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  1. #241
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Die Lage ist mehr als dramatisch. Der türkische Finanzminister Berat Albayrak hat nun seinen Rücktritt verkündet. Der Schwiegersohn des Staatspräsidenten bekam den Posten nur, um Erdogans halsbrecherische und ökonomisch absurde Finanzpolitik möglich zu machen. Als Rücktrittsgrund muss natürlich die Gesundheit herhalten.

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    Fakt ist, dass sich die massiven Probleme des Landes nicht mehr kaschieren lassen. Die Landeswährung Lira hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar rund 30% an Wert verloren.
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

  2. #242
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Keine Angst, „Mutti" IM Erika steht mit ihrem Füllhorn auf Abruf bereit.
    Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland

  3. #243
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Jeder zweite Türke will das Land verlassen

    Der türkische Präsident verspricht mehr Wohlstand und träumt von einem Raumfahrtprogramm. Die Wirklichkeit in dem Land am Bosporus sieht anders aus.

    Wenn Recep Tayyip Erdogan über die Türkei redet, erkennen viele Bürger ihr Land nicht wieder. Von einem wirtschaftlich starken, angesehenen und hochtechnisierten Staat mit Ambitionen bis ins Weltall spricht der Staatspräsident. ....In zwei Jahren will seine Regierung die erste türkische Rakete zum Mond schicken, später soll ein türkischer Astronaut das All erkunden. Das „Weltraum-Märchen“ habe allerdings nichts mit der Lebenswirklichkeit von Millionen Türken zu tun, die unter hoher Inflation und steigender Arbeitslosigkeit leiden, sagt der Oppositionspolitiker Özgür Karabat. Die türkische Führung ziehe sich immer mehr in eine Parallelwelt zurück......Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei knapp 13 Prozent, doch bemängeln Opposition und Gewerkschaften, dass die Statistikbehörde die vielen Unterbeschäftigten und all jene nicht mitzählt, die es aufgegeben haben, nach einem Job zu suchen. In Wirklichkeit seien nicht vier Millionen Türken ohne Arbeit, wie die Regierung sage, sondern zehn Millionen....Trotz aufwändiger Medienkampagnen der Regierung lässt sich der Graben zwischen Erdogans schöner Welt und der Wirklichkeit nicht übertünchen: Nach einer neuen Umfrage will fast jeder zweite Türke im Ausland leben. Selbst jeder dritte Wähler von Erdogans Partei AKP will die Türkei verlassen.

    https://www.msn.com/de-de/nachrichte...ck/ar-BB1dCzG9
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  4. #244
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Das „Volksbrot“ schmeckt Erdogan nicht
    Istanbuls Oberbürgermeister verkauft subventioniertes Brot an die Einwohner der Stadt.
    Dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan scheint das nicht zu gefallen.
    Denn die langen Schlangen vor den städtischen Verkaufsstellen zeigen die wachsende Armut im Land.
    Sie sind aus dem Straßenbild der türkischen Wirtschaftsmetropole Istanbul nicht wegzudenken, die Kioske mit der Aufschrift „Istanbul Halk Ekmek“. Das bedeutet „Istanbuler Volksbrot“. Vor allem in den ärmeren Vierteln der 16-Millionen-Stadt sind die Verkaufsstände jeden Morgen dicht umlagert. Hier kostet ein 250-Gramm-Weißbrot eine Lira, umgerechnet 11 Cent. Beim Bäcker zahlt man fast das Doppelte. Das Volksbrot stammt aus den Backstuben der Stadtbäckerei IHE, die auch die Verkaufsstellen betreibt.

    Die kommunalen Brotkioske gibt es in Istanbul schon seit den späten 1970er-Jahren. Aber jetzt ist die Nachfrage größer denn je. Viele Menschen leiden Not. Die Arbeitslosenquote beträgt fast 13 Prozent. Die Inflation zehrt an den Einkommen. Im vergangenen Dezember verteuerte sich das Brot in den regulären Bäckereien um 20 Prozent. Umso länger sind nun die Warteschlangen vor den städtischen Kiosken. „Ein trauriges Bild“, findet Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu. „Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes müssen die Menschen stundenlang für Brot anstehen.“
    Erdogans AKP blockiert weitere Kioske
    Die Stadtbäckerei hat die tägliche Produktion bereits von 890.000 auf 1,5 Millionen Laibe hochgefahren. „Eigentlich müssten wir 2,5 Millionen Brote backen“, sagt Özgen Nama, der Vizechef der kommunalen Gesellschaft IHE. Aber inzwischen ist das Volksbrot ein Politikum geworden. Als Oberbürgermeister Imamoglu kürzlich den Stadtrat um Zustimmung zur Eröffnung weiterer 142 Kioske bat, blockierten die Erdogan-Regierungspartei AKP und ihr Koalitionspartner, die ultra-nationalistische MHP, das Vorhaben. Imamoglu plante daraufhin, 40 Verkaufswagen anzumieten, um das Volksbrot in ärmere Stadtviertel zu bringen. Aber das Landwirtschaftsministerium untersagte den mobilen Brotverkauf.
    Oppositionspolitiker und regierungskritische Medien sehen darin gezielte Störmanöver der Regierung in Ankara. Staatschef Recep Tayyip Erdogan liegt im Dauerclinch mit Imamoglu, der bei der Kommunalwahl 2019 als gemeinsamer Kandidat mehrerer Oppositionsparteien das Istanbuler Rathaus von der Regierungspartei AKP eroberte. Der populäre Imamoglu gilt als möglicher Herausforderer Erdogans bei der spätestens 2023 fälligen Präsidentenwahl. Sie dürfte für den Amtsinhaber angesichts hoher Inflation, steigender Arbeitslosenzahlen und wachsender Armut kein Spaziergang werden.

    Engagement für die „kleinen Leute“ nicht gern gesehen
    Erdogan sieht es deshalb ungern, wenn sich Imamoglu als Anwalt der „kleinen Leute“ profiliert. Schon im vergangenen Jahr ließ die Regierung eine Spendenaktion der Istanbuler Stadtverwaltung verbieten. Der staatliche Rechnungshof rügte auch, dass Imamoglu Stipendien an Studenten vergab, kostenlose Schulmilch verteilen ließ und die Schülertickets im Nahverkehr verbilligte.
    Unter dem Druck der Oppositionsparteien und angesichts vieler Proteste in den sozialen Medien hat die Regierung im Streit um das Volksbrot inzwischen eingelenkt. AKP und MHP stimmten im Stadtrat der Aufstellung der neuen Kioske doch noch zu, das Landwirtschaftsministerium hob das Verbot der Verkaufswagen auf. „Die Widerstände sind ausgeräumt, nichts kann uns stoppen“, freut sich Oberbürgermeister Imamoglu. Offen ließ er, ob er damit nur den Brotverkauf meint – oder eine Kandidatur bei der nächsten Präsidentenwahl.

    https://www.rnd.de/politik/das-volks...DB2LLEW2U.html
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  5. #245
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Die Türken haben doch nie was auf die Reihe gekriegt.

  6. #246
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    . . . nicht mal den Döner! Selbst den haben sie geklaut!
    "...und dann gewinnst Du!"

  7. #247
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Eine deutliche Zinserhöhung wäre dringend geboten um die galoppierende Inflation in der Türkei zu bekämpfen. Das aber könnte die Wirtschaft abwürgen und das will Erdogan mit aller Macht verhindern. Unterm Strich bleibt der wirtschaftliche Aufschwung unter Erdogan der einzige vorweisbare Erfolg des Präsidenten. Konflikte zwischen Zentralbankchef und Erdogan sind unausweichlich und so wurde kürzlich der vierte Zentralbankchef innerhalb von zwei Jahren entlassen. Der türkischen Währung Lira stehen erneut turbulente Zeiten bevor........

    Erdogan entlässt den Zentralbankchef und verspielt damit das letzte bisschen Vertrauen in die türkische Wirtschaftspolitik - es droht eine neue Währungskrise
    Zum vierten Mal in weniger als zwei Jahren kommt es zum Wechsel an der Spitze der Zentralbank. Der neue Chef Sahap Kavcioglu ist wie Erdogan ein Gegner einer restriktiven Geldpolitik. Der Lira steht neues Ungemach bevor.
    Auf dem Papier ist die türkische Zentralbank unabhängig und kann frei über die Geldpolitik des Landes befinden. Allerdings muss der oberste Währungshüter jederzeit damit rechnen, seinen Job zu verlieren, wenn er die unorthodoxen wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht teilt.
    Ob die Zentralbank nach gängigen den Kriterien zur Beurteilung ihrer Arbeit, also bei der Inflationsbekämpfung oder der Währungsstabilisierung, erfolgreich ist, spielt dabei kaum eine Rolle. Die jüngsten Turbulenzen bestätigen dies einmal mehr.

    Entlassung trotz beachtlichem Leistungsausweis
    Der türkische Präsident hat in der Nacht auf Samstag per Erlass den Zentralbankchef Naci Agbal entlassen, den er erst im November ins Amt berufen hatte. Hintergrund dürften einmal mehr Meinungsverschiedenheiten über die Zinspolitik sein. Es ist der vierte Wechsel an der Spitze der Zentralbank in 20 Monaten. Agbals Nachfolger wird der relativ unbekannte Finanzprofessor und ehemalige Abgeordnete von Erdogans AK-Partei Sahap Kavcioglu.

    Der in Ungnade gefallene Zentralbankchef Agbal hat in seiner kurzen Amtsdauer den Leitzins um insgesamt 875 Basispunkte auf 19% erhöht. Die restriktive Geldpolitik hatte nach den Verwerfungen des vergangenen Jahres die türkische Wirtschaft in ruhigere Fahrwasser geführt und die Lira zur erfolgreichsten Währung eines Schwellenlandes gemacht.

    Kurzlebige Hoffnung auf Unabhängigkeit
    Das ist eine beachtliche Leistung. Denn vor Agbals Antritt befand sich die Lira im Sturzflug, der Kurs zum Dollar war weit unter die symbolisch wichtige Schwelle von 8 L. gefallen – und dies, obwohl für Stützkäufe laut Schätzungen allein im vergangenen Jahr mehr als 100 Mrd. $ aufgewendet worden waren.

    Der Ausverkauf der Staatsreserven ging massgeblich auf Berat Albayrak zurück, Erdogans Schwiegersohn der als Finanzminister amtete. Praktisch zeitgleich mit der Ernennung des renommierten Experten Agbal zum obersten Währungshüter trat Albayrak, an dessen Kompetenz immer grosse Zweifel bestanden hatten, mit einem Paukenschlag zurück. Agbal war Albayraks Vorgänger im Finanzministerium gewesen.

    Beide Personalien wurden, ebenso wie Erdogans Andeutung, sich aus der Währungspolitik herauszuhalten, von den Märkten mit Erleichterung aufgenommen. Erdogan vertritt die allen Lehrmeinungen widersprechende Auffassung, dass hohe Zinsen die Inflation antreiben, und hat sich immer wieder gegen eine restriktive Geldpolitik ausgesprochen.
    Billiges Geld um jeden Preis
    Die meisten Beobachter waren stets der Ansicht, dass der Richtungswechsel im November eher ein aus der Not geborenes Zugeständnis als ein tiefgreifender Gesinnungswandel des türkischen Präsidenten darstellte. Der Türkei drohte schlicht das Geld auszugehen. Sie erwirtschaftete in den vergangenen Jahren immer wieder hohe Leistungsbilanzdefizite, die durch Kapitalimporte finanziert werden mussten; ein Lirazerfall macht die Bedienung von Fremdwährungskrediten aber immer teurer. Zudem ist die Türkei auch ganz grundsätzlich für einen nachhaltigen Wachstumskurs auf internationale Investoren angewiesen. Auch die gleichzeitig erfolgte Ankündigung rechtsstaatlicher Reformen zielte letztlich darauf ab, internationales Wohlwollen zu schaffen.

    Den Preis unpopulärer Wachstumseinbussen, die mit einer restriktiven Geldpolitik einhergehen, war Erdogan jedoch nie bereit zu zahlen. Die nun bereits seit drei Jahren andauernde Wirtschaftskrise ist ein wichtiger Grund für die sinkenden Popularitätswerte seiner Regierung. Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 13,4%. Nimmt man aber jene Personen hinzu, die gerne eine Stelle annehmen oder ihr Pensum erhöhen würden, sich angesichts der wenig aussichtsreichen Lage aber nicht aktiv darum bemühen, liegt der Wert laut Schätzungen bei über 30%.

    Wirtschaftsförderung durch billiges Geld, etwa in der Bauindustrie, war immer ein wichtiger Bestandteil von Erdogans Regierungsphilosophie. Und tatsächlich wuchs die türkische Wirtschaft dank der Tiefzinspolitik 2020 trotz Pandemie um 1,8% und schnitt damit deutlich besser ab, als erwartet. Weil aber kaum mehr internationale Investitionen ins Land kommen, waren der Preis dafür der enorme Wertzerfall der Lira, eine davon galoppierende Inflation und fast leere Staatskassen.

    Empörung über Zinserhöhung
    Trotz der bekannten Konflikte waren die meisten Beobachter vom frühen Zeitpunkt des Bruchs mit Agbal überrascht. Ein Auslöser dürfte die jüngste Zinserhöhung von unerwartet hohen 200 Punkten am Mittwoch gewesen sein. Der Schritt kam, nachdem die türkische Währung, wie jene anderer Schwellenländer, wegen steigender Preise für amerikanische Staatsanleihen im Februar wieder unter Druck geraten war. Zudem war die Inflation auf 15,6% gestiegen. Der offizielle Zielwert liegt bei 5%.

    Obwohl sich Erdogan bei der Präsentation seines Wirtschaftsplans vor zehn Tagen noch zum Ziel einer einstelligen Inflation bekannt hatte, bestand an seinem Missfallen über die drastische Zinserhöhung kein Zweifel. Das regierungsnahe Revolverblatt Yeni Safak griff nach dem Entscheid Zentralbankchef Agbal persönlich an. Wenige Tage später wurde er entlassen.

    Agbals Nachfolger Kavcioglu hat regelmässig Kolumnen in der Zeitung veröffentlicht. Kürzlich schrieb er darin, ganz im Sinne Erdogans, dass eine Zinserhöhung die Inflation befeuere. Alles andere als eine rasche Öffnung der Geldschleusen nach seinem Amtsantritt wäre eine Überraschung. Entsprechend dürfte die nächste grosse Lira-Krise nicht lange auf sich warten lassen. Der Vertrauensgewinn der letzten Monate in die türkische Wirtschaftspolitik ist dahin.


    https://www.nzz.ch/wirtschaft/erdoga...tik-ld.1607715
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  8. #248
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Der Exodus des Kapitals offenbart Erdogans ökonomische Naivität

    Die türkischen Finanzmärkte stürzen ins Chaos, nachdem Präsident Erdogan seinen Notenbankchef gefeuert hat. Aus- und inländisches Kapital fließt in Massen ab. Investoren verlieren endgültig den Glauben an eine unabhängige Geldpolitik.
    An der Türkei lässt sich exemplarisch zeigen, wie riskant es für Anleger ist, nur ein Kurzzeitgedächtnis zu haben. Zu Wochenbeginn brach das Chaos über die Finanzmärkte des Landes herein. Praktisch gleichzeitig gerieten die türkische Währung, die Börse in Istanbul und auch Staatsanleihen des Schwellenlandes massiv unter Druck.

    Zeitweise verlor die türkische Lira zum Dollar mehr als 15 Prozent an Wert. 8,47 Lira mussten in der Spitze für einen Dollar bezahlt werden – das war fast ein neuer Negativrekord für die türkische Währung. Der Euro kostete zeitweise fast zehn Lira, ebenfalls nahe am historischen Lira-Tiefstand, der im November erreicht worden war.

    Der Aktienmarkt stürzte um zehn Prozent ein, und Anleihen verzeichnen einen der größten Renditeanstiege in der Geschichte des Landes – alles Indizien für Kapitalflucht im großen Stil.
    Auslöser war eine Entscheidung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Wochenende. In der Nacht zu Samstag hatte der starke Mann der Türkei unerwartet Zentralbankchef Naci Agbal gefeuert. Der hatte am Donnerstag den Leitzins unerwartet kräftig um zwei Prozentpunkte auf 19 Prozent angehoben, um die grassierende Inflation in Schach zu halten.
    Agbal wurde erst im November eingesetzt, um die Währungskrise einzudämmen. Der für seine orthodoxe Geldpolitik angesehene Agbal hatte nach seinem Amtsantritt das Vertrauen der Investoren für das Land zurückgewonnen, wenn auch auf brachiale Art und Weise. Er hat in seiner kurzen Amtsdauer den Leitzins um insgesamt 875 Basispunkte erhöht.

    Seine restriktive Geldpolitik hatte die türkischen Finanzmärkte stabilisiert und die Lira mit einer Aufwertung um 20 Prozent eine Zeit lang zur gefragtesten Emerging-Markets-Währung gemacht. Auch die Börse in Istanbul hatte von Agbals Stabilitätspolitik profitiert.
    Türkische Aktien fallen stark ab
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    Doch die Zinsanhebung vom Donnerstag war für Erdogan offensichtlich eine zu viel. Er ersetzte Agbal durch den Wirtschaftswissenschaftler Sahap Kavcioglu, der wie Erdogan ein Verfechter niedriger Zinsen ist und die unorthodoxe Ansicht teilt, dass hohe Sätze die Inflation nicht drücken, sondern treiben. Schon in der Vergangenheit hatte der türkische Präsident in die Geldpolitik eingegriffen, indem er das Personal der formal unabhängigen Zentralbank abrupt auswechselte.

    Investoren wurden nun einmal mehr unsanft daran erinnert, dass die ökonomische Stabilitätspolitik in der Türkei im Rahmen des Systems Erdogan an seine Grenzen stößt. Besonders heftig fielen die Verluste für Halter türkischer Aktien aus, auch und gerade in Deutschland. Der iShares MSCI Turkey, der die 14 wichtigsten türkischen Aktien umfasst, verlor allein am Montag um bis zu 19 Prozent an Wert.
    Besonders stark sind in dem Fonds Finanzwerte gewichtet, die zu den großen Verlierern der Erdogan-Volte zählten. Die Titel des türkischen Aktienmarktes notieren im Schnitt jetzt unter ihren Buchwerten. Seit 2018 war das immer dann der Fall, wenn Notenbanker an der Spitze standen, die kein Vertrauen bei den Anlegern hatten. Kavcioglu ist der vierte Zentralbankchef in nur 20 Monaten.
    „Mit dem Wechsel hat Erdogan erneut untermauert, dass er die Integrität der Zentralbank nicht respektiert, bzw. dass es unter ihm keine langfristig nachhaltige Geldpolitik geben wird“, sagt Manuel Schimm von der BayernLB.

    Erdogan hätte keinen schlechteren Zeitpunkt für den Rauswurf finden können. Das Land ist gerade jetzt dringend auf ausländisches Kapital angewiesen. In der Corona-Krise ist der Devisenbringer Tourismus ausgefallen. Im Februar kamen 60 Prozent weniger Urlauber als noch im Vorjahr in das Land.
    Die Leistungsbilanz – die neben Exporten und Importen die Geldströme umfasst – ist nach einem Plus 2019 im vergangenen Jahr ins Minus gerutscht. Die Devisenreserven sind auf elf Milliarden Dollar geschmolzen, das Land musste zuletzt sogar Goldbestände verkaufen, um die Devisenlücke zu füllen.

    Kapitalkontrolle könnte wieder eingeführt werden
    „Ohne große Devisenreserven und in Anbetracht eines erwarteten Exodus von ausländischem und lokalem Kapital dürfte es für die Türkei schwierig sein, eine weitere Währungskrise in den kommenden Monaten zu vermeiden“, sagt Phoenix Kalen, Strategin bei der Société Générale.

    Der Kapitalmarktanalyst Dennis Shen von der Ratingagentur sieht aufseiten der türkischen Regierung ein Missverhältnis von Anspruch und Wirklichkeit: „Die Türkei kann einfach nicht die Niedrigzinspolitik fortgeschrittener Volkswirtschaften mit Reservewährungen wie den USA und dem Euro-Raum nachahmen, wenn der Wert der Lira selbst einer Vertrauenskrise ausgesetzt ist und die türkische Inflation fast 16 Prozent beträgt, mehr als das Dreifache des offiziellen Inflationsziels“, sagt Shen.

    Jede Lockerung der Geldpolitik werde zu größerer Volatilität an der Währungsfront führen und möglicherweise andere restriktive Maßnahmen erzwingen. So könnte es zum Beispiel zu einer Wiedereinführung von Kapitalkontrolle kommen, um eine zu schnelle Erschöpfung der Reserven abzuwenden.
    Auch andere Experten halten die Einführung von Kapitalkontrollen für möglich. Auffällig ist, dass sich zuletzt viele Türken im Internet über Bitcoin informiert haben. Mithilfe der Kryptowährung haben Sparer in vielen Problemländern Kontrollen umgangen. Der Bitcoin schwankt zwar stark, jedoch lässt sich so wenigstens die Verfügungsgewalt über das eigene Vermögen erhalten.


    Nach den wiederholten Eingriffen werden zumindest die türkischen Sparer nicht so schnell vergessen, wie riskant es ist, nur Guthaben in eigener Währung zu haben. Den Luxus eines Kurzzeitgedächtnisses können sie sich nicht leisten.

    https://www.welt.de/finanzen/article...Naivitaet.html
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  9. #249
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    »Erdoğan hat eine falsche Vorstellung der ökonomischen Zusammenhänge«
    Der Kurs der türkischen Lira rauscht in die Tiefe. Währungsexperte Ulrich Leuchtmann verortet die Ursache in Präsident Erdoğans seltsamen Wirtschaftstheorien – und sieht kaum noch einen Weg aus der Krise.

    Gerät die Wirtschaft der Türkei erneut in stürmisches Fahrwasser? Nach der Entlassung des Zentralbankchefs verliert die Lira weiter an Wert. Die Regierung ruft die eigenen Bürger auf, Goldvorräte zu verkaufen und damit die türkische Lira zu stützen.
    Wie kommt es, dass das Land seit Jahren immer wieder in Währungsturbulenzen gerät? Ulrich Leuchtmann ist Währungsexperte bei der Commerzbank. Er verfolgt diese Entwicklung seit vielen Jahren – und hat eine Erklärung, wer für diese Dauerkrise verantwortlich ist.
    SPIEGEL: Herr Leuchtmann, was ist los mit der türkischen Lira?

    Leuchtmann: Na ja, es ist halt wieder mal das passiert, was wir auch schon vorher gesehen hatten: Die Zentralbank kann keine stabilitätsorientierte Geldpolitik machen, weil die Politik das nicht zulässt – jedenfalls nicht für einen hinreichend langen Zeitraum. Als im November Naci Ağbal als Zentralbankchef eingesetzt wurde, haben wir damit gerechnet, dass die Türkei womöglich in ruhigere Fahrwasser eintreten könnte. Nun ist er nach vier Monaten wieder gefeuert worden. Hat mich das überrascht? Nicht die Entlassung an sich. Aber dass es so früh passieren würde, habe ich nicht erwartet.
    SPIEGEL: Was dann passiert ist, haben manche Ökonomen als »Lira-Blutbad« bezeichnet: Die türkische Währung hat binnen weniger Stunden mehr als zehn Prozent an Wert verloren.

    Leuchtmann: Ağbal wurde am Wochenende entlassen, aber allen Analysten war klar, was am Montag passieren würde: Die Lira fiel zurück auf den Stand vor Ağbals Ernennung im November. Danach hatte sich die Lira stabilisiert, weil Ağbal zugetraut wurde, endlich wieder eine stabilitätsorientierte Geldpolitik durchzusetzen....
    https://www.spiegel.de/wirtschaft/wa...326f10#ref=rss
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  10. #250
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    AW: Artikel: Das türkische "Wirtschaftswunder" endet im Elend

    Wo ist das Probkem? Türkei muss nur in die EU, dann kommt der (T)Euro und vor allem der deutsche Steuerzahler (m,w,d) wirds wieder richten.

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