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    Die Schule wird zur Bühne "Danke dafür, AfD": Bitterer Theaterabend in der Gesamtschule Schinkel

    Die Schule wird zur Bühne
    "Danke dafür, AfD": Bitterer Theaterabend in der Gesamtschule Schinkel


    Von Ullrich Schellhaas




    Danke dafür, AfD: Theater des elften Jahrgangs der Gesamtschule Schinkel. Foto: Elvira Parton



    Osnabrück. Im Auditorium zu sitzen und ein Geschehen auf der Bühne verfolgen – das verbinden wohl die meisten Menschen mit dem Begriff Theater. In ihrem neuen Stück „Danke dafür, AfD“ machen die Schüler das gesamte Gebäude der Gesamtschule Schinkel zu ihrer Bühne.


    „Die Schüler wollten das Thema ,Rechtsruck der Gesellschaft' verarbeiten“, sagt Theaterlehrerin Leonie Kerksiek. Sie nahmen dafür Zitate und Tweets der Partei vom rechten Rand des politischen Spektrums und stellen sie in ihrer entlarvenden Wortwahl in den nackten Raum. Denn dieser Raum ist das gesamte Schulgebäude. Eine klassische Bühne nutzen die Schüler nicht. Eine Pressekonferenz halten sie etwa auf einer der zahllosen Treppen des Gebäudes ab. Die Hinweistafeln des Schulgebäudes werden so beispielsweise zur neu errichteten Grenzanlage, an der die eindringenden Migranten erschossen werden.



    Randgeschehen



    Dabei sind es gar nicht mal die meist hinlänglich bekannten Aussagen der AfD, vom Vogelschiss bis hin zum Schießbefehl, die den stärksten Eindruck hinterlassen. Beklemmung vermittelt vielmehr das Randgeschehen. Etwa wenn das Publikum von Ordnern mit den Worten „schneller“ oder „Gehen Sie weiter“ zum nächsten Spielort geschubst wird oder wenn hinter Glasfenstern offensichtlich gerade jemand zusammengeschlagen wird, während davor ein "guter Deutscher" über nationale Identität spricht. Oder wenn das Publikum in einem lichtlosen Kellerraum eingesperrt wird und eigentlich nur noch darauf wartet, das Geräusch von aus Duschdüsen strömendem Gas zu hören.



    So nutzen die Schüler ungewohnte theatralische Mittel, um klar zu machen, dass sie der AfD die Schuld an der Verrohung der Gesellschaft geben. Die Schauspieler hinterfragen aber auch, ob sie dieser Partei mit ihrer Aufführung nicht selbst wieder Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit geben.


    Eigene Gedanken



    Denn den entlarvenden Aussagen stellen die Schüler eigene Gedanken gegenüber und thematisieren so etwa das Gefühl junger Menschen, die zwar einen deutschen Pass haben, deren Eltern aber aus einem anderen Land kommen, und die es leid sind, gesagt zu bekommen, sie seien Deutsche oder Ausländer, weil die gefühlte Identität irgendwo dazwischen liegt.

    So vergeht die dreiviertel Stunde der Aufführung wie im Flug, und am Ende tun sich die Zuschauer schwer mit der Aussage „das war schön“. Zu viele Eindrücke bleiben in Erinnerung, die Dank des intensiven Spiels erst einmal verarbeitet werden müssen. Szenenapplaus gibt es während der Aufführung nicht, denn dafür ist viel des Gezeigten zu krass.

    https://www.noz.de/lokales/osnabruec...OMxa3azVbUnuOc

    - - - Aktualisiert oder hinzugefügt- - - -

    Man hat doch tatsächlich die Kommentarfunktion offengehalten und es wurde auch ein kritischer Leserbrief veröffentlicht, der die Neutralität der Schulanstalten anmahnte. Dieser erhielt eine Erwiderung in Form eines anderen Leserartikels, der zu so kuriosen Denkwendungen kommt, dass ich ihn einfach hier einstellen muss (ein wenig unübersichtlich, denn er zitiert den Kritiker in Passagen):

    Stefan H.
    Vor 2 Tagen

    „Lehrer sind zur Neutralität verpflichtet, das heißt eine Lehrkraft darf die eigenen politischen Ansichten den Schülern nicht aufdrängen.“

    Prinzipiell richtig. Aber zwischen Neutralität im Sinne von „nicht aufdrängen“ und Neutralität im Sinne von „keine Meinung äußern dürfen“ liegt ein riesiger Unterschied. „Neutralität“ heißt hier eben NICHT, dass sich Lehrer vor einer Klasse nicht politisch äußern dürfen. Ganz im Gegenteil ist dies sogar ausdrücklich gewünscht. Man darf sich als Lehrer sogar hinstellen und sagen, dass man die AfD einfach nur sch… findet. Solange man eben auch andere Meinungen zulässt.

    „Wenn ich den Tenor dieses Theaterstücks-AfD = Nazis- so betrachte, kommen da gewisse Zweifel an der Neutralitätspflicht auf. Geschickterweise werden aber die Schüler vorgeschickt; es heißt " den Schülern war es wichtig" " die Schüler wollten"“

    Aber glauben Sie mir: Die allermeisten Schüler muss man, was die AfD angeht, nicht „vorschicken“, die denken selbst so über diese Partei, auch wenn das für die AfD und ihre Anhänger scheinbar unvorstellbar ist… In der Regel muss man die Schüler sogar eher bremsen und zu einer differenzierteren Betrachtung anmahnen, als sie in irgendeiner Art und Weise zu „indoktrinieren“, wie das die AfD so gerne formuliert...

    Was ich aber traurig finde, ist, dass aus Ihren Äußerungen deutlich wird, dass die AfD so langsam das Ziel erreicht, was sie wollte: Kritische Äußerungen der Partei gegenüber im Raum Schule werden direkt als unerlaubte „Indoktrination“ seitens der Lehrerschaft deklariert oder das zumindest – natürlich ganz ohne Hintergedanken - in den Raum gestellt. Sowas schadet dem politischen Bildungsauftrag der Schule. Zum Glück hat sich diese Denkweise in den Schulen selbst bisher noch nicht durchsetzen können und man kann dort offen reden – sofern man sich auf dem Boden des GG befindet…
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Die Schule wird zur Bühne "Danke dafür, AfD": Bitterer Theaterabend in der Gesamtschule Schinkel

    Wenn Gutmenschen im Sandkasten spielen. Wie es mittlerweile um Deutschland steht, sieht man sehr gut an diesem Beispiel. Schüler, die links-grün indoktriniert werden und wo schon die Lehrer bremsen müssen, weil der von ihnen eingepflanzte Hass sich Bahn bricht.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  3. #3
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    AW: Die Schule wird zur Bühne "Danke dafür, AfD": Bitterer Theaterabend in der Gesamtschule Schinkel

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    Wenn Gutmenschen im Sandkasten spielen. Wie es mittlerweile um Deutschland steht, sieht man sehr gut an diesem Beispiel. Schüler, die links-grün indoktriniert werden und wo schon die Lehrer bremsen müssen, weil der von ihnen eingepflanzte Hass sich Bahn bricht.
    DAS allerdings ist eine pure Behauptung. Ich kenne den NRW-Unterricht noch sehr wohl von früher und ich hatte damals gelernt, so zu formulieren, wie es die Lehrkraft honorierte, ohne jedch meine eigene Überzeugung komplett zu verraten. Das war meist ein Drahtseilakt und es hätte sicherlich besser funktioniert, wenn ich mir den letzten Rest Freiheit und Würde hätte nehmen lassen. Der daraus resultierende Gruppendruck ist dann noch um einiges härter: Wer im Gedankengleichschritt nicht mitmarschiert, ist draußen. Besser noch nicht einmal eine kritische Rückfrage, besser die Verinnerlichung des guten und richtigen Gedankens. Eifer zahlt sich schließlich aus, notenmäßig. Und ansonsten prügelt nicht nur der Lehrer auf dich ein, sondern die gesamte Klasse, wenn nicht gleich die Schülerschaft der gesamten Schule natürlich nebst Lehrerschaft.

    Und wer lernt, richtig zu denken, macht dies anschließend auch ganz freiwillig und mit Freuden. So geht Diktatur, so werden Agitatoren, Aktivisten und Mitläufer geformt.
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

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