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    Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?

    Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther
    Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?
    Waldeck-Frankenberg. WLZ-Redakteur Elmar Schulten führt ein fiktives Interview mit dem Reformator Martin Luther. In seinem Namen antwortet ebenso fiktiv die Bad Arolser Religionspädagogin, Prädikantin und Landessynodale Ulrike Combe-von-Nathusius.


    Martin Luthers Einsichten und die von ihm ausgelöste Reformation haben vor 500 Jahren die Welt verändert. Als Folge der Kirchenspaltung kam es zu einem verheerenden Religionskrieg, der Europa spaltete. Gleichzeitig wurde der mittelalterliche Mensch zum selbständigen Denken und Handeln ermutigt. Der demokratische Staat, in dem mündige Bürger das Sagen haben, wurde erst durch Reformation und Aufklärung möglich.
    Herr Luther, was haben Sie nur angerichtet: Die Kirche gespalten in katholisch und evangelisch. Haben Sie damit gerechnet?



    Martin Luther:Dass es zu einer Kirchenspaltung kommen würde, konnte ich in der Deutlichkeit noch nicht vorhersehen. Deutlich geworden ist mir freilich, dass ich mit meiner Kritik bei der Kirche, wie ich sie bis dahin erlebt habe, so leicht kein Gehör für Reformen würde finden können.





    Spätestens nach dem Verhör vor dem Reichstag in Worms und der Tatsache, dass ich als „vogelfrei“ erklärt wurde, ist mir dies deutlich geworden. Gestatten Sie mir eine kritische Bemerkung zu Ihrer Fragestellung. Sie unterstellen in Ihrer Frage, dass ich etwas Schlimmes „angerichtet“ habe.



    Darf man denn aber jemandem negativ anlasten, dass er für seine den Menschen dienenden Überzeugungen eintritt?
    Was hat Ihren Erfolg beflügelt? War es die Buchdruckerkunst oder war es der Zeitgeist?



    Martin Luther: Natürlich hat die Erfindung des Buchdrucks mit dazu beigetragen, dass meine neu entdeckte Sicht biblischer Aussagen wie die von der Freiheit eines Christenmenschen, des bedingungslosen Angenommenseins durch Gott, des Priestertums aller Gläubigen und damit der Emanzipation des einzelnen Christen von der Bevormundung des Klerus - um nur einige meiner Überzeugungen zu nennen - schnelle und für damalige Zeit massenhafte Verbreitung hat finden können. Insofern habe ich das neue Massenmedium der illustrierten Flugschriften für meine Zwecke sinnvoll nutzen können.



    Ich bin aber der festen Überzeugung, dass meine Schriften nicht auf solch fruchtbaren Boden gefallen wären, sowohl bei „dem einfachen Mann“ wie bei einigen Landesherren, wenn sie nicht auch erspürt hätten, dass die Zeit für Reformen reif war.
    Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie erreicht haben? Gefällt Ihnen die Kirche, die sich auf Ihre Lehren beruft?



    Martin Luther: Dass sich der Protestantismus in seinen unterschiedlichen Spielarten in den letzten 500 Jahren herausgebildet hat, ist nicht etwas, was ich „erreicht“ habe.



    Ich habe sicherlich für diese evangelischen Kirchen Prozesse angestoßen, die den einzelnen Gläubigen mündiger machen und ihn kritischer werden lassen gegenüber kirchlichen Autoritäten, die für sich Auslegungshoheit beanspruchen. Und das war gut so.



    Andererseits haben auch diese Kirchen, die sich auf mich berufen, sich schwer getan mit weiteren Emanzipationsbestrebungen; ich denke nur an die Frauenordination oder die Ehen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften im 20. Jahrhundert.



    Außerdem haben sie zu spät die soziale Frage der Industriearbeiterschaft im 19. Jahrhundert als Aufgabe gesehen.



    Und sie waren jahrhundertelang zu wenig staatskritisch. Besonders gilt das für die deutsche evangelische Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus. Insofern sehe ich auch die protestantischen Kirchen nicht unkritisch.



    Kirchen haben grundsätzlich betrachtet, die Aufgabe, das Wort Gottes ins Bewusstsein der Menschen zu heben, aber sie sind eine von Menschen gemachte Institution und diese müssen sich stets ihrer Sündhaftigkeit und Begrenztheit und Vorläufigkeit im Unterschied zum Reich Gottes bewusst sein.
    Sehen Sie eine Chance dafür, dass sich die christlichen Kirchen wieder einander annähern? Was halten Sie von der Ökumene?



    Martin Luther: Ich bin überzeugt davon, dass sich die Kirchen aneinander annähern. Dieser Prozess ist auf allen Ebenen kirchlichen Tuns spürbar, auf der Ebene der einzelnen Kirchengemeinden in besonderer Weise.



    Denken Sie nur an Arolsen, wo die palliative Arbeit oder die Tafelarbeit von beiden Konfessionen gemeinsam verantwortet werden.



    Und auch auf den Ebenen der Kirchenleitungen innerhalb Deutschlands ist dieses Aufeinanderzugehen spürbar; allerdings wird es sicherlich – wenn ich an die römisch-katholische Kirchen in anderen Teilen der Welt denke, die doch noch stärker als in Deutschland an Traditionen orientiert ist, –noch ein wenig dauern bis zu einer Ökumene, was ja übersetzt bedeutet; „die eine weltumspannende Kirche“.
    Dass die beiden großen Kirchen Trennendes überwinden, halte ich für ganz wichtig, da ich beobachte, wie wichtig es ist, dass die Kirche in einer zunehmend säkularer werdenden Welt „aus einem Munde“ spricht und dass sie die christlichen Werte und das biblisch-christliche Menschenbild ins Bewusstsein der Menschen von heute ruft.
    Nun kommts:

    Und da wir von anderen Religionen reden: Wie halten Sie’s mit den Juden und den Moslem? Was würden Sie denen heute sagen?



    Martin Luther: Selbstkritisch sehe ich heute, dass ich mich in meinen ausgesprochen negativen Aussagen über die Juden damals falsch verhalten habe. Ich hatte so sehr gehofft, dass sich die Juden missionieren lassen würden; und sicher war ich in meiner judenkritischen Haltung auch ein Stück weit dem antisemitischen Denken meiner Zeit verhaftet. Heute weiß ich es besser: Es gibt unterschiedliche Wege, zu Gott zu finden. Und zudem einigt uns drei abrahamitische Religionen ja genau dieser unser Glaube an den einen Gott.
    Wenn Sie heute zurückblicken, würden Sie noch einmal genauso handeln, und Ihre 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche nageln?



    Martin Luther: Dass ich die 95 Thesen an die Schlosstüre zu Wittenberg genagelt haben soll, ist wohl mehr der Legendenbildung zuzuschreiben. Was aber stimmt, ist die Tatsache, dass ich meine Überzeugung publik machen wollte, dass ich - so würde man heute sagen - eine Bewusstseinsveränderung anstrebte. Insofern würde ich auch heute so handeln wie damals.
    https://www.wlz-online.de/landkreis/...r-8908338.html
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2
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    AW: Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?

    Martin Luther: Dass ich die 95 Thesen an die Schlosstüre zu Wittenberg genagelt haben soll, ist wohl mehr der Legendenbildung zuzuschreiben. Was aber stimmt, ist die Tatsache, dass ich meine Überzeugung publik machen wollte, dass ich - so würde man heute sagen - eine Bewusstseinsveränderung anstrebte. Insofern würde ich auch heute so handeln wie damals.
    Wenn man ihn denn lassen würde! Schließlich ist seine Haltung dem Islam gegenüber auch vielen Protestanten ein Dorn im Auge.
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

  3. #3
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    AW: Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?

    Angesichts der Passage des fiktiven Interviews zu seiner Haltung gegenüber dem Islam und dem Judentum würde Luther aus seinem Grab steigen, wenn er könnte, und die Dame, die ihm diese Worte in den Mund gelegt hat, eigenhändig verprügeln.
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  4. #4
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    AW: Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?

    Martin Luther: Dass ich die 95 Thesen an die Schlosstüre zu Wittenberg genagelt haben soll, ist wohl mehr der Legendenbildung zuzuschreiben.
    Aha, der fiktive Luther ist wohl dement.........

    Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther (1483–1546) der Überlieferung nach 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche zu Wittenberg. Dieses Datum gilt somit als Beginn der Reformation. Sein Thesenanschlag wurde lange Zeit als Legende ohne historisches Fundament betrachtet, gilt jedoch nach der Entdeckung einer handschriftlichen Notiz von Georg Rörer, Luthers lang.jährigem Sekretär, im Jahr 2006 wieder als wahrscheinlicher.
    Wikipedia
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  5. #5
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    AW: Fiktives Interview mit Reformator Martin Luther Sind Sie Zufrieden, Herr Luther?

    Martin Luther: Dass ich die 95 Thesen an die Schlosstüre zu Wittenberg genagelt haben soll, ist wohl mehr der Legendenbildung zuzuschreiben.
    Es gibt „Historiker", die am besten über Ereignisse informiert sind, je weiter sie zurückliegen. Sie scheinen einen direkten Draht zur Vergangenheit zu besitzen, der es ihnen ermöglicht, alles genau und zweifelsfrei beurteilen zu können.
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