Nummer Eins beim Thema Integration: Engen erhält bundesweiten Förderpreis

Bei der Preisverleihung des bundesweiten Wettbewerbs "Kommune bewegt Welt" hat die Stadt Engen überraschend den ersten Platz in der Kategorie bis 20.000 Einwohner belegt. Im Rahmen der Auszeichnung in einem Kino in Berlin-Mitte durfte die Delegation aus dem Hegau ein Preisgeld von 20.000 Euro entgegennehmen. "Als wir in Engen losfuhren, wussten wir nur, dass wir einen Preis gewinnen würden", berichtet der Integrationsbeauftragte der Stadt, David Tchakoura. "Uns war zwar bewusst, dass wir großes geleistet haben, aber wir wussten ja nicht, welche Projekte die anderen Kommunen eingereicht hatten. Umso größer war die Überraschung, als wir tatsächlich Erster wurden", sagt Tchakoura dem SÜDKURIER.


"Kommune bewegt Welt" zeichnet herausragende kommunale Beispiele zu Migration und Entwicklung aus. Neben Engen belegten Ingelheim und Saarbrücken in diesem Jahr den jeweils ersten Platz in den Kategorien 20.000 bis 100.000 Einwohner und mehr als 100.000 Einwohner. Weiterhin wurden die Städte Donauwörth, Bitburg, Fellbach, Winnenden, Mannheim und Kiel ausgezeichnet. Insgesamt wurde der Preis bereits zum dritten Mal an Städte, Landkreise und Gemeinden verliehen, die sich mit migrantischen Organisationen und anderen Akteuren aus der Bevölkerung für eine global nachhaltige Entwicklung einsetzen.



Dass es Engen oben auf das Siegerpodest geschafft hat, hat mit der Veranstaltungsreihe "Unser buntes Engen" zu tun, welche die Stadt und der Helferkreis Asyl mit elf weiteren Vereinen und Institutionen seit dem Oktober 2017 plant und umsetzt. Dabei handelt es sich um kulturelle Länderabende, die Migrantengruppen aus den unterschiedlichsten Ländern in Kooperation mit der Stadt und zivilgesellschaftlichen Akteuren durchführen. "Wichtig war den Veranstaltern, Projekte auszuzeichnen, die keine rein städtischen Aktionen sind", erklärt David Tchakoura. "Die Zivilgesellschaft und die Migranten selbst müssen sich beteiligen."


"Kommune bewegt Welt" ist ein Wettbewerb im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, durchgeführt von der Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt" von Engagement Global. Die Aktion steht unter der Schirmherrschaft von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Für den Minister stellt Integration keine Einbahnstraße dar: "Wir können profitieren, wenn Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind, ihren Horizont und ihr Wissen mit einbringen und der kommunalen Entwicklungspolitik neue Impulse geben." Gerade vor dem Hintergrund aktueller Debatten sei es wichtig, die Leistungen von Migrantinnen und Migranten in den Kommunen und für die Kommunen zu würdigen.


Die herausragende Platzierung ist nicht die einzige Würdigung, über die sich die Organisatoren von "Unser buntes Engen" freuen dürfen. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. "Der Preis ist zweckgebunden und wird dementsprechend für Projekte im Bereich Migration und Entwicklung ausgegeben", betont David Tchakoura. Konkrete Aktionen stünden derzeit noch nicht fest. Zunächst gelte es, die Veranstaltungsreihe "Unser buntes Engen" erfolgreich abzuschließen.
Migranten können Engen mitgestalten

David Tchakoura ist seit dem vergangenen Jahr Engens Integrationsbeauftragter. Dem SÜDKURIER erklärt er, welche Kriterien für die gute Platzierung bei dem Wettbewerb ausschlaggebend waren.
Herr Tchakoura, warum landet eine vergleichsweise kleine Stadt wie Engen bei "Kommune bewegt Welt" ganz vorne?
Der Preis ist eine Anerkennung für die Unterstützung von jedem einzelnen, der sich eingebracht hat. Ich glaube, dass die Jury großen Wert auf die Aspekte Integration und Entwicklung gelegt hat. Beides spielt bei "Unser buntes Engen" eine große Rolle.
Inwiefern?
Jeder Abend wurde bisher von Migranten organisiert, geplant und moderiert. Menschen aus verschiedenen Ländern haben ihre Geschichten erzählt. Und von Afrika über Asien und Europa waren die unterschiedlichsten Länder vertreten. Dazu kommt, dass die Veranstaltungen sehr gut besucht waren. Alleine beim afrikanischen Abend Ende September waren 350 Gäste da.
Wie läuft ein solcher Abend ab?
Es geht immer darum, voneinander zu lernen. Jeder Abend fängt mit einem informativen Teil an. Beim afghanischen Abend ging es zum Beispiel darum, wie man als Afghane in Deutschland etwas für die Entwicklung seines Heimatlandes tun kan. Wir informieren über die Herkunftsländer, aber es geht auch darum, wie man sich auf kommunaler Ebene beteiligen kann. Migranten sollen realisieren, dass sie ihre Stadt mitgestalten können. Das zu vermitteln, gelingt uns, glaube ich, gut. Und am Ende von jedem Themenabend steht ein gemeinsames Essen, oft gibt es auch musikalische Auftritte. Auch das ist wichtig: Es kann nicht nur um ernste Themen gehen. Man muss sich auch einfach gegenseitig besser kennenlernen.




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