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    Ein Ohr für den Import-Bräutigam

    Frau Tavasolli, Sie sind seit 16 Jahren Ausländerbeauftragte beim Polizeipräsidium in Frankfurt. Gibt es da ein unvergessliches Ereignis?

    Ja, die Rettungsaktion für eine junge Türkin, die mich im Fernsehen gesehen und meine Telefonnummer notiert hatte. Sie rief panisch an, weil sie in die Türkei zurückgeschickt werden sollte. Es handelte sich um eine sogenannte Importbraut, die hier mit dem drogensüchtigen Sohn einer türkischstämmigen Familie verheiratet worden war. Das passiert übrigens recht häufig, weil Eltern hoffen, dass ihre Söhne so auf den "rechten Weg" kommen. Der Lebensraum dieser jungen Frau beschränkte sich auf das Gebäude, wo die Familie wohnte und eine Dönerbude betrieb. Der Ehemann, der eine polnische Geliebte hatte, schlug seine Frau ständig und wollte sie schließlich loswerden. Ich habe die Frau nie kennengelernt, aber sie mit Hilfe der Kollegen und den Fahndungsmöglichkeiten der Polizei vom Flughafen in ein Frauenhaus bringen lassen und so vor dem Sozialtod in der Türkei bewahrt.

    Was genau sind denn Ihre Aufgaben beim Polizeipräsidium?

    Zwischen Frankfurter Polizei und Migranten zu vermitteln ist mein Job. Ich habe Kontakte zu Migrantenorganisationen aufzubauen und zu pflegen. Ich biete Vereinen und anderen Organisationen Vorträge an - zu Themen wie etwa Polizei und Prävention, technische Kriminalprävention und Jugendkriminalität. Ich bin Ansprechpartnerin für Polizeibeamte und für Migranten zugleich. Die Kontakte zu den Migranten kommen auf unterschiedliche Weise zustande - über Kollegen oder über eigene Kontakte und über Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich selbst bin ja keine Polizistin, daher ist es mein Part, fürsorgerische Gespräche zu führen.

    Wer nimmt denn diese fürsorgerischen Gespräche in Anspruch?

    Es sind vor allem aus der Türkei stammende Frankfurter - zumeist Frauen, aber auch Männer. Sie schätzen es, dass sie mit mir in der Herkunftssprache über ihre Probleme und Fragen zu Polizeibelangen sprechen können. Es gibt auch mal Ratsuchende anderer Herkunft - wie etwa Frauen aus dem Iran, Afghanistan, Albanien oder Rumänien.

    Was verbirgt sich hinter diesen fürsorglichen Gesprächen?

    Die Frauen nehmen Kontakt zu mir auf, weil sie den Tipp bekommen haben - etwa von Frauen, die selbst schon bei mir waren. Oftmals erzählen die Ratsuchenden zunächst von einer angeblichen Freundin, die vom Ehemann geschlagen wird. Erst im Laufe des Gesprächs wird deutlich, dass es um sie selbst geht. Ich höre mir die Geschichten ganz genau an und überlege, wie ich helfen kann.

    Und wie können Sie helfen?

    Ich bin eine Art von Sozialwegweiserin; ich gebe Listen von türkischsprachigen Rechtsanwälten und Psychologen, die ich selbst erstellt habe. Wenn eine Frau psychisch am Ende ist, dann lege ich ihr nahe, einen Psychologen aufzusuchen. Ich schalte auch die Sozialrathäuser ein, wenn ich den Eindruck habe, dass für die Kinder die Katastrophe programmiert ist. Und ich weise auf die Gesetze hin. Die Frauen verstehen nicht, dass die Polizei ihnen nicht helfen kann, wenn sie sich vom Ehemann bedroht fühlen. Ich erkläre dann, dass sie eine Unterlassungsklage einreichen müssen, die dem Ehemann unter Androhung von Strafe verbietet, sich im Umkreis von 500 Metern in ihre Nähe begeben.

    Warum suchen türkischstämmige Männer Rat bei Ihnen?

    Es sind oft Importbräutigame, die nicht wissen, wie es mit ihnen weitergehen wird. Das ist übrigens ein Thema, das viel zu wenig beachtet wird. Opfer sind nämlich nicht allein die Frauen, sondern auch die aus der Türkei eingeheirateten Männer. Sie kommen mit falschen Vorstellungen und ohne Deutschkenntnisse hierher, finden keine Arbeit. Entweder weil sie nie einen Beruf erlernt haben, oder weil ihre Abschlüsse hier nicht anerkannt werden; sie sind in völliger Abhängigkeit ihrer in Deutschland aufgewachsenen Frauen. Psychosoziale und existenzielle Probleme um den Aufenthalt oder Mittellosigkeit sind bei diesen Männern gewissermaßen programmiert.

    Wieso in Abhängigkeit?

    Weil sich Frauen mit den hiesigen Gepflogenheiten auskennen, Deutsch sprechen und das Sagen haben. Das wiederum entspricht nicht dem Männerbild der aus der Türkei eingeheirateten Partner. Wenn die Konflikte in der Beziehung eskalieren, dann schmeißen die Frauen die Männer aus der Wohnung. Und die wissen dann nicht, wo sie hin sollen. Für Frauen gibt es inzwischen ein engmaschiges Hilfenetz, das ist auch wichtig und gut; für die Importbräutigame aber gibt es keinerlei Anlaufstellen. Sie wissen nicht, wo sie beraten werden könnten; Obdachlosenunterkünfte sind die einzigen Alternativen für diese Männer in Not, denn sie haben keine Sprache und bisher auch keine Lobby.
    http://www.fr-online.de/frankfurt_un...raeutigam.html

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    AW: Ein Ohr für den Import-Bräutigam

    http://www.fr-online.de/frankfurt_un...raeutigam.html

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    Schlimmer als die STASI! Ich überlege, ein Unterforum für kritische verschwundene Artikel zu öffnen, unglaublich, was sich die Systempresse so erlaubt! Es lebe die Meinungsfreiheit!

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