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    Das Elend der Fachkraft

    Wobei 200 Bewerbungen und mehr nicht nur Arbeitnehmer der kaufmännischen Branche treffen, sondern Ingenieure und andere Fachkräfte genau so betroffen sind.

    Der Autor dieses Artikels empfiehlt, die richtigen Fragen zu stellen.

    200 Bewerbungen, fast nur Absagen "Bin ich ein aussichtsloser Fall?"

    53 Jahre alt und auf Jobsuche: Was tun, wenn es monatelang einfach nicht klappen will? Der Karrierecoach Matthias Martens rät, sich die richtigen Fragen zu stellen - und selbstkritisch zu sein.


    Jens*, 53, Diplom-Kaufmann, fragt:
    "Ich bin seit zwölf Monaten arbeitslos. Betriebsbedingt entlassen. Seitdem bewerbe ich mich immer wieder als Führungskraft im kaufmännischen Bereich. Ich bin Generalist, habe Leitungserfahrung in Einkauf, Logistik, Verkaufsinnendienst und Rechnungswesen gesammelt. Deshalb bin ich flexibel einsetzbar. Aber bei über 200 Bewerbungen bin ich nur drei Mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. Sonst bekam ich Absagen oder hörte gar nichts mehr. In absehbarer Zeit läuft mein Arbeitslosengeld aus, was mich zusätzlich unter Druck setzt. Bin ich mit 53 etwa schon zu alt und ein hoffnungsloser Fall? Was kann ich tun?"


    Hallo Jens,
    ich kann Ihre Verzweiflung gut nachvollziehen. Das Problem ist: Durch diese Verzweiflung haben Sie auf dem Arbeitsmarkt womöglich noch schlechtere Chancen. Sie strahlen Unsicherheit aus und setzen durch unüberlegte Aktivitäten die falschen Signale. Machen Sie sich davon frei, denken Sie noch einmal neu nach. Man weiß, dass sich die Suche nach einem neuen Job ab einem Lebensalter von 50 Jahren gegenüber jüngeren Bewerbern verlängert. Wie sehr, hängt auch von der Branche ab.


    Im Marketing und in der Werbung zum Beispiel gilt ein höheres Alter als größeres Einstellungshemmnis als im Controlling oder Personalmanagement. Ob mit "50 Plus" eher Ihre Erfahrung und Sozialkompetenz zählen oder ob Ihr Wissen veraltet ist, weil sich technisch viel verändert hat, spielt auch eine Rolle. Ob das auf Sie zutrifft, kann ich nicht beurteilen.
    Um herauszufinden, warum Ihre Ausbeute mit drei Gesprächen nach 200 Bewerbungen so gering war, müssen wir genauer hinschauen.
    1. Spiegelt Ihr Lebenslauf ein klares und gefragtes Kompetenzprofil wider?
    Wenn Sie Erfahrungen in sehr unterschiedlichen Bereichen gesammelt haben, wenn es sich dabei um willkürliche Wechsel der Funktionen und Branchen handelt und kein roter Faden zu erkennen ist, schreckt das viele Personaler ab. Mein Tipp: Arbeiten Sie in Ihrem Lebenslauf einen Schwerpunkt heraus und verdeutlichen Sie, wo der Nutzen für potenzielle Arbeitgeber liegt.
    2. Wie viele Wechsel weist Ihr Werdegang auf?
    Wenn jemand mehr als zehn Jahre bei demselben Arbeitgeber in derselben Position ausharrt, wirkt das wenig überzeugend. Das gilt aber auch, wenn jemand sehr häufig den Arbeitgeber wechselt. Gerade als Führungskraft benötigt man einige Jahre in derselben Position, um Prozesse anzuschieben, Strukturen zu verändern. Ausnahme: Job-Hopper arbeiten nach mehreren schnellen Wechseln im Interimsmanagement. Dort ist die Bereitschaft, kürzere Arbeitsverhältnisse einzugehen, ein klarer Vorteil und Beweis hoher Flexibilität.
    3. In welche Branchen zieht es Sie?
    Sofern es in der Branche, in der Sie lange gearbeitet haben, noch eine Perspektive gibt, sind Ihre Chancen dort sehr wahrscheinlich höher, als wenn Sie die Branche wechseln. Der Quereinstieg in eine neue Branche mit vermeintlich attraktiven Zukunftsaussichten scheitert oft daran, dass Sie als Bewerber hier weder gut vernetzt sind noch die Besonderheiten kennen. So benötigen Sie mehr Zeit, um sich einzuarbeiten und können keine schnellen Erfolge versprechen. Ein klarer Nachteil gegenüber Mitbewerbern, die schon aus der Branche stammen!
    Mein Rat:

    • Für eine erfolgreiche Selbstvermarktung sollten Sie neben Social Media und mehreren Internet-Jobbörsen vor allem auch Ihr persönliches Netzwerk nutzen und sich damit den sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt erschließen. Wo wird gerade Verstärkung gesucht - ohne dass es schon eine Stellenanzeige gibt?
    • Sprechen Sie gezielt relevante Headhunter an. Diese geben Ihnen oft auch eine Rückmeldung darüber, ob Ihr Profil stimmig wirkt und Ihre Gehaltsvorstellungen realistisch sind. Headhunter haben in der Regel einen guten Marktüberblick und vermitteln zwischen Arbeitgebern und Bewerber. Das können Sie von einer Personalabteilung kaum erwarten, da sich diese vorrangig auf das eigene Unternehmen und die ausgeschriebene Position fokussiert.
    • Denken Sie über einen Wohnortwechsel nach. Es wird schwierig für Sie, wenn Sie sich in Ihrer Region bereits bei allen potenziellen Arbeitgebern beworben haben. Mit einer verunglückten Bewerbungskampagne kann man sich für lange Zeit am Markt verbrennen. Sofern Sie bereit wären, Ihren Suchradius auszudehnen, könnten Sie außerhalb Ihrer Region mit einer verbesserten Strategie einen neuen Anlauf starten.
    • Alternativ: Wollen Sie einen Wohnortwechsel unter allen Umständen vermeiden, könnten Sie auf eine andere Branche ausweichen - mit den beschriebenen Schwierigkeiten, die dies mit sich bringt. Sondieren Sie die Möglichkeiten, und zwar selbstkritisch. Vermeiden Sie dabei unbedingt, sich nochmal an bisherige Gesprächspartner zu wenden, weil Sie diese sonst irritieren und verprellen könnten.

    Im Laufe einer längeren Karriere entwickeln viele Menschen ein gewisses Anspruchsdenken, das - realistisch betrachtet - oft etwas überzogen ist. Überprüfen Sie ganz nüchtern, ob Ihre Erwartungen in der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt noch erfüllt werden. Wenn nicht: Seien Sie flexibel und nehmen Sie vorübergehende Einschränkungen hin, um Ihrer beruflichen Entwicklung wieder eine positive und langfristige Perspektive zu geben. Dann finden Sie bestimmt eine neue, passende Aufgabe für sich.
    *Name geändert

    https://www.spiegel.de/karriere/fast...a-1272277.html
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Das Elend der Fachkraft

    ich würde es einmal unterhalb der Führungskraft versuchen. Man muss nämlich auch mal Abstriche machen können, wenn es die Situation erfordert.

  3. #3
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    AW: Das Elend der Fachkraft

    200 Bewerbungen und kein Job ist nicht ungewöhnlich für Leute über 50. Das ist nach wie vor das magische Alter und für mich immer ein Beleg, dass der Fachkräftemangel eine Phantomdebatte ist. Aktuell sehe ich mich auf Wunsch eines Bekannten um und muss feststellen, dass 100% der Stellenagebote von Verleihfirmen stammen, die fast alle Vermittlungsgutscheine haben wollen.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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