der Geheimpolizei festgenommen worden“, berichtet Ramadan Airout in flüssigem Deutsch. „In unserem Dorf, 30 Kilometer vor Damaskus, waren alle gegen Assad.“ Und das ist gefährlich. Ein Jahr später starb der Bruder in einem der Folterkeller des Regimes.


    Der Moment, als Zainab Naessa sagte: „Ich will nicht mehr in Syrien bleiben“, kam kurz darauf. Ihr Mann war mit dem damals fünfjährigen Sohn Mohamad zum Freitagsgebet. Zum Ende der Predigt explodierte vor der Moschee eine Autobombe. 105 Menschen starben, unter ihnen Ramadans Vater und ein weiterer Bruder. „Wir haben nur überlebt, weil Mohamad unbedingt einen anderen Ausgang nehmen wollte“, erinnert sich der 38-Jährige. „Wir waren unter Trümmern verschüttet, überall Staub und Rauch. Als wir rauswankten, sah ich einen Mann, dessen Arme und Beine abgerissen waren. Ich hielt Mohamad die Augen zu.“



    Als Bewohner eines von der Opposition gehaltenen Dorfes durfte Ramadan Airout vier Jahre lang nicht seine in Damaskus lebende Frau besuchen. Dann wurde sein Gehalt gesperrt. Eine Vorladung von der Geheimpolizei folgte. Zeit, zu fliehen.

    „Hier waren alle nett zu uns“

    „Ich verkaufte unser Haus zum Spottpreis von 10.000 Euro. 118 Quadratmeter mit einem großen Garten. Ich habe fünf Jahre wie ein Tier geschuftet, um es Stein für Stein selbst zu bauen, sagt Ramadan mit einem Lächeln, das seine Augen nicht erreicht. „Das tat wirklich weh.“


    Über den Libanon, die Türkei, Griechenland und die Balkanroute erreichte er Deutschland. „Ich hatte noch Glück, brauchte acht Tage.“ Man könnte eine Odysse im überfüllten Schlauchboot, mit zwielichtigen Schleppern in menschenleeren kroatischen Bergen, langen Fußmärschen und einem Spießrutenlaufen durch ein Spalier grimmiger ungarischer Grenzsoldaten auch anders als Glück nennen.


    Über Rostock, Magdeburg und Braunschweig kam er nach Lüneburg. Nach Nächten auf überfüllten Fluren kam ihm die Salzstadt wie „das Paradies“ vor – mit einer Außenstelle: Reppenstedt. „Hier waren alle nett zu uns“, sagt Ramadan Airout. „Obwohl im Bus manchmal 50 Flüchtlinge und nur ein Deutscher saßen.“ Auch seine Frau hat Verständnis für Bedenken der Alteingesessenen: „Damals kamen einfach zu viele Menschen mit einer ganz anderen Kultur“, sagt Zainab Naessa – wie ihr Mann in sehr gutem Deutsch. Auf ihrem Wohnzimmertisch verschmelzen beide Kulturen: Baklava und Christstollen versüßen bisweilen bittere Gedanken.


    „In unserem Beruf können wir hier nicht arbeiten“, bedauern die Eheleute – sie Lehrerin und er Sozialarbeiter. Doch sie sind flexibel. Sie arbeitete schon als Aufsicht in der Leuphana-Bibliothek und begann eine Lehre als Zahnarzthelferin. Letzteres war nichts für sie. Jetzt verdient sie ihr Geld als Schulbegleiterin, angestellt bei der Lebenshilfe, genau wie ihr Mann. „Die Arbeit ist fordernd, aber schön, weil im Team eine gute Atmosphäre herrscht“, sagt die 37-Jährige.

    Rückhalt in der Fremde

    Ihr Mann hatte schon im Sommer 2015 freiwillig im Jugendzentrum Reppenstedt geholfen, obwohl er gerade die ersten Worte Deutsch lernte. Und festgestellt: „Sprache ist der Schlüssel. Die Jugendlichen lachten über mich, weil ich nichts verstand. Das war peinlich, aber auch ein Antrieb, zu lernen.“ Inzwischen haben beide das B1-, beziehungsweise B2-Sprachniveau erreicht. „Irgendwann will ich Deutsch so perfekt sprechen, dass meine Jungs – beides gute Schüler – nicht mehr verlangen, dass ich Gute-Nacht-Geschichten auf Arabisch vorlese“, sagt Ramadan Airout.


    Bei ihren Bewerbungen für Praktika und Jobs hatten Freunde geholfen, die sie unter Nachbarn und Eltern von Klassenkameraden ihrer Kindern fanden. „Ohne Freunde geht es nicht“, sagt Zainab Naessa. Auch der Zusammenhalt unter den 1432 Syrern in Lüneburg sei groß.


    An den Wänden ihres Wohnzimmers hängen Bilder aus London und Paris, nicht aus Damaskus. „Natürlich vermissen wir die arabische Sprache, die Sonne und vor allem unsere Familien“, betont Ramadan Airout. Aber einen Weg zurück gebe es nicht mal, wenn das Assad-Regime abdanken und Frieden herrschen würde. „Dort haben wir alles verloren. Misstrauen spaltet das Volk. Und unsere Kinder haben keine Zukunftschancen.“


    Ideal wäre für die Neu-Lüneburger, wenn sie ihre verlorene Heimat im Urlaub besuchen könnten, was ihnen ohne unbegrenztes Aufenthaltsrecht noch verwehrt ist.



    Die funktionierende Lüneburger Formel lautet also: „Sprache + Arbeit + Offenheit + Freunde + Sicherheit = Integration“

    https://www.landeszeitung.de/blog/lo...er-integration

    Ich weiß jetzt gerade nicht, welche Stelle ich im Text am schönsten fand: Vielleicht die, in der er behauptete, seine Frau (unterschiedliche Wohnsitze offenbar) vier Jahre lang nicht besucht haben zu können?
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Die Formel der Integration: Eine deutsch-orientalische Geschichte

    Ideal wäre für die Neu-Lüneburger, wenn sie ihre verlorene Heimat im Urlaub besuchen könnten, was ihnen ohne unbegrenztes Aufenthaltsrecht noch verwehrt ist.
    Nein, ideal wäre, wenn sie nach Syrien zurückgehen würden. Aber sie sind ja nicht wegen des Krieges in Syrien hergekommen...…….

    Aber einen Weg zurück gebe es nicht mal, wenn das Assad-Regime abdanken und Frieden herrschen würde. „Dort haben wir alles verloren. Misstrauen spaltet das Volk. Und unsere Kinder haben keine Zukunftschancen.“
    …...so wird ein Schuh daraus. Schon immer wollte ein großer Teil der Syrer ihr Land verlassen, um in Europa, und hier natürlich Deutschland, bequem auf Staatskosten zu leben

    Jetzt verdient sie ihr Geld als Schulbegleiterin, angestellt bei der Lebenshilfe, genau wie ihr Mann.
    Jobs in der Migrationsindustrie. Das Perpetuum Mobile
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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