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Hits: 2681 | 10.07.2013, 18:13 #1
Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Türken gehen mit der Wahrheit sehr flexibel um und ihre Politiker stehen ihnen in nichts nach. Nun wurde ein regelrechter Wirrkopf zum Chefberater Erdogans. Was mancher nachsichtig belächeln mag, ist tatsächlich eine fatale Entwicklung.
Als dieProteste in der Türkei im Juni über das ganze Land hinwegfegten, hatte die Regierung schnell einen Schuldigen gefunden: böse Mächte aus dem Ausland. Ein ominöses "Zentrum" stecke hinter allen Massendemos der Welt, Journalisten des britischen Fernsehsenders BBC seien als "englische Agenten" unterwegs und auch die jüdische Diaspora habe irgendwie ihre Finger im Spiel, mutmaßten Politiker der regierenden AKP. Sogar die Lufthansa sollte laut türkischen Medien in ein Komplott verstrickt gewesen sein.
Insbesondere ein Mann trieb die Verschwörung gegen die deutsche Fluggesellschaft damals voran: Yigit Bulut, ehemaliger Chefredakteur von "Haber Türk" und regelmäßiger Kommentator bei "24 TV" - beide Fernsehsender stehen der Regierung in Ankara nahe."Seit Monaten macht die Lufthansa Druck, dass der dritte Flughafen in Istanbul nicht gebaut wird", hatte Bulut gleich zu Beginn der Proteste gesagt. Damit solle verhindert werden, dass viele Millionen Passagiere aus Deutschland die Türkei künftig als Drehkreuz nutzen. Und weil die Demonstranten rund um den Gezi-Park auch gegen den Flughafen protestierten, sei klar, dass sie aus Deutschland angestachelt würden, so Bulut.
Ausgerechnet dieser Yigit Bulut soll nun Recep Tayyip Erdogan in politischen Fragen zur Seite stehen. Der Ministerpräsident ernannte den Journalisten am Dienstag zu seinem neuen Chefberater.
"Das ist ein sehr besorgniserregender und gefährlicher Schritt" sagte Asli Tunc, Medien-Professorin an der Bilgi Universität in Istanbul gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Denn Erdogan wird seine wilden Behauptungen und grundlosen Anschuldigungen ernst nehmen." Den Regierungschef, der ohnehin als stur gilt, dürfte der neue Berater nur weiter in seinem politischen Kurs bestätigen.
Fremde Mächte wollten Erdogan töten
Dass Bulut wie gegen die Lufthansa mit Verschwörungstheorien um sich wirft, ist keine Ausnahme. In einem anderen Interview sprach er von fremden Kräften, die dem türkischen Ministerpräsidenten fortwährend nach dem Leben trachteten - und das nur mit der Kraft ihrer Gedanken: "Um Erdogan per Psychokinese zu töten."
Asli Tunc kennt viele dieser Anekdoten aus der Karriere von Bulut. Etwa als er behauptete, es gebe nur zweieinhalb echte politische Führer in der Welt. Einer davon sei der russische Präsident Wladimir Putin, einer dertürkische Regierungschef und der halbe sei US-Präsident Barack Obama.
Oder als er bei einem offiziellen Treffen mit Erdogan forderte, die Rundfunkbehörde RTÜK solle Internetmedien zensieren. Buluts eigene Talkshow heißt "Sansürsüz", übersetzt: "ohne Zensur". "Sein Hauptargument sind immer die 'bösen Weltmächte', die versuchten, die AKP-Regierung zu zerstören", sagt Tunc.
Verschwörungen als normaler Teil der Poltik
Dabei war Bulut nicht immer so. 1972 geboren, studierte er Bank- und Finanzwesen in Ankara und an der Universität Sorbonne in Paris. Später machte er sich als liberaler Kolumnist und Finanzanalyst für verschiedene Tageszeitungen einen Namen. Doch nach und nach begann der Journalist die Politik der AKP zu bewundern, innerhalb der vergangenen fünf Jahre wurde er zu einem radikalen Unterstützer Erdogans.
Buluts persönliche Neigung für Verschwörungen deckt sich dabei sich mit einem Wandel, der die gesamte politische Kultur der Türkei betrifft. Zwar sind solche Theorien laut Gökhan Bacik, Kolumnist der türkischen Zeitung "Today's Zaman" ein "fast normaler Teil des politischen Denkens". Doch zunehmend würden die Verschwörungen auch Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse verdrängen, beobachtet Professorin Tunc: "Und wenn sich niemand dagegen wehrt, werden Fälle wie Yigit Bulut auch noch belohnt."
http://www.spiegel.de/politik/auslan...-a-910379.htmlAlle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.
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AW: Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Daran kann man doch erkennen, wie realitätsfern Erdogan mittlerweile geworden ist.
Er dachte wohl, dass die Türken seine wirren politischen Exzesse rückhaltlos annehmen würden.
Leider hat er dabei übersehen, dass sich in den letzten Jahren auch in der Türkei ein bildungsmäßiger Wandel vollzogen hat, der nichts mehr mit Erdogans rückständigem Weltbild zu tun hat.
Jetzt versucht er mit mittelalterlichen Methoden sein Weltbild zurecht rücken zu wollen, und wenn es mit Mitteln des Hokus-Pokus geschehen soll.
Dieser Bulut macht genau das.
Erdogan muss weg, das haben die Demonstranten im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz genau erkannt.
Nur die ewig rückständigen, islamisch geprägten konservativen Türken sehen das nicht.
Sie sind nicht besser als die Salafisten oder andere radikale Islamisten.
Wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauert, bis es in der Türkei auch losgeht wie in Ägypten und in Syrien.
Wenn da nicht die Amerikaner wären, die ihre Militärbasen in Gefahr sehen würden.
Sie könnten das Zünglein an der Waage werden.
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10.07.2013, 18:40 #3
AW: Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Das sich Erdogan mit willfährigen Erfüllungsgehilfen umgibt, statt mit kompetenten Leuten, zeigt auf, dass er immer Größenwahnsinniger wird. Er lässt nur noch seine Meinung gelten und driftet in einen Autismus ab
Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.
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11.07.2013, 19:41 #4
AW: Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Was ich schreibe ist meine Meinung und nicht unbedingt die Wahrheit - Regimekritik - WEFers are evil. Im Zweifel ... für die Freiheit. Das Böse beginnt mit einer Lüge.
Kalifatslehre. Darum geht es.

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12.07.2013, 07:31 #5
AW: Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Die Türkei heute hat erschreckende Ähnlichkeit mit Deutschland 1933!! Warum nur will das niemand sehen und begreifen?
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12.07.2013, 20:18 #6
AW: Wirrer Verschwörungstheoretiker neuer Chefberater von Erdogan
Angesichts dieser Tatsachen ist es der blanke Hohn, bei diesem Staat noch von einer "Demokratie" zu reden. Naja, hierzulande ist dieser Begriff ja auch schon zu einem Fremdwort geworden!
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