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    (1) Luigi Padovese: Christen in der Türkei: Von der Wiege des Christentums bis zur verfolgten Minderheit

    zenit.org: Christen in der Türkei: Von der Wiege des Christentums bis zur verfolgten Minderheit


    Vortrag von Bischof Luigi Padovese ein Jahr vor seinem Tod

    ROM, 25. Juni 2010 (ZENIT.org).-

    Der in diesem Monat in der Türkei ermordete Bischof Luigi Padovese, der fließend Deutsch beherrschte, war regelmäßig zu Vortragsreisen in Deutschland eingeladen. Als ehemaliger Professor für Patristik und später als Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz kannte er die Geschichte des Christentums in der Region von der Antike bis zur Gegenwart bestens. ZENIT liegt das Manuskript eines Vortrags vor, den der Bischof am 18. Juni voriges Jahr im fränkischen Ansbach hielt, dessen erster Teil im Folgenden dokumentiert wird.

    ***

    18. Juni 2009

    Vortrag für die Katholische Erwachsenenbildung

    Katholisches Pfarramt St. Ludwig, Ansbach

    Von Bischof Luigi Padovese

    Apostolischer Vikar von Anatolien

    Vorsitzender der türkischen Bischofskonferenz



    Sehr geehrte Damen und Herren,


    mit Freude habe ich die Einladung zum heutigen Vortrag angenommen, obwohl mir bewusst ist, dass das Thema sehr kompliziert ist. Zugleich weiß ich, dass ich dieser Komplexität durch die knappen Worte meines Vortrags nicht gerecht werden kann, was Unzufriedenheit hervorrufen könnte.

    Zweifelsohne erfährt die Türkei in den vergangenen Jahren eine immer größere internationale Aufmerksamkeit. Die Gründe dafür sind in verschiedenen Bereichen angesiedelt: das strategische Gewicht durch die geopolitische Lage der Türkei mit Blick auf den Kaukasus und den Nahen Osten, der Antrag, in die Europäische Union aufgenommen zu werden, das Augenmerk auf die Armenier, die Kurden und auch der Blick auf Zypern; zugleich erfährt die Türkei einen touristischen und kommerziellen Fortschritt. In Deutschland wächst das Interesse vor dem Hintergrund einer starken türkischen Diaspora und den oftmals damit verbundenen Integrationsproblemen.

    Für uns Christen von heute ist die Türkei von besonderem Interesse, da sie fundamental für unsere eigene Geschichte ist. Es ist tatsächlich schwer, sich vorzustellen, wie sich das Christentum entwickelt hätte, wenn es nicht hier seine erste große Ausbreitung erlebt hätte. Dieses Land, das zu den Reichsten und dichtest Besiedelten des Römischen Reiches gehörte, mit verschiedenen ethnischen Gruppen, die die Kultur bildeten, mit unterschiedlichen Sprachen und religiösen Ausdrucksformen - dieses wurde zum Sprungbrett, zur Probe für das Maß, in welchem es dem Christentum möglich war, sich in verschiedene Kulturen zu integrieren. Hier wurde de Kirche im Wortsinn „katholisch" bzw. universell, indem sie die Versuchung - teilweise gar die Gefahr - überwand, eine sektiererische Gruppe oder lediglich eine Gemeinschaft im jüdischen Ambiente mit nationalem Hintergrund zu bleiben. Symptomatisch ist das Faktum, dass im 1. Jahrhundert nach Christus von den 50 christlichen Gemeinschaften 24 in das Gebiet von Kleinasiens fielen. Von den 101 Orten, die im Jahr 180 mit dem Christentum in Kontakt gekommen waren, befanden sich 57 in Kleinasien und in den angrenzenden Zonen. Auf diesen Aussagen fußend kann man nur mit Adolf von Harnack übereinstimmen, der deutlich betont, dass alle großen Entwicklungen der christlichen Religion im 2. Jahrhundert ihren Ausgang von Kleinasien genommen haben.

    Eine Bestätigung finden wir in den meisten Schriften des Neuen Testaments, die das Licht in diesem Gebiet und die frühe christliche Gemeinschaft hier ansässig sehen. Ich erinnere an die Schriften, die Paulus an die hier vorhandenen Gemeinden schreibt (Galater, Epheser, Kolosser, Philemon) und die Schriften, die er wohl in Ephesus verfasste (1 Thessalonicher und 1 Korinther), und den ersten und zweiten Brief an Timotheus.

    Auch ist Ephesus als Hintergrund für das Corpus Johanneum anzusiedeln, vor alle der Prolog und die Endfassung des Evangeliums, mehr noch als die Briefe. In das gleiche Gebiet fällt die Abfassung der Apokalypse, auf der nicht weit entfernten Insel Patmos. Wir dürfen das Matthäusevangelium nicht vergessen, das in einer von Antiochien beeinflussten Gegend geschrieben wurde; das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte, die sich detailliert mit dem apostolischen Reiseverlauf des Paulus in Syrien und Kleinasien beschäftigen, schließlich der erste Petrusbrief, verfasst für Christen in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bitinien.

    Zwei Autoren der neutestamentlichen Schriften, Paulus von Tarsus und Lukas von Antiochien gehören zu den ersten Zeugen jener Kirche, die im Laufe der Jahrhunderte jene Menschen hervorgebracht haben, die der christlichen Kirche ihre Prägung gaben. Die Geschichtsbücher listen Namen von Bischöfen, Autoren und Theologen auf, die im Gebiet der heutigen Türkei lebten. Ich erinnere nur an Ignatius von Antiochien, Melito von Sardi, Irenäus von Lyon, ursprünglich von Smyrna, Methodius von Olymp, Gregor der Thaumaturg, Basilius von Caesarea und Gregor von Nazianz; die großen Theologen der sogenannten Schule von Antiochien, vor allem Johannes Chrysostomos; die Vertreter der syrischen Kirche: Aphra und Ephräm der Syrer, zudem die große Schar der Märtyrer und Heiligen, deren Namen wir fast täglich im Kalender lesen. Zehn der vierzehn beliebten Volksheiligen, die wir im größten Wallfahrtsort der Erzdiözese Bamberg verehren, stammen aus dem Gebiet der Türkei. Ich möchte nur einige nennen: Nikolaus, Margherita, Blasius und Christopherus.

    Ausgehend von diesen Namen müssen wir uns fragen, wie weit heute unser Verständnis des christlichen Mysteriums, des dreifaltigen Gottes, der Kirche wäre, wenn es nicht die Reflexionen dieser Menschen gegeben hätte, die mit ihrem Denken die ersten acht ökumenischen Konzilien beeinflussten, die übrigens alle auf dem Boden der heutigen Türkei stattfanden. Von hier aus hat die erste große christliche Mission bis zum Fernen Osten, ja bis China stattgefunden, zugleich die Missionsarbeit der byzantinischen Christen, die von hier aus zu den slawischen Völkern Europas bis zum Balkan und Russland gingen.

    Bei genauer Betrachtung müssen wir eingestehen, dass sich die europäische Kultur zum großen Teil ihren christlichen Wurzeln auf türkischen Boden verdankt. Von dieser glorreichen Vergangenheit ist heute nur noch wenig übrig geblieben. Papst Johannes XXIII., der zehn Jahre als Apostolischer Delegat in Istanbul lebte (1935-1944) und mein Vorgänger als Apostolischer Vikar war, hat bereits vor 70 Jahren die Enttäuschung arüber beschrieben, dass das Christentum dort fast gänzlich verschwunden ist. Im Jahr 1938 schrieb er: „Betrachtet die Türkei! Hier ist das Theater, in dem sich das Leben der christlichen Kirche über Generationen abspielte, hier waren die antiken Diözesen so zahlreich wie die Sterne am Himmel. Heute ist das alles verschwunden: Schwer ist es, die alten Orte wieder zu erkennen, schwierig auch die Präzisierung der alten christlichen Namen".

    Wie ist diese Veränderung zu deuten? Wie kann es sein, dass die Christen, die noch 1927 20 Prozent der Bevölkerung bildeten, heute mit ihren 0,15 Prozent (100.000 ungefähr) kaum noch wahrnehmbar sind? Um es zu begreifen, müssen wir in das ottomanische Reich am Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgehen, in dem die Wirklichkeit multiethnisch und multikulturell war, das aber doppelt geschwächt war. Durch separatistische Spannungen innen und nach außen durch den Expansionsdruck der großen Kolonialmächte.

    [Ende Teil 1 von drei Teilen. Teil 2 hier]

  2. #2


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    AW: (1) Luigi Padovese: Christen in der Türkei: Von der Wiege des Christentums bis zur verfolgten Minderheit

    Beim Umgang mit der christlichen Minderheit in der Türkei, erkennt man glasklar das faschistische Wesen des Islam. Islam ist nichts weiter wie Faschismus im religiösen Mantel. Nur ein absoluter Dummkopf kann das nicht erkennen.

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