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    Syrischer Flüchtling ohne Hilfe von Karl Lagerfeld: "Ich schaff das!"

    Ohne Hilfe von Karl Lagerfeld:

    „Ich schaff das“

    Lüneburg. Amin Mayel hat in seinem Leben schon Hunderte Kleider entworfen, doch noch nie bedeuteten ihm Entwürfe so viel wie diese. In seinem Lüneburger Atelier hängen sie nebeneinander auf einer Kleiderstange, ein schwarzes Abendkleid, zwei bunte Sommerkleider, ein Cocktailkleid aus Samt, ein langes Ballkleid aus Spitze, ein moosgrünes Jerseykleid. Als er eins davon vom Ständer nimmt und zur Präsentation auf eine Kleiderpuppe zieht, wirkt Mayel nervös. Für ihn hängt viel ab von dem Erfolg der Kollektion. Es ist seine erste nach der Flucht aus Syrien.
    Der 38-Jährige zupft den unteren Kleiderrand zurecht, dann geht er einen Meter zurück und neigt den Kopf, erst nach links, dann nach rechts. Zu kurz, nicht kurz genug? Seit Tagen hadert er mit sich und dem Geschmack der deutschen Frauen. In Syrien, sagt er, hätte er gewusst, welche Kleiderlänge perfekt gewesen wäre. „Hier bin ich mir manchmal noch nicht ganz sicher.“ Doch Mayel ist den Trends seit Wochen auf der Spur, studiert Modezeitschriften, Kataloge und das Internet. „Ich schaff das hier“, sagt er und lächelt, „ich schaff das!“
    In Syrien hatte es Mayel bereits geschafft. Er habe Mode entworfen für viele unterschiedliche Kunden, sagt er. „Ich war ein bekannter Mann und hatte meine eigene Marke.“ Doch dann kam der Krieg, und im November 2014 floh er aus Aleppo nach Deutschland. Hier kannte niemand seine Mode, Amin Mayel war ein syrischer Flüchtling von Tausenden.
    Es dauerte, bis er den Plan für ein neues Leben schmieden konnte. Zunächst musste Mayel ankommen in Lüneburg, Deutsch lernen, anerkannt werden als Flüchtling, um seine Frau und die beiden Kinder nachzuholen. Erst als ihm das im März 2016 gelungen war, „konnte ich wieder an Zukunft denken“, sagt Mayel. „An Arbeit und Mode.“
    Dabei war ihm schnell klar: Er will wieder als Designer arbeiten. „Das ist das, was ich gelernt habe“, sagt er. Doch was ihm fehlte, war ein Zeugnis, mit dem deutsche Kunden und Arbeitgeber etwas anfangen können. Also versuchte er mit der Hilfe von Angela Chandra, die ihm mit einem weiteren deutschen Ehepaar seit einer Ankunft in Lüneburg zur Seite steht, seinen Beruf anerkennen zu lassen. Dafür mussten sie einen „Gleichwertigkeitsfeststellungsantrag“ stellen. Ein Wort, das Mayel bis heute nicht aussprechen kann.
    Der Syrer reichte alle Zeugnisse ein, die er hatte, füllte mit Chandras Hilfe einen ganzen Stapel Formulare aus und beschrieb, was er in Syrien konkret gearbeitet hatte. Parallel machte er ein Praktikum in Hamburg, entwarf und fertigte dort ein eigenes Brautkleid, zuvor hatte er schon in Lüneburg einen Minijob bei einer Modedesignerin. Beide Arbeitgeber bestätigten ihm, dass er sein Handwerk beherrscht. Im Herbst 2017 hatte er es dann Schwarz auf Weiß: Seine Ausbildung entspricht der eines deutschen Maßschneiders. Modedesigner wäre Mayel zwar lieber gewesen. Doch er hatte, was er brauchte, um den nächsten Schritt zu gehen.
    Alle Versuche, einen Job zu finden, waren schon vorher gescheitert. Mayel war mit seinen Modellen persönlich zu Firmen gegangen, um sie vorzustellen. „Doch ich durfte sie nicht mal zeigen.“ Er hatte Bewerbungen geschrieben und nie eine Antwort bekommen. Was blieb, um nicht arbeitslos zu bleiben, war der Schritt in die Selbstständigkeit. Er wusste, dass es für ihn in Deutschland viel schwerer sein würde als in Syrien, doch er vertraute auf seine Erfahrung. In Angela Chandra fand er eine Verbündete. Sie sagt: „Ich bin mir sicher, dass er seinen Weg irgendwie machen wird.“
    Doch bevor es losgehen konnte, brauchte Mayel einen Businessplan. Und zwar einen, der überzeugt. Dafür analysierte er den Markt, ging von Boutique zu Boutique und fragte, ob man sich vorstellen könnte, seine Kleider zu verkaufen. Chandra brachte sein Konzept aufs Papier und suchte ihm einen Atelierraum im Lüneburger Industriegebiet. Gemeinsam gingen sie zum Unternehmensberater und erstellten einen Finanzplan für die kommenden drei Jahre. Damit überzeugten sie das Jobcenter, das genehmigte ein Einstiegsgeld. „Das fließt maximal 24 Monate“, sagt Chandra. Spätestens dann muss Mayel mit seinen Kleidern so viel Geld verdienen, dass er die Familie ernähren kann.
    Den Schritt sind bisher nicht viele Flüchtlinge gegangen. Im gesamten Bezirk der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade gehören nach Auskunft der Pressestelle gerade mal 69 von insgesamt 28 000 Mitgliedsbetrieben einer Person aus einem Asylherkunftsland. „5 sind aus Afghanistan, 12 aus dem Iran, 13 aus dem Irak und 39 aus Syrien“, erklärt Astrid Bauerfeld.

    Amin Mayel ist offiziell seit dem 5. Januar 2018 Betriebsinhaber, drei Jahre nach seiner Flucht steht auf einem Firmenschild wieder sein Name. In wenigen Wochen wird er aus seinem Atelier dann die ersten Kleider in die Boutiquen tragen. Er glaubt an die Zukunft. , sagt er, „ich schaff, dass Amin Mayel wieder eine Marke wird.“
    https://www.landeszeitung.de/blog/lo...ich-schaff-das

    Es gibt ja mittlerweile - und darin hat er ja zumindestens Erfahrung - unzählige orientalische Brautmodengeschäfte, die bestimmt neue Modell annehmen, sofern die Länge des Brautkleides stimmt. Orientalische Brautmoden - eine Branche mit Zukunft!
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Syrischer Flüchtling ohne Hilfe von Karl Lagerfeld: "Ich schaff das!"

    Nun, er kann wenigstens lesen und schreiben und hat tatsächlich ein Handwerk gelernt - das ist mehr als die meisten "Flüchtlinge" vorweisen können!

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