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    So erzählt Mustafas Mutter die Geschichte der Eskalation

    So erzählt Mustafas Mutter die Geschichte der Eskalation

    In Berlin-Wedding löst ein kriminelles Kind namens Mustafa eine Auseinandersetzung mit 70 Personen und der Polizei aus. Die aus Palästina stammende Familie des Elfjährigen fordert Respekt.

    Verwandtschaft schützt kriminelles Kind

    Nur ein paar Meter weiter, vor dem Eingang des Spielplatzes, kam es am vergangenen Montag zu einer Auseinandersetzung, die bundesweit Schlagzeilen erregte. Die Polizei war an diesem Abend gerufen worden, weil Kinder in einem Auto mit der Zündung gespielt haben sollen. Rasch eskalierte der Routineeinsatz, die aufgebrachte Familie eines elfjährigen Jungen stand schließlich 14 Beamten und drei Diensthunden gegenüber, umringt von 70 teils aggressiven Anwohnern, Freunden und Schaulustigen. "Haut ab, das ist unsere Straße", wurde mehrfach gerufen, so steht es im Polizeibericht – der Elfjährige wird darin als "kiezorientierter Mehrfachtäter" bezeichnet.
    Zwei Männer wurden am Ende festgenommen, darunter der ältere Bruder des Jungen, Strafanzeigen wurden gestellt: wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, versuchter Körperverletzung, versuchter Gefangenenbefreiung, unberechtigten Gebrauchs eines Kraftfahrzeuges sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
    Und weil der Soldiner Kiez als Problemkiez gebrandmarkt ist, weil arabische Großfamilien ein Dauerproblem in Berlin darstellen und vielleicht auch weil momentan Wahlkampf in der Hauptstadt tobt, wurde die große Debatte so schnell eröffnet, wie die kleine Situation explodiert war.
    Spricht man mit den Eltern des Elfjährigen, hört man eine andere Geschichte. Von diskriminierenden Polizisten und Nachbarn ist da die Rede, von hysterischen Medien, einer gewöhnlichen Familie und von einem Jungen, der zu jung sei, um als Mehrfachtäter stigmatisiert zu werden. Wir sind die Opfer, sagt die Familie. Wir sind die Opfer, sagt die Polizei. Hören sie sich zu? Poltern sie aneinander vorbei? Die Gespräche im Soldiner Kiez speisen sich oft aus Vorurteilen. Eine ungesunde Schleife, die keine Gewinner kennt.


    Die Familie E. lebt im zweiten Stock eines tristen Wohnhauses. Braune Fassade, Satellitenschüsseln auf den Balkons. Früher Nachmittag, mehrere Mädchen öffnen die Tür, sie lächeln freundlich, holen ihre Eltern und ziehen sich zurück auf ihre Zimmer. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher, RTL, die Wände sind mit Blumenschnörkeln bemalt, Zigarettenqualm steht in der Luft. Mutter Jamile setzt sich an die eine Seite, Vater Hussein an die andere Seite des Tisches, dazwischen hockt der elfjährige Mustafa. Er sieht traurig aus. Oder gelangweilt. Oder beides.

    Die 45 Jahre alte Jamile E. spricht schnell und laut und viel, mehr als ihr Mann, der erst mal nur Kaffee trinkt. "Natürlich war ich in der Situation sehr emotional, es ging ja um mein Kind. Aber die Polizei hat keinen Respekt gezeigt", so blickt die Mutter auf jenen Montagabend zurück. Von einem Freund ihres Sohnes benachrichtigt, sei sie zum Spielplatz gerannt, wo ihr weinender Mustafa von den Polizisten verhört worden sei.
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    Sie wollte von den Beamten wissen, warum nur ihr Kind verdächtigt werde und bekam keine Antwort, dann sei die Situation eskaliert. Sagt sie. Ihr Sohn nickt und nickt und sagt manchmal: ja.


    "Mustafa ist ein bisschen aktiver als andere", sagt seine Mutter. Aktiver? "Stärker. Er macht halt manchmal Blödsinn. Aber er ist kein Schwerkrimineller." Jetzt schaltet sich der Vater ein. "Ich wollte mit der Frau sprechen, die die Polizei alarmiert hat, durfte es aber nicht. Wo stand das Auto, in dem Mustafa gesessen haben soll? Wem gehörte das Auto überhaupt? Mein Kind war einfach nur spielen", sagt der 56-Jährige. Im Polizeibericht liest es sich anders. Wie soll man auf einen Nenner kommen, wenn schon die kleinsten Details strittig sind?
    Hussein El-M., der Vater des Jungen, erzählt, er sei 1977 aus Palästina nach Berlin gekommen. Erst habe er in Neukölln als Pizzabäcker und Bodenleger gelebt und vor 29 Jahren in die Soldiner Straße gezogen, heute sei er arbeitslos. "Es gibt in Berlin kriminelle Großfamilien", sagt er. "Aber wir sind keine. Wir sind gegen Rauschgifthandel, gegen Waffenhandel, gegen Prostitution. Unser Islam erlaubt uns das nicht."


    Neben neun Kindern habe er nur noch einen Bruder in Berlin, 15 Familienmitglieder seien sie insgesamt hier. Kein Vergleich zu den Hunderten, die den Großfamilien angehörten.


    Seine Frau Jamile kramt jetzt ihr Smartphone heraus und zeigt ein zweieinhalbminütiges Video, das ein anderer Junge am Montag aufgenommen hat. Man hört schreiende Eltern, man sieht den älteren Sohn, wie er sich rabiat gegen die Verhaftung wehrt, man sieht Polizisten, die nicht wirklich deeskalierend agieren. Gegen Ende zückt ein Beamter Pfefferspray und zielt Richtung Mutter, ein anderer Polizist hält seine Hand dazwischen, gerade noch so. Während die Frau ihr Handy wieder einpackt, wird der 21-jährige Sohn auf der Couch wach.
    Im März titelte der Spiegel "Die geteilte Nation" und berichtete aus dem Soldiner Kiez. Ist das Land hier besonders gespalten? "Ein deutsches Kind wäre anders behandelt worden", klagt Mutter Jamile. "Politiker tauchen hier nur auf, wenn Wahlkampf ist, Integration ist gescheitert", sagt der 26-jährige Göktürk Aslan, der ein paar Häuser weiter in der Bäckerei arbeitet. "Die Flüchtlinge vermüllen die Gegend", pöbelt ein Mann ohne Migrationshintergrund, der auf der anderen Seite der Kreuzung sitzt und fortlaufend von "den Türken" spricht.


    Bei Familie E. gibt es eine neue Runde Kaffee. Im Fernsehen läuft ein Bericht über das geforderte Burka-Verbot. "Das da", ruft Hussein El-M. und zeigt auf den Bildschirm, "sollte verboten werden! Der Islam sagt zwar: Bekleidet euch. Aber nicht mit Burka." Man wisse gar nicht, ob eine Frau oder ein Mann darunter stecke. "Terroristen könnten das nutzen", warnt der Vater. Er klingt jetzt wie ein CDU-Politiker im Wahlkampfmodus.
    Ganzer Artikel hier:

    http://www.welt.de/vermischtes/artic...skalation.html
    Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.
    Gustav von Rochow (1792 - 1847), preußischer Innenminister und Staatsminister

  2. #2


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    AW: So erzählt Mustafas Mutter die Geschichte der Eskalation

    Welchen Erfolg bringen Festnahmen und Strafanzeigen, wenn diese nur milde lächelnd abgeurteilt werden und keine Ausweisung erfolgt? Warum eigentlich schreitet die Polizei überhaupt ein, wenn sich die Gäste in unserem Land selbst dezimieren wollen? Wenn zwei von denen sich mit dem Messer oder sonst wie attackieren und einer davon auf der Strecke bleibt, mir soll es recht sein.
    "Mein Vaterland hat allzeit den ersten Anspruch auf mich." (Mozart)

    "Ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland." (vom Stein)

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