Über den Mord an Boris Nemzow diskutieren der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages Norbert Röttgen, die ehemalige FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Leiter des Deutschland-Büros von RIA Novosti, bis 2015, und heute für Rossiya Segodnya als freier Journalist tätige Dmitri Tultschinski, der ehemalige Leiter des Moskauer Büros des Nachrichtenmagazins Focus und heutige freiberuflich tätige Autor und Journalist Boris Reitschuster und der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken Dietmar Bartsch.

Man google die Gäste der Sendung, vom 4. März 2015, Mord an Boris Nemzow - Wie gefährlich ist Opposition gegen Putin?

"boris reitschuster" propaganda, "norbert Röttgen" ukraine, "sabine leutheusser-schnarrenberger" trinkpause, und man hat die Gegner des Wladimir Putin zusammen. Bei der Lektüre zu "dietmar bartsch" sowjetunion und "dmitri tultschinski" "ria novosti" sind deren eher Wladimir Putin positiv zeichnende Argumente vorauszusehen. Jeder möge sich ausrechnen, was von einer Diskussion solcher Gäste zu halten ist. Und so ist die Diskussion dann auch.

Man könnte einwenden, Dmitri Tultschinski hätte die Einladung in die Sendung ausschlagen können. Die Reaktion darauf sollte man sich vorstellen: Der eingeladene Russe lehnt seine Teilnahme nicht von ungefähr ab! Oder: Warum stellt der Russe sich nicht der Diskussion? Oder, um das Maß voll zu machen, die Überschrift in BILD: Putin verbietet Journalist Auftritt bei Anne Will!

Drei Putin-Gegnern sitzen zwei Putin-Versteher gegenüber, die Moderatorin neigt eher den Putin-Gegnern zu, bemüht sich aber um Ausgewogenheit. Es hat schon schlimmere Talkrunden gegeben, man erinnere sich an "Acht gegen Thilo", wo bei Reinhold Beckmann, am 30. August 2010, einschließlich Moderator, alle über Thilo Sarrazin herfallen.

So!

Es soll jetzt nicht die Rede sein von den einzelnen Argumenten, von den Vorstellungen des Norbert Röttgen über das wunderbare deutsche Justizsystem, Stichwort Sebastian Edathy und 5000€ oder der NSU-Prozeß, nicht über das ständige Dazwischenrufen des Boris Reitschuster oder die Verklärung ihrer Tätigkeit als OSZE-Beobachterin der Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, sondern man stelle sich eine umgekehrte Szenerie vor:

In einem russischen Fernsehstudio, in Petersburg, läuft eine Talkshow zum Thema: Unterstützung des Oppostitionspolitikers Vitali Klitschko - wie gefährlich ist die Einmischung von Angela Merkel?

Geladen werden vier Russen: ein regierungstreuer ehemaliger Justizminister, der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses der Duma, ein allseits für seine Feindschaft gegenüber Angela Merkel bekannter Journalist mit deutschem Vornamen, ein als deutschfreundlich bekannter Duma-Abgeordneter der Opposition und ein deutscher heute in Moskau als freiberuflich für ARD und deutsche Zeitungen tätiger ehemaliger Leiter des ARD-Studios Moskau.

Drei Russen, hin&wieder durch den Moderator unterstützt, breiten sich aus über die Zustände der deutschen Innen- und Außenpolitik, über den von der Bundeskanzlerin offen bekundeten Aufbau des Vitali Klitschko zum Gegenkandidaten von Wiktor Janukowitsch, über die Rolle der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Durchsetzung deutscher Interessen in der Ukraine und in Rußland, über die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den USA und der NATO bei der Aufteilung der Kornkammer der Ukraine, Stichwort Monsanto, über die Aufgaben deutscher Berater in der Ukraine, und überhaupt darüber, daß Adolf Hitler vor Neid erblaßt wäre, hätte er das noch erleben dürfen!

Der deutschfreundliche Russe relativiert, behauptet, das heutige Deutschland wäre nicht mehr das des Dritten Reiches, und der deutsche freischaffende Journalist wirft ein, daß dieses oder jenes nicht richtig dargestellt wäre, daß man Deutschlands Politik verstehen sollte und so weiter. Mehr traut er sich nicht zu sagen; denn sonst könnte er seine Brocken packen und aus Moskau fortziehen, niemand gäbe ihm auch noch die geringste vertrauliche Information.

Was würden deutsche Politik und Medien über eine solche Veranstaltung des russischen Fernsehens berichten? Sie würden sich nicht einkriegen vor Empörung.


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