Am 6. und 7. April 2017 ist der chinesische Staatspräsident Xi Jinping zu Gast auf dem Anwesen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Verhandlungen in entspannter Atmosphäre sollten es werden, aber der Luftangriff gegen Syrien hätten den Gipfel in Form und Inhalt durcheinander gebracht, meinen die Figaro-Korrespondenten Maurin Picard, in New York, und Sébastien Falletti, in Shanghai.

La Syrie s'invite entre Trump et Xi Jinping. Syrien lädt sich ein zwischen Trump und Xi Jinping

Nicht Syrien lädt sich, sondern Donald Trump lädt Syrien ein. Xi Jinping hat es in der Lage, in der er sich in Mar-a-Lago befindet, zur Vermeidung eines diplomatischen Eklats kommentarlos hinzunehmen, Der Leitartikler des Blattes Arnaud de La Grange meint: "Und siehe da, Trump legt das Gewand des Chefs der freien Welt an." Et voilà que Trump endosse les habits de patron du monde libre.

Wenn's so ist, erlebt die freie Welt eben, wie ihr Chef mit einem seiner zwei Hauptgläubiger umspringt, der andere ist Shinzo Abe, der als erster Regierungschef die Ehre hatte, in Mar-a-Lago empfangen zu werden, da war Donald Trump noch nicht amtierender Präsident. Jetzt vermeidet er in einer Erklärung sorgfältig, offene Unterstützung für den Luftschlag der USA zu äußern.

"Ein hochrangier Beamter der japanischen Regierung sagte, um den Hintergrund der Erklärung Abes zu erläutern: 'Wir haben keine Beweise, daß syrische Militärs chemische Waffen einsetzten,"

"Ein höherer Beamter des japanischen Außenministeriums schaltete sich ein und sagte, daß es nach internationalem Recht ungenügende Gründe für den Angriff gäbe."

INSIGHT: Japan backs U.S. ‘determination’ to stop chemical weapons’ use
The Asahi Shimbun, April 8, 2017

Der ab jetzt Nicht-mehr-Geschäftsmann-Präsident, sondern echte, setzt den chinesischen Präsidenten von der Demonstration seiner Macht in Kenntnis und gibt eine im Fernsehen übertragene Presseerklärung ab. China ist Verbündeter Rußlands, und zur Zeit des präsidentialen Auftritts verkündet das Pentagon, Rußland könnte [!] direkt teilgenommen haben an dem Giftgasanschlag.

Die ganze Welt, nicht nur seine chinesischen Landsleute, erleben zeitgleich mit, wie Xi Jinping den China gegenüber feindseligen Worten ohnmächtig zuzuhören hat.

Der Luftschlag hätte das Tempo der Verhandlungen beschleunigt, meinen die Korrespondenten; denn die Operation der Amerikaner klänge wie eine Mißbilligung Pekings, das seit 2011 im UN-Sicherheitsrat sechs Mal gegen eine Intervention der UNO in Syrien gestimmt habe.

Während die Medien der Welt ihre Aufmerksamheit auf den Luftschlag der Amerikaner gegen die Militärbase in Syrien richteten, hätte Xi Jinping die Themen des Treffens, von den Medien relativ wenig beachtet, Revue passieren lassen können: Taiwan, das südchinesische Meer, aber auch den besseren Zugang zum chinesischen Markt für amerikanische Unternehmen.

Derweil bildet sich Donald Trump ein, er hätte während des "Dîners im Hause des Milliardärs" mit Xi Jinping eine "Freundschaft geknüpft". Selten zeigt sich Ahnungslosigkeit so offen.

Mit Donald Trump bin ich fertig!

Ja, ich weiß: Oder in Hamburg fällt 'ne Schaufel um! Ich sag's aber trotzdem.



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