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    Wie Jimmy Carter und Zbigniew Brzezinski die Mudschahedin starteten

    Dass der Islam für geopolitische Ziele instrumentalisiert werden kann, ist bereits in Wie die Muslimbruderschaft eine Münchner Moschee als Brückenkopf für ihre radikale Ideologie aufbaute - FOCUS angeklungen.

    Laut Aussagen von Robert Gates und Zbigniew Brzezinski hatte auch die CIA die Mudschahedin bereits vor dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan unterstützt.

    Die 'Alten Hasen' wissen das vielleicht noch, aber in Bezug auf die Islamisierungsdiskussion scheint diese Tatsache nicht sehr präsent zu sein. Daher also nochmals für die Alten Hasen oder zum ersten Mal für die Jüngeren einen Text zu diesem Thema.

    Original: How Jimmy Carter and I Started the Mujahideen: Interview with Zbginiew Brzezinksi

    Autor / Quelle: Interview von Zbigniew Brzezinski beim Le Nouvel Observateur (Frankreich), 15. 1. 1998, Seite 76

    Dies ist ein kurzes Interview in einer französischen Zeitung des Jahres 1998 mit Zbginiew Brzezinksi, Jimmy Carters nationalen Sicherheitsberater. Unter Brzezniski und Carter unterstützten die USA die verdeckte Finanzierung der Mudschahedin, der Taliban-Vorgänger, und auch, in geringerem Maße, Osama bin Laden.

    Jeder weiß das inzwischen - aber das Erstaunliche an diesem Interview ist:

    1) Brzezinski gibt jetzt zu, dass die USA die Finanzierung der mujahadeen volle sechs Monate vorher begonnen hatte, bevor die Sowjets in Afghanistan einmarschierten (die frühere Begründung dafür, die Mudschahedin zu finanzieren war, dass dadurch die Sowjets aufgehalten werden sollten, nachdem sie in Afghanistan einmarschiert waren);

    2) Der ausdrückliche Zweck die Mudschahedin zu finanzieren war, die Sowjets nach Afghanistan zu ziehen, damit sie sich in einem langen, nicht zu gewinnenden Krieg verzetteln - 'ihrem Vietnam';

    3) Brzezinski glaubt, dass die Finanzierung der Mudschahedin - selbst um den Preis der Entfesselung des islamischen Fundamentalismus ('einige aufgescheuchte Islamisten') als eine Macht im gesamten Nahen Osten und Zentralasien - es sehr wohl wert war, die Sowjetunion zu bekämpfen. Natürlich sagte er das alles volle drei Jahre vor den Angriffen auf das World Trade Center.

    Nun, wo wir der Nordallianz 100 Millionen Dollar geben, um die Taliban zu stürzen, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, wer unsere neu gefundenen Freunde im Krieg gegen den Terrorismus sind, weil sie höchstwahrscheinlich unsere zukünftigen Feinde sein werden. All dies lässt George Orwells Vision in '1984' wie eine nette Phantasie aussehen.

    *******

    Wie Jimmy Carter und ich die Mudschahedin starteten

    Interview mit Zbigniew Brzezinski in Le Nouvel Observateur (Frankreich), 15. - 21. Januar 1998, S. 76*

    Offenbarungen eines ehemaligen Beraters von Carter

    F: Der ehemalige Direktor der CIA, Robert Gates, behauptete in seinen Memoiren ['From the Shadows'], dass die amerikanischen Nachrichtendienste 6 Monate vor der sowjetischen Intervention anfingen, den Mudschahedin in Afghanistan zu helfen. In diesem Zeitraum waren Sie der nationale Sicherheitsberater von Präsident Carter. Sie spielten daher eine wichtige Rolle in dieser Angelegenheit. Bestätigen Sie das?

    Brzezinski: Ja. Laut der offiziellen Version dieser Geschichte begann die Hilfe der CIA für die Mudschahedin 1980, das heißt, nachdem die sowjetische Armee am 24. Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert war. Aber die Realität, die bis jetzt geheimgehalten wurde, ist völlig anders: Tatsächlich war es am 3. Juli 1979, als Präsident Carter die erste Direktive für geheime Hilfe für die Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul unterzeichnete. Und an eben diesem Tag schrieb ich dem Präsidenten eine Notiz, in der ich ihm erklärte, dass meiner Meinung nach diese Hilfe eine sowjetische Militärintervention verursachen würde.

    F: Trotz dieses Risikos waren Sie ein Befürworter dieser verdeckten Operation. Aber vielleicht haben Sie selbst sich diesen sowjetischen Kriegseintritt gewünscht und versucht, ihn herbeizuführen?

    Brzezinski: Es ist nicht ganz so. Wir haben die Russen nicht dazu gedrängt zu intervenieren, aber wir haben wissentlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie dies würden.

    F: Als die Sowjets ihre Intervention mit der Beteuerung gerechtfertigt hatten, dass sie gegen eine geheime Beteiligung der Vereinigten Staaten in Afghanistan kämpfen wollten, glaubte man ihnen nicht. Allerdings gab es eine wahre Grundlage. Bereuen Sie heute nichts?

    Brzezinski: Was sollte ich bedauern? Diese geheime Operation war eine ausgezeichnete Idee. Sie hatte die Auswirkung, die Russen in die afghanische Falle zu ziehen und Sie wollen, dass ich sie bereue? Am Tag, an dem die Sowjets offiziell die Grenze überschritten hatten, schrieb ich Präsident Carter: Wir haben jetzt die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu geben. In der Tat musste Moskau fast 10 Jahre lang einen Krieg weiterführen, der von der Regierung nicht unterstützt werden konnte, einen Konflikt, der die Demoralisierung und schließlich das Auseinanderbrechen des sowjetischen Imperiums herbeiführte.

    F: Und Sie bereuen ebenfalls nicht, den islamischen Fundamentalismus unterstützt zu haben, indem Sie zukünftigen Terroristen Waffen und Beratung gaben?

    Brzezinski: Was ist am wichtigsten für die Weltgeschichte? Die Taliban oder der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums? Ein paar aufgehetzte Islamisten [quelques excités islamistes] oder die Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges?

    F: Ein paar aufgehetzte Islamisten? Aber es wurde gesagt und wiederholt: Der islamische Fundamentalismus stellt heute eine weltweite Bedrohung dar.

    Brzezinski: Unsinn! Es wurde behauptet, der Westen betreibe eine globale Politik in Bezug auf den Islam. Das ist dumm. Es gibt keinen globalen Islam. Betrachten wir den Islam auf eine vernünftige und nicht auf eine demagogische oder emotionelle Art. Er ist die führende Weltreligion mit 1,5 Milliarden Anhängern. Aber was gibt es an Gemeinsamkeiten zwischen dem fundamentalistischen Saudi-Arabien, dem moderaten Marokko, dem militaristischen Pakistan und dem prowestlichen Ägypten oder dem säkularisierten Zentralasien? Nicht mehr als das, was die christlichen Länder zusammenhält.


    Das Interview wurde von Vincent Jauvert geführt

    [...]

    * Es gibt mindestens zwei Ausgaben dieses Magazins, mit der vielleicht einzigen Ausnahme der Version in der Nationalbibliothek der USA ist die Version, die in die Vereinigten Staaten geschickt wurde, kürzer als die französische Version, und das Brzezinski-Interview war nicht in der kürzeren Version enthalten. [...]

    ***

    Wikipedia (englisch): CIA activities in Afghanistan


    Wikipedia: Robert Gates

    Im Jahre 1996 wurden seine Memoiren unter dem Titel From the Shadows: The Ultimate Insider's Story of Five Presidents and How They Won the Cold War Simon & Schuster, New York 1997. ISBN 0-684-81081-6 veröffentlicht.

    Wikipedia: Zbigniew Brzeziński - Literatur

    Brzeziński, Zbigniew: The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives. Basic Books (October 1998), ISBN 0-465-02726-1 (Deutsch: Die einzige Weltmacht - Amerikas Strategie der Vorherrschaft ISBN 3-596-14358-6)

  2. #2
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    AW: Wie Jimmy Carter und Zbigniew Brzezinski die Mudschahedin starteten

    Die USA und ihre Strategien haben sich am Ende immer gegen die Amis gewendet. Man glaubt es kaum, aber auch im Iran haben die USA die Ayatollahs unterstützt und den Schah fallen lassen, damit eine Welle der Islamisierung durch die damalige Sowjetunion ziehen sollte. Immerhin lebten damals ca. 70 Millionen Muslime in der Sowjetunion und man versprach sich von der Unterstützung der radikalen Kräfte ein Zusammenbrechen der Sowjetunion. Die Politik der USA ist nicht von Weitsicht geprägt
    Alle Texte, die keine Quellenangaben haben, stammen von mir.

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