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    Neujahrsansprache des Österreichischen Bundespräsidenten 2014



    Wenn man zwischen den Zeilen mithört, könnte man vermuten, daß den Nomenklaturen in Österreich langsam ein bissl die Muffn geht.

    Auszug:
    Meine sehr geehrten Damen und Herren!


    Vor drei Wochen hat mir der mit der Regierungsbildung betraute Herr Bundeskanzler in Übereinstimmung mit dem Herrn Vizekanzler mitgeteilt, dass die Regierungsverhandlungen zwischen den beiden stärksten Parteien erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Auf dieser Basis ist eine neue Bundesregierung ernannt worden und hat vor wenigen Tagen ihre Arbeit aufgenommen.


    Ich weiß, dass es derzeit in den Medien und auch in der Bevölkerung ziemlich viel politisches Unbehagen gibt.
    Das hat sich auch auf den Prozess der Regierungsverhandlungen und auf das Ergebnis der Regierungsbildung erstreckt.

    Dennoch bin ich überzeugt, dass es fair und sinnvoll wäre, so ähnlich vorzugehen wie im Sport, wo einer österreichischen Nationalmannschaft am Beginn eines internationalen Turniers oder am Beginn einer neuen Saison ja auch ein Vertrauensvorschuss gegeben und ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt wird.
    Ein solches Gemeinschaftsgefühl ist etwas sehr wichtiges.
    Quelle: http://www.bundespraesident.at/newsd...spraesidenten/

    Unbehagen ist sehr diplomatisch formuliert. Wenn ich mich so umhöre, geht das weit darüber hinaus.

    Bezeichnend auch, daß der Erzbischof von Wien in seiner Sylvesterrede ähnliche Inhalte wie der Bundespräsident hatte:

    Heute, an Silvester 2013, bewegt mich eine Frage: Wie haben die Menschen vor 100 Jahren, im Jahr 1913, den Jahreswechsel gefeiert? Wie haben meine Großeltern, die damals ein junges Paar waren, gefeiert? Der Wohlstand schien so sicher, alle waren zuversichtlich. Und wenige Monate später brach der Krieg aus, den wir heute den Ersten Weltkrieg nennen, mit seinen mörderischen Folgen, mit Millionen von Toten und dem Zusammenbruch der Alten Welt. Die giftige Saat dieses Krieges waren der Sowjetkommunismus, der Nationalsozialismus und als Folge daraus der Zweite Weltkrieg.
    Schwer und mühsam hat sich die Menschheit aus den Trümmern dieser Katastrophe erhoben. Aus der schweren Erfahrung der beiden Weltkriege ist in Europa aber ein Miteinander gewachsen, ja sogar ein Füreinander, sodass wir heute 70 Jahre lang keinen Krieg in Europa - mit Ausnahme des Balkans - gekannt haben.

    Meine Frage an diesem Silvester ist: Nehmen wir, wie die Menschen 1913, alles das, was uns lieb und kostbar ist, für zu selbstverständlich? Nehmen wir alles das für selbstverständlich, was unseren Wohlstand, unser gutes Gesundheitswesen, unser gutes soziales Klima ausmacht? Könnte das nicht auch zusammenbrechen, so wie damals eine Welt zusammengebrochen ist? Ich sage das nicht um Angst zu machen, sondern um zur Dankbarkeit einzuladen. Denn all das, was uns heute so selbstverständlich scheint, ist es nicht.

    Und es kann sich auch ändern. Es gibt Sorgenzeichen: In unserem Land wächst die Armut. Die Lebenssituation von Menschen am Rand der Gesellschaft wird schwieriger, von Alleinerziehenden, Pensionisten mit Mindestpension... Das Realeinkommen der Menschen in unserem Land ist im Sinken, die Sicherheit der Arbeitsplätze ist nicht gegeben.

    Was kann daher die Botschaft für das Jahr 2014 sein? Ich möchte an ein Wort Nelson Mandelas erinnern, des vor kurzem verstorbenen großen afrikanischen Staatsmannes, der so vielen Hoffnung gegeben hat. Er sprach von einer notwendigen "Kultur des Füreinander". In Österreich lebt diese Kultur! Im vergangenen Jahr gab es etwa einen Spendenrekord: 510 Millionen Euro haben Österreicherinnen und Österreicher für Menschen in Not gespendet.

    Es gibt eine Kultur des Miteinander und des Füreinander. Aber die Jahre werden schwieriger, und wir müssen in den kommenden Jahren so etwas wie eine Reifeprüfung ablegen: ob das Füreinander in unserem Land stark genug ist.

    Ich darf Ihnen ein gesegnetes Jahr 2014 wünschen, in der festen Hoffnung, dass diese Kultur des Füreinander, die unser Land geprägt hat, stärker sein wird als alles, was unsere Zukunft bedrohen mag.

    AutorIn: Kardinal Christoph Schönborn
    Quelle: http://www.erzdioezese-wien.at/site/...cle/33162.html

  2. #2
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    AW: Neujahrsansprache des Österreichischen Bundespräsidenten 2014

    Wird das Volk schon mal darauf vorbereitet, dass es sehr übel werden wird? Schade, dass nicht erkannt wird, dass die Armut statistisch auch deshalb ausufert, weil Arme importiert werden. In Deutschland wird Österreich als Insel der Glückseligkeit wahrgenommen. Für uns scheint dort alles in bester Ordnung zu sein. Es ist schon bizarr, wie weit Realität und Wahrnehmung auseinanderklaffen.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  3. #3
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    AW: Neujahrsansprache des Österreichischen Bundespräsidenten 2014

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    Wird das Volk schon mal darauf vorbereitet, dass es sehr übel werden wird? Schade, dass nicht erkannt wird, dass die Armut statistisch auch deshalb ausufert, weil Arme importiert werden. In Deutschland wird Österreich als Insel der Glückseligkeit wahrgenommen. Für uns scheint dort alles in bester Ordnung zu sein. Es ist schon bizarr, wie weit Realität und Wahrnehmung auseinanderklaffen.
    Es ist um einiges schlechter geworden, aber es ist immer noch besser als in anderen Ländern.

    Österreich zweitreichstes Land der EU

    Nur Luxemburger haben ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als Österreicher. Deutschland liegt nur auf Platz sieben.
    Österreich ist gemessen am Pro-Kopf-Einkommen das zweireichste Land der EU. Reichstes Land ist mit Abstand Luxemburg. Im Jahr 2012 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf dort mehr als zweieinhalb mal so groß wie im Durchschnitt der 28 EU-Mitgliedstaaten. In der Liste, die von der Statistikbehörde Eurostat auf Basis preisbereinigter Daten erstellt wurde, folgen auf Luxemburg Österreich und Irland, die rund 30 Prozent über dem Mittelwert lagen. Deutschland rangiert auf Platz sieben. Ganz am Ende der Rangliste liegen Rumänien und Bulgarien.
    Quelle: http://diepresse.com/home/wirtschaft...es-Land-der-EU

    Inwieweit diese Statistiken stimmen sei dahingestellt.

    Heute bekommen wir das zu lesen:

    Arbeitslosenquote steigt auf 9,5 Prozent

    Die Arbeitslosenrate schnellte im Dezember um 0,9 Prozentpunkte nach oben. In der EU hat Österreich weiterhin die niedrigste Arbeitslosigkeit.
    02.01.2014 | 10:56 | (DiePresse.com)
    Das schwache Wirtschaftswachstum belastet weiterhin den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition schnellte per Ende Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,9 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent. Ende Dezember waren damit 361.279 Österreicher arbeitslos gemeldet, außerdem befanden sich 66.864 Personen in Schulungen, hier gab es einen Anstieg von 7,1 Prozent. Insgesamt waren damit 428.143 Menschen ohne Job, das ist ein Plus von 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Die Arbeitslosenquote nach Eurostat-Rechnung lag für Oktober - das ist der aktuellste Wert - bei 4,8 Prozent. Österreich hat damit weiterhin die niedrigste Arbeitslosigkeit in der EU.

    Quelle: http://diepresse.com/home/wirtschaft.../home/index.do

    Die Tatsache, daß Armut importiert wird, darf offiziell natürlich nicht gesagt werden.

    Ja, man scheint das Volk darauf vorzubereiten, daß es hier nicht ewig so bleiben wird und es ist auch ein Anzeichen dafür, daß den Nomenklaturen bereits die Muffn geht.


  4. #4
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    AW: Neujahrsansprache des Österreichischen Bundespräsidenten 2014

    Merkwürdig. Mit 9,5% hat Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU? Sind unsere Zahlen derart verfälscht, dass sie nicht zählen?
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  5. #5
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    AW: Neujahrsansprache des Österreichischen Bundespräsidenten 2014

    Zitat Zitat von Realist59 Beitrag anzeigen
    Merkwürdig. Mit 9,5% hat Österreich die niedrigste Arbeitslosenquote in der EU? Sind unsere Zahlen derart verfälscht, dass sie nicht zählen?
    Es gibt hier zwei Berechnungen! Die nationale, österreichische und die nach EU-Kriterien. Nach EU-Kriterien sind es 4,8%.

    RegisterarbeitslosenquoteBei der nationalen Berechnung der Arbeitslosenquote (ALQ) wird der Bestand arbeitsloser Personen (AL) ins Verhältnis zum Arbeitskräftepotential (AKP) gesetzt. Das Arbeitskräftepotential wiederum ist die Summe aus Arbeitslosenbestand und unselbständig beschäftigten Personen laut Hauptverband der Sozialversicherungsträger.

    internationale Arbeitslosenquote
    Zur Berechnung der internationalen Arbeitslosenquote werden von EUROSTAT - dem statistischen Zentralamt der europäischen Union - Umfragedaten aus dem Mikrozensus (Arbeitskräfteerhebungvon Statistik Austria) herangezogen. Grundlage dieser Umfrage sind die Richtlinien der ILO (international labour organisation).

    Arbeitslos nach EUROSTAT (ILO) sind Personen, die

    • während der Bezugswoche nicht erwerbstätig waren,
    • aktiv einen Arbeitsplatz suchen und


    • sofort (innerhalb von 2 Wochen) für eine Arbeitsaufnahme verfügbar sind.

    Erwerbstätig nach EUROSTAT sind Personen, die in der Bezugswoche mindestens 1 Stunde gearbeitet haben. Sowie jene Personen, die zwar (wegen Krankheit, Urlaub,...) nicht gearbeitet haben, sonst aber erwerbstätig sind. In dieser Zahl sind also z.B. auch Selbständige und geringfügig Beschäfigte enthalten, die bei den unselbständig Beschäfigten lt. Hauptverband nicht mitgerechnet werden.
    Die Arbeitslosenquote wird dann als Anteil der so festgestellten Arbeitslosen an allen Erwerbspersonen (Arbeitslose plus selbständig sowie unselbständig Erwerbstätige) errechnet. Die Registerdaten des AMS werden lediglich als Korrekturfaktoren verwendet. Aus diesen Gründen ist die internationale Arbeitlosenquote stets niedriger als die Registerarbeitslosenquote.

    Zu beachten ist außerdem, dass EUROSTAT die Quoten häufig im Nachhinein revidiert, die Zahlen können sich also im Laufe der Zeit ändern.
    Quelle: http://www.ams.at/ueber_ams/14200.html

    Vor dem Beitritt Österreichs 1995 zählte allein die nationale Berechnung. Somit rechnet man zweigleisig.

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