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  1. #21
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Der Thread ist 2 Jahre alt und immer noch aktuell. Auch 2014 ist die Auflage vieler Zeitungen und Zeitschriften deutlich gesunken.


    Erstaunlich, dass oben auf der Liste der Verlierer ein Springer-Blatt steht. Die Bildzeitung verlor allein im Jahr 2014 830 000 Leser, was bei der auflagenstärksten deutschen Zeitung ein Minus von 6,8% macht. Das zeigt, wie hoch die Auflage noch ist. Sie liegt bei 11,3 Millionen Exemplaren der Tageszeitung.

    Hier irrt der Autor. Leser sind nicht gleichzusetzen mit Auflage. Eine gekaufte Zeitung wird von mehreren Personen gelesen. Die Zeitung hat zwar 800000 Leser verloren aber eben "nur" 200000 Zeitungen weniger verkaut. So ist die Schlussfolgerung des Autors, dass die Bild eine Auflage von 11 Millionen hat, schlicht Blödsinn!



    Die Bild am Sonntag verlor dagegen nur 0,9% von 9,25 Millionen Exemplaren dieser Wochenzeitung. Im Vergleich verlor die Zeit als Wochenzeitung 1,1%. Die Berliner BZ verlor als typische Kaufzeitung 8,5%, die Hamburger Morgenpost brachte es auf ein Minus von 8,1%. Die Welt verlor satte 11,4% und die kriselnde FAZ, sogar 13,6%.

    Somit ist der Leserschwund nicht nur bei Springer feststellbar, sondern auch bei anderen regionalen und überregionalen Tageszeitungen. So hat die Süddeutsche in diesem Jahr immerhin 9,8% ihrer Leser eingebüßt. Alarmierend aber sind die Zahlen der Taz, die annähernd 20% ihrer Leser verlor!

    In dem Artikel der Meedia, aus dem ich die Zahlen entnommen habe, wird übrigens nicht von Auflagen und Umsätzen gesprochen, sondern von der „Reichweite“ der Zeitungen. Der Begriff impliziert recht deutlich, worum es geht. Die eigentlichen Kunden, die die Zeitungen finanzieren, sind nicht die Leser, sondern die Werbekunden. Reichweite ist ein typischer Begriff aus der Werbung. Dumm ist nur, dass man sich trotzdem noch an den Lesern orientieren muss, weil die Reichweite eben sinkt, wenn man an diesen vorbei schreibt. Dann sinken über kurz oder lang auch die Werbeeinnahmen. Das Jahr 2014 hat hier offensichtlich der Zeitungswelt nicht gut getan.

    Interessant ist, dass ausgerechnet das Handelsblatt, welches in der Wirtschaftssparte unterwegs ist, in dem kürzlich die Deutsche Financial Times aufgeben musste, ein Plus von 2,1% gemacht hat. Ich komme darauf noch zurück.

    Auch Abonnenten regionaler Abendzeitungen haben sich dem Negativtrend offensichtlich nicht angeschlossen. Zeitungsgruppe Köln, Augsburger Allgemeine und Münchener Merkur haben zwischen drei und sechs Prozent zugelegt.

    Es gibt also nicht nur Verlierer in diesem Jahr, was sich auch an einer Reihe von regionalen Tageszeitungen zeigt, die in der Summe eher ein durchwachsenes Bild von Gewinnen und Verlusten zeigen.

    Die Ursachen dieser Krise sind sicherlich komplex und man sollte sich vor billigen Vereinfachungen hüten, die niemandem etwas nützen. Ich bin auch kein Medienexperte, plädiere aber trotzdem dafür auch den Stil und das Verhalten dieser Zeitungen in der großen Krise dieses Jahres zu berücksichtigen. Ich möchte es positiv ausdrücken. Das Handelsblatt hat sich von der üblichen einseitigen Berichterstattung der großen Zeitungen über die Ukraine-Krise häufiger abgehoben und ausgewogen berichtet.

    Eine breite Front aber, der von Leserschwund betroffenen Zeitungen musste heftige Leserbriefe kassieren, die sich über die Einseitigkeit und mangelnde Objektivität der Darstellungen in dem West-Ost-Konflikt beschwerten, von den Kommentarseiten der Online-Ausgaben ganz abgesehen.

    Der schwere Auflagen-Einbruch der Taz, zeigt allerdings, dass die Zeitung in diesem Jahr einen großen Teil ihrer Leser verprellt hat. Wer die Taz in diesem Jahr gelesen hat, weiß auch, wie außergewöhnlich aggressiv gegen Russland und die Putin-Administration geschrieben wurde. Die kritischen Worte Richtung Westen blieben dagegen aus.

    Es könnte sein, dass sich der eine oder andere Leser tatsächlich vom propagandistischen Stil unserer Zeitungen in diesem Konflikt abgestoßen fühlte und die Lektüre schlicht und einfach eingestellt hat.

    https://www.freitag.de/autoren/soenk...-das-geschaeft
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  2. #22


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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Und das ist gut so. Vielleicht lernen die Journalisten die Realitäten in Deutschland wahr wenn sie um Harz 4 anstehen müssen.
    Jeder glaubt eine eigene Meinung zu haben, nur woher hat er vergessen.
    Medien sind das was man über Religionen sagte, Opium fürs Volk.


  3. #23
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Die Frage ist einmal, was „der Leser“ von „seiner“ Zeitung erwartet. Kann sich eine „Event-orientierte“ Gesellschaft wirklich noch auf eine Sache konzentrieren? Möchte sie überhaupt etwas anderes als die Bestätigung der eigenen Meinung lesen oder zum Nachdenken angeregt werden?
    Von anderer Seite bezweifelt man, daß dem Leser Informationen zugänglich gemacht werden sollen, die dem „inneren Frieden“ und den Interessen von Wirtschaft, Industrie und Politik zuwiderlaufen.
    Wer den Verlust der Leserschaft beklagt, sollte einmal darüber nachdenken, ob der Leser nicht auch unterhalten werden möchte und der journalistischen Eintagsfliegen, die als „Nachricht“ daherkommen, überdrüssig ist.
    Ein Blick in die Fliegenden Blätter früherer Zeiten könnte durchaus hilfreich sein.

  4. #24
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Zitat Zitat von Schurliwurli Beitrag anzeigen
    Den Mainstreammedien weint keiner eine Träne nach.

    Allerdings: In Österreich zahlt der Staat Presseförderung.

    Hier die Auflistung:

    Presseförderung 2011

    Quelle: atmedia.at

    Diese staatliche Förderung gibt es auch in Deutschland.
    Islamkritik ist kein Rassismus!

    Arthur Schopenhauer über den Koran: "...ich habe keinen einzigen wertvollen Gedanken darin entdecken können.“


  5. #25
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Qualitätsmedien: Abgewatscht für manipulative Berichterstattung
    Udo Ulfkotte

    In den großen Leitmedien versteht man die Bürger da draußen nicht mehr: Warum laufen sie in immer größeren Scharen weg und kaufen die »Qualitätszeitungen« nicht mehr? Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind schlicht grauenvoll und sollten endlich zum Nachdenken anregen.
    http://info.kopp-verlag.de/hintergru...rstattung.html
    Islamkritik ist kein Rassismus!

    Arthur Schopenhauer über den Koran: "...ich habe keinen einzigen wertvollen Gedanken darin entdecken können.“


  6. #26
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Die Kritik an den Medien nimmt zu. Das belegen zwei aktuelle Umfragen. Dadurch dürfte sich der Auflagenrückgang der Zeitungen beschleunigen. Die Jobs der dort angestellten Journalisten werden noch unsicherer und deren Fähigkeit zur Mietzahlung kommt in Gefahr.

    Kaum Honorare fürs Bloggen

    Anders bei den Bloggern. Sie sind eine gefährliche Konkurrenz für Zeitungen und Journalisten. Doch die Blogger können ihre Mieten mit den Honoraren noch lange nicht bezahlen. Meist verdienen sie nichts oder bekommen nur geringe Honorare für ihre Tätigkeit.

    Doch der Trend ist gegenläufig. Bei den Journalisten droht Gefahr. Und bei den Bloggern bieten sich Chancen. Das belegen auch die Umfragen von Focus und Edelman.

    Zweifel an Objektivität

    „Meedia" berichtet von einer Umfrage, die der Focus bei dem Institut INSA in Auftrag gegeben hat. Danach findet jeder zweite Deutsche, dass Medien über die Pegida-Demonstrationen nicht objektiv berichten. Besonders Nichtwähler (71 %) sind laut Focus dieser Auffassung.

    Auch bei Wählern der Parteien Die Linke (52 %) und der FDP (51 %) fällt das Urteil über die Medienberichterstattung mehrheitlich negativ aus. Anhänger von Union (42 %), Grünen (38 %) und SPD (35 %) empfinden die Berichterstattung dagegen seltener als nicht objektiv. Die Meinungsforscher befragten über 2.019 Bürger im Zeitraum vom 16. Januar bis 19. Januar 2015.

    Vertrauensverlust der Medien

    Auch die zweite Hiobsbotschaft stammt von „Meedia". Danach verlieren traditionelle Medien in Deutschland an Vertrauen. Das sei eines der zentralen Ergebnisse des diesjährigen Edelman Trust Barometers.

    Laut Edelman steht die deutsche Bevölkerung traditionellen Medien wie Zeitschriften, Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksendern skeptischer gegenüber als noch vor einem Jahr. So schwand das Vertrauen in diese Medien um 11 % und liegt derzeit bei 66 %.

    Gerade im internationalen Vergleich liest sich dieses Ergebnis noch gut. Denn weltweit liegt das Ansehen von Suchmaschinen mit 64 % vorne. Besonders die junge Generation verlässt sich laut Studie auf Suchmaschinen im Netz. Erst dahinter folgen traditionelle Medien (62 %), Blogs und Websites (63) sowie Social Media (48).

    Freunde sind glaubwürdig

    Journalisten halten nur 45 % der Befragten für glaubwürdig. Gestiegen ist derweil die Bedeutung von Freunden, Familie und Wissenschaftlern, wenn es um aktuelle Informationen geht, berichtet „Meedia".

    Das Trio Bild, Bild am Sonntag und Welt ist laut „Meedia" der große Verlierer der neuesten IVW-Quartalsauflagen. Bild und Bild am Sonntag büßten in etwa 9 % ein, Die Welt verlor bei den Abos und am Kiosk sogar mehr als 11 %.

    Negativ-Trend bei Bild

    Knapp 2,1 Mio. mal wurde die Bild im vierten Quartal 2014 noch täglich verkauft. Sollte sich der Negativ-Trend so deutlich fortsetzen, wird das Boulevardblatt in Kürze die Zwei-Mio.-Marke unterbieten. Zum Vergleich: Noch 2003 waren es mehr als 4 Mio. Das aktuelle Minus im Vergleich zum Vorjahr liegt bei heftigen 9,2 %.

    Doch auch bei den überregionalen Tageszeitungen sieht es nicht gut aus: Die Süddeutsche Zeitung verlor 4,7 % ihrer Verkäufe, die F.A.Z. 7,4 % und das Duo Welt und Welt kompakt 9,8 %, heißt es bei „Meedia".

    Blogger gründen Verlage

    Dagegen expandieren manche Blogger-Aktivitäten. So berichtet Marco Eisenack von www.mucbook.de beim Blogger-Stammtisch in München, dass er sich inzwischen zu einem Verlag mit sechs Mitarbeitern entwickelt. Er war Lokalredakteur bei der Süddeutschen Zeitung und meint heute: Wenn schon Selbstausbeutung, dann für den eigenen Verlag. Zumal eine Blogger-Existenz aus der Blogbox heute einfach zu entwickeln sei.

    Doch die meisten Blogger tun sich heute mit dem Geldverdienen noch schwer. Zwar schreiben manche unter eigenem Namen auf Firmen-Blogs. Andere sind für 90 Euro der Ghostwriter des Chefs auf der Firmen-Homepage.

    Bloggen fürs Reisebüro

    Doch Marco Eisenack hat da ganz andere Vorstellungen. Er sieht einen Riesenmarkt im Mittelstand. Viele Einzelhändler oder Reisebüros würden anstelle der bisherigen Anzeigenschaltung eine eigene Homepage einrichten. Diese Homepages brauchen Fotos und Inhalte. Das sei ein gigantischer Markt für Blogger.

    Wie in der Diskussion beim Blogger-Stammtisch zu hören war, sind große Industriefirmen inzwischen zunehmend an Anwendungsbeispielen in Blogs interessiert. Und PR-Fachleute schätzen den guten Ruf, den Blogger bei der Bevölkerung haben. Gut möglich also, dass die Blogger künftig von ihrer Arbeit mehr als die Miete bezahlen können.


    http://www.huffingtonpost.de/oskar-h...hp_ref=germany
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  7. #27
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Gefunden in JUNGE FREIHEIT vom 30. Januar 2015:
    Wir dürfen kaufen, was wir wollen; arbeiten, wo wir wollen; gehen, wohin wir wollen; spekulieren, mit was wir wollen - nur aussprechen, was wir wollen, das dürfen wir nicht.
    Das sollten wir uns nicht gefallen lassen.

  8. #28


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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

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    Jeder glaubt eine eigene Meinung zu haben, nur woher hat er vergessen.
    Medien sind das was man über Religionen sagte, Opium fürs Volk.


  9. #29
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Seit Jahren praktiziert die Fernsehzeitschrift, die ich für mich als akzeptabel sehe, versteckte Werbung. Allerdings fällt es auf und ich wundere mich, dass die damit durchkommen. Es werden bestimmte Artikel verfasst, wie z.B. über depressive Stimmung oder Rheuma und in diesen Artikeln werden dann die Namen bestimmter Medikamente genannt, die angeblich helfen. Es vergeht kaum eine Ausgabe, wo das nicht so praktiziert wird. Scheinbar ist das inzwischen allgemeine Praxis bei den Printmedien. Und nicht nur das. Wer bezahlt, der kann sich sicher sein, dass positiv berichtet wird. Früher waren es die Werbekunden, die mit Samthandschuhen angefasst wurden, heute wird das Wohlwollen der Presse unverblümt gekauft.

    Süddeutsche Zeitung und Schleichwerbung: Das saubere Geschäft ohne Moral

    Peter Harth

    Sie ist der strahlende Leuchtturm unter den Mainstream-Medien. Ihren Lesern erzählt dieSüddeutsche: »Seien sie anspruchsvoll.« Jetzt gesteht ein Ex-Redakteur, wie es im Leuchtturm zugeht. Schmutzig und gar nicht anspruchsvoll. Die Zeitung vermischt Redaktion und Anzeigen. Die Themenauswahl erfolgt nach Geld. Wer zahlt, bekommt eine »freundliche Grundhaltung«. Der Redakteur schämte sich und ging. Seine Kollegen schweigen und kassieren weiter.
    Eine »Anleitung zur Steuerhinterziehung« erscheint in der Süddeutschen? Unmöglich! Die Zeitung berichtet doch regelmäßig über Steueroasen, die ausgetrocknet werden. Über korrupte Konzerne, die in Luxemburg Steuern sparen. Und natürlich aktuell über Schwarzgeldkonten in der Schweiz. Exklusiv und mit erhobenen Zeigefinger. Die SZ ist mit dem Finanzamt auf einer Linie: Immer sauber bleiben, immer Moral zeigen.
    Bei der eigenen Moral nimmt es die SZ aber nicht so genau. Man kann sogar sagen, wo sie aufhört. Auf den Beilagen-Seiten. Dort sollte Redakteur Sebastian Heiser»unverhohlene Werbung für Steuerhinterziehung« platzieren.

    Kein richtiger Beitrag, sondern ein »Journalismus-Imitat« unter dem Titel »Geldanlage im Ausland«. Geschrieben nur für einen Zweck: Der Leser soll erfahren, wie ein ausländisches Nummernkonto funktioniert. Direkt darunter erscheint die gutbezahlte Anzeige der Tiroler Sparkasse.

    »Schwarzgeldwerbung«?»Geschickt verpacken«!

    Das geschieht 2007. Die Anzeigenabteilung macht Druck, will noch mehr Anzeigen von Banken. Deshalb dürfe das nicht so als »Schwarzgeldwerbung« dastehen. Heiser müsse es »geschickt verpacken«, so »dass jeder rauslesen kann, welche Möglichkeiten er theoretisch hätte«. Der Redakteur weigert sich und kündigt, die Seite erscheint trotzdem.

    Er hat geschwiegen, beinahe acht Jahre lang. Jetzt sonnt sich die SZ im Ruhm. Sie stellt alle Steuersünder an den Pranger, gibt sich schonungslos, recherchiert lückenlos. Eine falsche Moral, die Heiser anwidert. Er dokumentiert alles in seinem Weblog. Mit den Wort-Protokollen derRedaktionssitzungen. Die hat er sogar mit einem Aufnahmegerät mitgeschnitten.

    Grenzenlos: Redaktion und Werbung

    Falls der Leser jetzt abwinkt und sagt: »Beilagen nehme ich eh nicht ernst«, hat Heiser gleich eine faustdicke Überraschung für ihn. Redaktion und Werbung gehen bei derSZ fließend ineinander. Der Leser erkennt nicht, wo der Wirtschaftsteil in der Zeitung aufhört und die bezahlten Beilagen-Seiten anfangen. »Nach außen sieht dieser Teil aus, als ob er aus einem Guss wäre. Doch intern wird er von völlig unterschiedlichen Abteilungen gefüllt.«

    Vier Seiten Wirtschaft, dann geht es nahtlos auf der fünften Seite weiter, die aber eine Beilage von Heiser ist. Sie liegt rechts, weil der Leser beim Blättern nach rechts blickt. Die SZerfindet Unmengen an möglichen Beilagen-Themen. Ein Denkanstoß für Anzeigenkunden, damit sie die Brieftaschen öffnen.

    Erst kommt die Anzeige … dann der Journalismus

    Diese Seiten werden Monate im Voraus verkauft. Die Anzeigenabteilung treibt erst das Geld ein, dann füllen Redakteure vom Ressort »Sonderthemen« den Platz um die Anzeige. Wer eine viertelseitige Anzeige bestellt, bestimmt auch das Thema der ganzen Seite. »Kosten damals: rund 20 000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer.« Anders ausgedrückt: Wenn für etwas keine Anzeige geschaltet wird, ist es kein Thema. Um den Leser geht es dort nicht mehr.

    Von »außen gesehen« sei das trotzdem mit »richtigem Journalismus zu verwechseln«. Ratgeber-Seiten (wie Beruf und Karriere, Immobilien, Energie, Reise, Mode, Lernen, Gesundheit) sind für dieZeitungen wahre Goldesel. Dort suchen Leser praktische Anleitungen. Entscheiden sich für oder gegen ein Produkt. »Und genau auf diese Seiten haben die Anzeigenkunden den größten Einfluss«, schreibt Heiser.

    Eine Zeitung, keine Moral

    Diesen Einfluss nutzen sie, um die Realität zu verdrehen. Eine Kollegin gesteht dem Ex-Redakteur damals, warum gerade der Studiengang »Master of Business Administration« (MBA) so prominent in der SZ erscheint. Private Universitäten bieten ihn gegen hohe Studiengebühren an. »Andere Studiengänge werden dagegen nicht so oft so groß vorgestellt. Nicht, weil sie schlechter wären, sondern weil dafür nicht so viele teure Anzeigen geschaltet werden.«

    Gier frisst Hirn, das erlebt Heiser direkt vor der weltweiten Wirtschaftskrise 2007. Eine Kollegin aus dem Wirtschaftsressort lehnt Derivate ab: »Bei uns kommt kein Artikel über diese Produkte rein, weil wir die Leute da sonst reintreiben und das nicht wollen.« Heiser muss aber gegen den Leser denken: »Die Banken verdienen mit diesen Produkten dagegen so gut und schalten so viele Anzeigen, dass das Sonderthema ›Derivate & Zertifikate‹ auf acht Seiten anwächst.« ZweiRedakteure, eine Zeitung, keine Moral.

    »Mit Journalismus« hat das »nichts mehr zu tun, was wir hier machen«

    Journalisten sollten kritisch berichten. Heiser darf das in derSZ nicht. Die Anzeigenkunden erhalten »eine freundliche Grundhaltung« für ihr Geld, was nichts anderes heißt als: Die Anzeigenabteilung liest mit. »Ich muss ihr alle Artikel zur Abnahme vorlegen, bevor sie in Druck gehen.« Diese Zensur zermürbt auch Heisers Kollegen. Eine Reporterin sagt, das habe »mit Journalismus manchmal nichts mehr zu tun, was wir hier machen«.

    Eine Zweiklassengesellschaft. Hier die Redakteure vom Politik- und Wirtschaftsteil, die auch mal kritisch klingen dürfen. Dort die »Sonderthemen« mit Heiser. Er fühlt sich wie in einer niederen Kaste. »Sobald ich ihnen erzähle, wie stark wir in meiner Abteilung auf die Wünsche der Anzeigenkunden eingehen und wie stark mich das bedrückt, werden die Kollegen einsilbig und wechseln das Thema. Es ist ihnen unangenehm.«

    »Kritisches Denken« wird »abgeschliffen«

    »Ich finde meine Arbeit abstoßend und amoralisch. Und ich bin unglaublich wütend auf dieSüddeutsche Zeitung, dass sie mir mein Idealbild vom Journalismus zerstört hat. Und dass sie ihre Leser betrügt und verkauft.«

    Heiser kündigt. Sein Ressortchef bei den »Sonderthemen« droht ihm zum Abschied unverhohlen: »Sie stehen da […] und sagen: ›Ne, da will ich zumindest jetzt am Anfang meiner Karriere ein sauberer Journalist sein, der kritisch ist.‹ Die kritische Denke, die […] wird sich ein bisschenabschleifen im Lauf der Zeit ohnehin.«

    Alle sind schuldig, also will keiner den Richter spielen

    Die »kritische Denke« gibt es tatsächlich nicht mehr. Bis jetzt schreibt keine Zeitung über Heisers Enthüllungen. Nicht einmal sein neuer Arbeitgeber, die taz. Journalisten dürfen nicht darüber berichten. Die Leser würden sofort die Gretchenfrage stellen: »Wie hält es denn eure Zeitung mit der Schleichwerbung?«

    Alle sind schuldig, also will keiner den Richter spielen. Ein Schweigen, das mehr sagt als tausend Worte. Dabei achtet die Medienbranche peinlich genau auf die Verfehlungen der anderen. DieSüddeutsche ist der Leuchtturm der Mainstream-Medien. Aber auch wenn sie äußerlich strahlt, verkauft diese Zeitung heimlich ihre Glaubwürdigkeit. Warum bisher nur ein enttäuschter Journalist die Wahrheit sagt? Wer schweigt, darf weiterarbeiten – wer spricht, gilt als Nestbeschmutzer ohne berufliche Zukunft.


    http://info.kopp-verlag.de/hintergru...hne-moral.html





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  10. #30
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    AW: Sinkendende Auflagen, Jobverlust für Journalisten

    Zitat Zitat von fari14 Beitrag anzeigen
    Schon Kurt Tucholsky schrieb damals:
    ... ihr müsst mitnichten alles, was in der Zeitung steht, glauben.
    Denn dies ist der Zeitung tiefer Sinn:
    Die bessern Sachen stehen nicht drin.

    Auf Zeitungen kann heute verzichtet werden, weil nichts mehr drin steht.(Ausnahmen gibt es sicher)
    Welche Zeitung entlarvt vorgeschobene Kriegsgründe schon vor dem Beginn der feindseligen Handlungen als Lügen? Welche Zeitung hat sich ernsthaft und kritisch mit dem ESM-Vertrag auseinandergesetzt? Welche Zeitung wagt es, sich mit der Islamisierung Europas auseinander zu setzen?
    Es gibt sogar zwei davon: JUNGE FREIHEIT und Preußische Allgemeine Zeitung.

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