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    Wrde, Verantwortung, Demokratie



    Wrde, Verantwortung, Demokratie

    Manfred Haferburg

    ber 300 prominente Kulturschaffende der Bunten Republik Deutschland kritisieren in einem offenen Brief das Verhalten des Innenministers Horst Seehofer als "provozierend, rckwrtsgewandt und wrdelos". Jan Bttcher, Autor und Mitinitiator des Aufrufs, sagte der Sddeutschen Zeitung:


    "Es ist nicht einzusehen und auch nicht mehr hinzunehmen, dass Bundesinnenpolitik keinerlei Einsatz zeigt fr die offene Gesellschaft, in der wir leben und leben wollen.


    Was ist das eigentlich, ein Kulturschaffender? Msste es nicht grammatikalisch korrekt heien kulturell Schaffender?

    Wikipedia wei:

    Der Begriff Kulturschaffender tauchte zuerst in den 1920er-Jahren in der Kulturwissenschaft auf, spter im Nationalsozialismus, und unmittelbar nach dessen Ende auch in der Sowjetischen Besatzungszone sowie in der DDR und wird auch heutzutage verwendet In allen totalitren Systemen war die Verwendung des Begriffs verbunden mit der Festlegung politisch gesellschaftlicher Aufgaben der Kulturschaffenden (zugunsten des jeweiligen Systems). So hie es in der Begrndung des Gesetzes ber die Einrichtung der Reichskulturkammer im September 1937: Die Aufgabe des Staates ist es, innerhalb der Kultur schdliche Krfte zu bekmpfen und wertvolle zu frdern, und zwar nach dem Mastab des Verantwortungsbewusstseins fr die nationale Gemeinschaft. In diesem Sinne bleibt das Kulturschaffen frei In der Sowjetischen Besatzungszone sah die im April 1949 verkndete Verordnung ber die Erhaltung und die Entwicklung der deutschen [sic!] Wissenschaft und Kultur u. a. die Bereitstellung von zwei Erholungsheimen fr Wissenschaftler, Knstler und Kulturschaffende vor und legte zugleich deren Gegenleistung fr solche Obhut fest.


    Eine der exotischsten Blten, die der Fall Maaen jngst trieb, ist ein offener Brief von ber dreihundert Kulturschaffenden unter dem Titel Wrde, Verantwortung, Demokratie, in welchem sie den sofortigen Rcktritt des Bundesinnenministers Seehofer fordern.


    Als Knstlerinnen und Knstler, Kulturschaffende, Kulturvermittlerinnen und -vermittler sind wir entsetzt darber, dass der Bundesinnenminister fortwhrend die Arbeitsfhigkeit der Bundesregierung sabotiert dass er die Migrationsfrage zur Mutter aller politischen Probleme erklrt Seehofer verschweigt die zahlreichen Aktivitten eines rechtsradikalen Mobs und lsst sich in seiner fatalen Fehleinschtzung berdies flankieren von dem ihm unterstellten Prsidenten des Bundesamts fr Verfassungsschutz, der von Amts wegen die Verfassung schtzen und nicht politisch agieren sollte dass Seehofer nun diesen Verfassungsschutzprsidenten zum Staatssekretr in seinem Bundesinnenministerium befrdert, dabei den Koalitionsfrieden als Druckmittel benutzt und als Bundesminister die politischen Krfte strkt, die sich nicht eindeutig von den Chemnitzer Ereignissen abgrenzen.
    Die Biermann-Ausbrgerung 1976

    Mitunterzeichner sind Lichtgestalten wie Schauspieler Hugo Egon Balder und der Enthllungsjournalist Gnter Wallraff. Verffentlicht wurde der offene Brief der Kulturschaffenden von den Zentralorganen der Groen Koalition, zum Beispiel hier, hier und hier.
    Warum nur habe ich beim Lesen des Kulturgeschaffenen der Dreihundert ein Dj-vu?
    Ach ja, die Biermann-Ausbrgerung 1976 in der DDR. 23 Jahre hatte der aus Hamburg stammende Liedermacher dort gelebt und sich mit den SED-Mchtigen mchtig angelegt. Zehn Jahre hatte er Berufsverbot nicht dichten, nicht, singen, nicht auftreten, nicht reisen. 1976 stellten Ihm die DDR-Machthaber mit einer Konzertreise in den Westen eine Falle, um ihn loszuwerden.


    Doch der Schuss ging nach hinten los. Die Ausbrgerung Biermanns lutete den Anfang vom Ende des SED-Regimes ein. Es gab einen Proteststurm, nur mhsam von der Stasi unterdrckt. 13 bekannte DDR-Knstler und Schriftsteller wie Stephan Hermlin, Christa Wolf, Stefan Heym oder Heiner Mller wagten sich aus der Deckung und schrieben einen offenen Brief ans Zentralkomitee. Dazu gehrte in der DDR viel Mut, immerhin stand die Existenz auf dem Spiel. ber 100 weitere prominente Personen unterschrieben den Aufruf in den folgenden Tagen.


    Das Regime reagierte mit Hrte. Zahlreiche Kulturschaffende wurden unter Druck gesetzt, eingesperrt und oder selbst zur Ausreise gezwungen. Viele namhafte Knstler und Schriftsteller verlieen bis 1981 die DDR. Unter ihnen waren Namen wie Manfred Krug, Eva-Maria und Nina Hagen, Armin Mller-Stahl oder Erich Loest. Weltbekannte Schriftsteller wie Christa Wolf oder Stefan Heym wurden gemaregelt.
    Dutzende SED-konforme Stellungnahmen

    Gegenpropaganda musste her. Das Neue Deutschland, Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands verffentlichte dutzende SED-konforme Stellungnahmen: Tausende Knstler und Kulturschaffende sowie Tausende Arbeitskollektive und zahlreiche Werkttige uern in Stellungnahmen und Briefen ihre entschiedene Zurckweisung der Hetze aus der BRD in Zusammenhang mit der Aberkennung der Staatsbrgerschaft Biermanns.



    Und natrlich fanden sich gengend botmige Knstler, die ihren hochgeachteten Namen fr die SED-Propaganda missbrauchen lieen, unter ihnen Anna Seghers, Wolfgang Heinz, Ludwig Renn, Eric Neutsch, Fritz Cremer, Herbert Sandberg und viele andere mehr. Ihre Botschaft war stark vereinfacht: Bitte ruiniert nicht meine Existenz und lasst mir meine Privilegien. Wie werden sie einige Jahre spter bereut haben, ihre knstlerische Seele dem Teufel zu verkaufen.
    Zu dem jngsten offenen Brief der buntdeutschen C-Promis fllt mir nur der Biermann-Reim ein:


    Wo pinkelt sich der Kunstverein
    selbstkritisch an das linke Bein
    muss dabei Hosianna! schrein

    (aus: In China, hinter der Mauer)

    https://www.achgut.com/artikel/wuerd...ung_demokratie
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Mastab seiner beschrnkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preuischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Wrde, Verantwortung, Demokratie

    Die hnlichkeit zum SED-Regime wird immer deutlicher.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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