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    Oma Ingrid und das Gefhl fr Ungerechtigkeit

    Oma Ingrid und das Gefhl fr Ungerechtigkeit

    Oma Ingrid muss hinter Gitter, titelten diverse Nachrichtenseiten. Die Emprung in den sozialen Netzwerken ist auch zwei Tage spter gro. Das liegt zum einen daran, dass Oma Ingrid stolze 85 Jahre alt und auf den Rollstuhl angewiesen ist. Zum anderen rckt die Frage der Gerechtigkeit in einem Land, das mittlerweile selbst schwere Straftter laufen lsst, zunehmend in den Fokus.


    Nun muss fairerweise gesagt werden, dass Oma Ingrid Wiederholungstterin ist. Aber auch bei ihrem ersten Vergehen kam Ingrid Millgramm, wie Oma Ingrid eigentlich heit, nicht sehr glimpflich davon. Damals beobachtete eine Verkuferin die Rentnerin dabei, wie sie preisreduziertes Gulasch aus der Fleischtheke in einen Gefrierbeutel fllte. Das Amtsgericht Memmingen verurteilte sie daraufhin zu einer Strafe von 1.800 Euro. Ein hartes Urteil, wenn man bedenkt, dass die Rentnerin den Diebstahl mit ihrer Altersarmut rechtfertigte.


    Millgramm gibt an, ihr halbes Leben gearbeitet zu haben. Mit ihrem zweiten Mann lebte sie im Wohlstand. Elegante Landhausmbel, gutes Essen.

    Fehlinvestitionen trieben sie in den Ruin. Die Aktienfonds waren nichts mehr wert. Und im selben Jahr starb ihr Mann. Heute lebt Oma Ingrid von 725 Euro Witwenrente. Grundsicherung erhlt sie nicht. Damit gehrt sie zu den drei Millionen Rentnern in Deutschland, die als armutsgefhrdet gelten. Nach eigenen Angaben bleiben ihr monatlich weniger als 100 Euro zum leben.

    Nun stellt sich die Frage: Muss man Mitgefhl mit einer Frau haben, die die meiste Zeit ihres Lebens gut gelebt hat und durch falsche Investitionen arm wurde? Die Meinungen gehen hier auseinander. Mitgefhl ist subjektiv und der Flaschensammler vor dem Stadion fr viele nicht minder mitleiderregend.
    Eine kleine Fassade zum Selbstschutz

    Zur Wahrheit gehrt ebenso, dass Oma Ingrid nicht nur Lebensmittel mitgehen lie, sondern auch Kosmetikartikel. Haarklemmen, Puder, Wimperntusche. Selbst vor Gericht trgt sie schicke Kleidung. Vermutlich berbleibsel aus besseren Zeiten. Eine kleine Fassade zum Selbstschutz, die sie sich erhalten hat.


    Sechsmal lie sich die Rentnerin beim Klauen erwischen. Sie sa schon einmal im Gefngnis. Nach ihrem fnften Diebstahl musste sie im Oktober 2017 hinter Gitter. Nach 55 Tagen wurde sie, deren Fall schon damals viel Aufmerksamkeit erzeugte, frhzeitig aus der Haft entlassen. Ihre Bewhrungshelferin erklrte vor Gericht: Sowohl psychisch als auch physisch hat sie die Haft sehr mitgenommen. Nach eigenen Angaben wollte die Rentnerin so etwas nie wieder erleben.


    Aber was hat es nun mit Oma Ingrid auf sich? Ist sie eine notorische Wiederholungstterin, oder muss man sich vielleicht fragen, wie gro die Not einer Frau ist, die mit 85 Jahren erneut das Risiko eingeht, im Gefngnis zu landen? Sind ein paar Haarklemmen, Wimperntusche und Puder Luxusartikel, die kein Mensch braucht, oder legt die Art der Gegenstnde vielmehr Zeugnis ber eine Frau ab, die den eigenen gesellschaftlichen und sozialen Abstieg nicht verwunden hat? Das letzte bisschen schner Schein zur Erhaltung der eigenen Wrde angesichts eines Lebens in Altersarmut?


    Um ehrlich zu sein, spielt das gar keine Rolle. Genauso wenig wie die obligatorischen Besserwisser-Kommentare der Juristen in den Kommentarspalten zum Thema. Es gibt einen Punkt, an dem man dem gemeinen Brger gewisse Dinge auch mit noch so viel Juristen-Sprech nicht mehr schlssig erklren kann. Und der ist dann erreicht, wenn ein kritisches Ma an Urteilen erreicht ist, die fr ihn nicht mehr nachvollziehbar sind. Wenn er beginnt, die Fhigkeit des Justizsystems, so etwas wie Gerechtigkeit herzustellen, grundstzlich in Frage zu stellen. Dann zhlen auch Stze wie Es gibt kein Recht im Unrecht nicht mehr. Wenn etwas in der Tiefe schiefluft, dann erscheint auch der Vergleich von pfeln und Birnen pltzlich legitim.


    Schwere Krperverletzung mit Todesfolge und ein paar Haarklemmen

    Die Ursnde, die in diesem Zusammenhang am deutschen Justizsystem begangen wurde, war die Grenzffnung Angela Merkels im September 2015, das damit einhergehende Credo, aus illegal legal zu machen einschlielich aller mannigfaltigen Konsequenzen und Rechtsbrche, die daraus folgten. Wenn ein abgelehnter Asylbewerber seinen Aufenthalt in einem Land durch einen Mord verlngern kann, dann ist das System in sich dysfunktional, weil Strafen wie ein Gefngnisaufenthalt vom Brger nicht mehr als solche empfunden werden. Genauso verhlt es sich mit Strafen, die ins Verhltnis gesetzt werden. Zwei Jahre auf Bewhrung fr eine schwere Krperverletzung mit Todesfolge sind nicht viel, wenn man liest, dass eine 85-jhrige Rentnerin fr ein bisschen Sahnesteif und Haarklemmen vier Monate ins Gefngnis geht. Fr den normalen Brger spielt es keine Rolle, ob es sich um unterschiedliche Taten handelt und ob es juristisch korrekt ist, diese miteinander zu vergleichen. Es geht um die Verhltnismigkeit. Und ab dem Zeitpunkt, an dem ein genereller Zweifel am Rechtsstaat um sich greift, ist auch das Vergleichen von Strafmaen erlaubt.


    Ein Rechtsstaat, der nur noch jene zu verfolgen scheint, die er, wie eine alte Frau im Rollstuhl mit festem Wohnsitz und Identitt, dingfest machen kann, whrend er zugleich Verbrechen von Migranten oftmals gar nicht mehr nachgeht, muss sich das gefallen lassen.

    Wer reihenweise Verfahren unter anderem wegen des Vorwurfs des versuchten Totschlages wie im Falle des Froschclubs in Frankfurt/Oder oder des sexuellen Missbrauchs an Kindern aus Grnden der berlastung einstellt, der muss Brger ertragen, die zunehmend wtend reagieren, wenn Menschen, die weit weniger auf dem Kerbholz haben, berhaupt verurteilt werden. Kurzum: Wer versuchten Totschlag oder schweren Kindesmissbrauch in 50 Fllen zu Delikten erklrt, die am Ende nicht einmal mit Bewhrung geahndet werden, der braucht sich nicht ber Brger wundern, die Vergehen wie Gulasch- und Wimperntuschen-Diebstahl berhaupt nicht mehr als zu verurteilende Verbrechen wahrnehmen.


    Warum ist King Abode, der libysche Intensiv-Asylbewerber, dessen ellenlanges Strafregister unter anderem ebenso Diebstahl umfasst, noch auf freiem Fu? Weshalb ist er berhaupt noch hier? Warum musste Abode seine 1.400 Euro wegen Sachbeschdigung nicht zahlen?


    Warum muss eine 78-jhrige Rentnerin in Mnchen 60 Euro Strafe frs Schwarzfahren bezahlen, weil ihr Ticket erst zwei Minuten spter gltig war, whrend Asylbewerber nicht kontrolliert werden, weil das Eintreiben des erhhten Befrderungsentgeltes meist erfolglos ausfllt? Fragen ber Fragen, die immer lauter gestellt werden.


    Das grundstzliche Gefhl wachsender Ungerechtigkeit

    Wenn mich die Erfahrung der letzten Jahre in diesem Job eines gelehrt haben, dann die Tatsache, dass Meldungen, die gegen das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen gehen, um ein Vielfaches schlimmer bewertet werden als alles andere. Die Leute haben sich an den Terror gewhnt, die Messerattacken und sexuellen bergriffe, aber nicht an das grundstzliche Gefhl wachsender Ungerechtigkeit. Das liegt mitunter daran, dass sich die Ungerechtigkeit nicht durch einen pltzlichen Schrecken in Form eines LKW auf einem Weihnachtsmarkt zeigt, sondern durch immer neue Offenbarungen, die sich erst nach und nach in voller Blte zeigen. Anders als die Akteure des Terrors setzt der deutsche Rechtsstaat, je mehr er angesichts der Last der Zuwanderung zusammenbricht, immer noch einen drauf. Was man vor einigen Jahren noch als Satire abgetan htte, ist heute bittere Realitt.


    Das heit nicht, dass es nicht schon vor 2015 empfundene Ungerechtigkeiten gab oder es in diesem Land einzig und allein aufgrund der Asylpolitik bergab geht, aber es war jene kopflose Politik und die mit ihr einhergehende berlastung des deutschen Staates und seiner Gesellschaft, die seine Probleme unter das Brennglas legte.

    Angesichts des zunehmenden Legitimationsverlustes und der Wut vieler Menschen tte die Politik gut daran, sich dieser Probleme endlich anzunehmen.


    https://www.achgut.com/artikel/oma_i...ngerechtigkeit
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Mastab seiner beschrnkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preuischer Innenminister und Staatsminister

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    AW: Oma Ingrid und das Gefhl fr Ungerechtigkeit

    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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