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    Eine syrische Weihnachtsgeschichte aus Jena

    Als Flüchtling in Jena: Junger Syrer sucht ein Weihnachtsgeschenk

    Wie geht‘s, Husni?: Unsere Zeitung begleitet einen Flüchtling in Jena. Derzeit heißt es: Facebook, ade. Husni benötigt die Zeit fürs Deutsch-Lernen.



    Jena. Am Ende des jüngsten Gesprächs mit Husni Alalewi stutzt der Autor dieser Zeilen. Zum achten Male seit Sommer 2016 hat er mit dem jungen Syrer über seine Zeit als Flüchtling in Jena gesprochen – stets den fließend Arabisch sprechenden Pfarrer Stefan Beyer als Dolmetscher an der Seite. Nur musste Stefan Beyer an diesem Tag kein einziges Mal eingreifen. Husni, dein Deutsch ist klasse!

    Das sieht der 25-Jährige etwas anders. Noch fehlen ihm einige Papiere bis zu einer amtlichen Perfektionsstufe, die zum Studieren in Deutschland berechtigt. Genau dieses Ziel hat Husni Alalewi, dem er offenbar fast alles unterordnet.


    Ein ganzes Stück der Tippeltappel-Tour von Deutsch-Kurs-Abschlüssen mit ansteigenden Qualitätsstufen hat er hinter sich: A 1, A 2, B 1 und B 2. Und ja, er bestätigt, er sei sauer gewesen, weil er mit seiner Anmeldung bei der Uni zum alternativen Kursus „Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang“ (DSH) gescheitert war: Den benötigten B-2-Abschluss hatte er zwar geschafft, das Zertifikat des Kursus-Veranstalters aber nach vielen Wochen immer noch nicht in der Hand.
    Viele Stunden mit Astrid Lindgren

    Im November hat Husni nun am Institut für Interkulturelle Kommunikation (IIK) in der Grietgasse einen C-2-Lehrgang begonnen, dessen Abschluss ebenfalls zur Aufnahme eines Hochschulstudiums berechtigt. „300 Stunden bis 5. März. Am 10. März die Prüfung. „Davor hab ich viel Angst. Mein Lehrer sagt aber: ‚Du schaffst das!‘“


    60 bis 80 Prozent der Ausbildung bestünden aus Selbststudium, sagt Husni. Er lese sehr viele Kinderbücher, aktuell zum Beispiel „Immer dieser Michel“ von Astrid Lindgren, aber auch Nachrichtliches im Internet wie etwa Spiegel Online. Manchmal würde es noch haken mit dem Lesen. „Ich muss alles kapieren, um weiterlesen zu können.“ Ein Sportfreund habe ihm zudem ein Fernsehgerät überlassen. „Von dem, was da gesagt wird, verstehe ich 90 Prozent.“ Weitergeholfen auf dem Weg zum besseren Deutsch hat ihm auch der kleine Dolmetscher-Vertrag mit der Sozialdienstleister-Firma ÜAG, die in Jena einer der Träger von Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge ist. Zuletzt stand Husni beispielsweise dolmetschend beim Allgemeinarzt einer Frau zur Seite, die per Familiennachzug nach Jena gekommen ist.


    Den bis zum 23. Dezember laufenden Vertrag mit der ÜAG lässt Husni aber auslaufen. Und: Er hat sogar auf seinem Smartphone die Verbindung zum sozialen Netzwerk Facebook deinstalliert. „Das kostet zu viel Zeit“; die benötige er fürs Lernen. Jedes Wochenende müsse er jetzt zum Beispiel einen Brief zu wissenschaftlichen Themen schreiben, aktuell war die These „Alle Menschen sind mit gleicher Intelligenz ausgestattet“ zu beleuchten: a) – Ja, stimmt, aber es herrschen unterschiedliche Chancen, sie zu entwickeln. Oder b) – Nein, stimmt nicht, aber Übung macht den Meister.


    Ein bisschen Studien-Atmosphäre hat Husni obendrein drei Wochen lang als Gasthörer bei den Medizintechnikern der Ernst-Abbe-Hochschule schnuppern können. – Mathe, Chemie, Elektrotechnik. „Das war schwierig, aber wenn ich mehr geübt hätte, wäre ich noch besser mitgekommen.“ Oh, er sei in dieser Zeit „ein bisschen dick geworden“, sagt Husni. „Und dann einmal Joggen, und ich hatte eine Woche Muskelkater.“ Im nächsten Schritt möchte er bei den Informatikern Gasthörer sein – und genau dieses Fach ferneren Tages studieren. Mit der Note 1,3 habe er in der Heimat sein Mathe-Abi abgeschlossen. „Ja, da bin ich gut.“
    Familie daheim wieder auf der Flucht

    Beim Gedanken an die Heimat ist Husni keinen Hauch optimistisch, möge Russlands Präsident Putin auch den IS als besiegt und den Krieg quasi für beendet erklärt haben. „Da ist gar nichts zu Ende; es ist keiner mehr in der Stadt“, sagt er über seine Familie in dem Ort Mayadin im syrischen Nordosten. Die Angehörigen seien ans andere Ende des Landes in eine Stadt bei Aleppo geflohen – wegen Assads Militär. Die Jungen würden in dessen Armee gezwungen mit der immer gleichen Methode: „Die sagen, ihr müsst nur in eurer Heimatregion dienen. Dieses Versprechen wird dann nicht gehalten.“ Dazu die insgesamt instabile Situation; Syrien habe keinerlei Macht mehr und werde zwischen den Interessen der anderen beteiligten Mächte zerrieben. An die große Rückreise-Welle seiner ins Ausland geflohenen Landsleute glaubt Husni nicht. „Die es wirklich wollten, die sind schon zurück.“


    Hat Husni schon an eigener Haut erfahren, dass nicht alle Deutschen den Flüchtlingen gegenüber wohlgesonnen sind? Nur einmal bislang, sagt er: Nach einem Einkauf im Supermarkt habe er die Waren in seinem Rucksack verstaut und auf dem Heimweg bemerkt, dass er ein paar Gewürze vergessen hatte zu kaufen – also zurück. Wieder in der Schlange an der Kasse, habe ein Mann hinter ihm gefragt, ob er denn auch alles bezahlt habe? Auf diesen Hinweis habe auch die Verkäuferin reagiert: Er habe alles auspacken müssen – und auf die Verdächtigung erbost reagiert.


    Kleiner verspäteter Trost vielleicht: Auch für den jungen Moslem geht es jetzt ein klitzekleines bisschen besinnlich weihnachtlich zu. Im Sprachkursus ist vereinbart worden, dass jeder per Los den Namen eines Teilnehmers zieht, dem er dann für fünf bis zehn Euro ein Geschenk besorgt. Husni wurde eine Ukrainerin zugelost. Zum Gesprächszeitpunkt rätselte er noch, was er ihr schenken soll.
    http://jena.otz.de/web/jena/startsei...enk-1433251271
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

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    AW: Eine syrische Weihnachtsgeschichte aus Jena

    Auch für den jungen Moslem geht es jetzt ein klitzekleines bisschen besinnlich weihnachtlich zu. Im Sprachkursus ist vereinbart worden, dass jeder per Los den Namen eines Teilnehmers zieht, dem er dann für fünf bis zehn Euro ein Geschenk besorgt. Husni wurde eine Ukrainerin zugelost. Zum Gesprächszeitpunkt rätselte er noch, was er ihr schenken soll.
    Sadismus vom Amt? Wie kann man einen Weihnachten hassenden Moslem zwingen eine Ungläubige zu beschenken?
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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