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    Lange hier und doch nicht da

    Sie leben hier seit Jahrzehnten, sie wohnen mitten unter uns. Und irgendwie doch nicht. Einwanderer haben es in Deutschland schwer. Sie wohnen in eigenen Vierteln, sprechen oft die Sprache nicht und sie wissen nicht, was die Deutschen von ihnen erwarten. Ihre Integration ist tragisch gescheitert.

    Es ist schwer, nicht wütend zu werden. Man sitzt auf dem Sofa der Roma-Familie aus dem Kosovo, und der 24-jährige Vater raucht und jammert: Kein Geld, kein Geld. Gerade hat er die Reparatur seines riesigen Fernsehers angezahlt, der zweite läuft nebenan im Kinderzimmer, und die Tochter und die drei Söhne lächeln brav - nur der jüngste ohne verfaulte Zähne.

    Man isst ein Stück Schokoladenkuchen bei der irakischen Großfamilie, und die Cousine schuftet in der Küche. Vor wenigen Wochen wurde sie frisch importiert als Braut für den ältesten Sohn. Und im Wohnzimmer zeigt der Vater seine Schulhefte aus dem Integrationskurs vor, zu dem die Arbeitsagentur ihn verdonnert hat, und er kichert albern und sagt: "Nicht verstehen, was soll das" - und alle lachen.

    Man trinkt einen Tee bei der kurdischen Familie, acht Kinder, fast 30 Jahre in Deutschland. Die Mutter sagt: "Meine Kinder gute Kinder, nicht mal rauchen", und die zwei Söhne blicken hart gegen die Wand. Man weiß, dass sie gestohlen haben und verletzt und geraubt. Sie sind das, was die Polizei "Intensivtäter" nennt. Und der eine sagt: "Ich hab hier eh keine Chance. Ich war schon zweimal im Bau." Er ist 15.

    Was läuft falsch?
    Es ist schwer, nicht wütend zu werden bei dieser Suche nach Antworten auf die immer drängendere Frage: Woran scheitert die Integration in Deutschland? 15,4 Millionen Menschen haben ihre Wurzeln in anderen Kulturen. Und man fragt sich: Warum ist rund ein Drittel von ihnen erwerbslos? Was läuft so schief in diesem reichen Land, dass 44 Prozent der Migranten keinen Berufsabschluss haben? Dass 20 Prozent ihrer Söhne und Töchter die Schule nicht abschließen? Dass ein Drittel ihrer Kinder mit Sozialhilfe aufwächst? Warum haben fast 80 Prozent der Berliner Intensivtäter einen Migrationshintergrund? Was läuft hier verdammt noch mal so schief, dass eine große Gruppe an der Gesellschaft nicht teilhaben kann? Nicht teilhaben will? Nicht teilhaben darf? Es ist schwer, nicht wütend zu werden.

    Unsinnig, darüber zu streiten, wer nun die meisten Probleme hat - die Türken oder die Russen, die Muslime oder die Religionslosen. Unsinnig auch, immer nur auf die Metropolen zu starren - Berlin oder München oder Hamburg. Menschen, die mit dem deutschen Alltag nicht zurechtkommen; die verzweifeln und trotzdem so viele Kinder bekommen; die in Ghettos leben - diese Menschen trifft man überall. In Dortmund wie in Stuttgart wie in Villingen- Schwenningen. Oder in Bremen, dieser linksliberalen, chronisch armen Stadt an der Weser. Dort sehen die kaputten Viertel beschaulicher aus. Kleiner. Privater. Doch die Härte hinter den Gardinen ist die gleiche. Und Missverständnis und Wut. So viel Wut.

    Eigentlich ist Sead Toska ein ruhiger Mann. Schüchternes Lächeln. 24 Jahre alt. Ein muslimischer Roma, der mit seinen vier Kindern, Mutter Sahira und Ehefrau Bana in der George-Albrecht-Straße im Bremer Norden wohnt. Vor sechs Jahren sind sie aus dem Kosovo gekommen, 18 Familienmitglieder in einem abgedunkelten Kleinbus. Seither wollen sie nichts als ein bisschen Leben. Mit deutschen Papieren. Mit Geld vom Sozialamt. In aller Ruhe. Doch immer wenn Sead Toska zum Sozialamt geht, verliert er sein schüchternes Lächeln.

    Dann flippt er aus.

    Streit im Amtszimmer
    An diesem kalten Januarmorgen sitzt er also wieder einmal der deutschen Amtsfrau gegenüber, die für T wie Toska zuständig ist. Er hat für den Monat nur den halben Sozialhilfesatz bekommen, weil seine Duldung verlängert werden musste. Er sagt: "Du musst mir geben Geld. War Silvester. Teuer. Nix mehr haben." Er streitet immer mit ihr. Er hasst sie. Sie sagt: "Ja, ja, Herr Toska, schon klar. Sie wollen wieder Geld." Und er explodiert: "Du nicht reden so. Du nicht behandeln mich wie Tier. Du machen deine Arbeit!" Und sie sagt unendlich gedehnt: "Nicht in diesem Ton, Herr Toska" - und holt die Akte.

    Diese Stimmung aus Herablassung, Ablehnung und Wut legt sich wie Blei aufs Gemüt. So viel Streit in den Amtszimmern. Die Schreibtische - meterhohe Festungsmauern zwischen den deutschen Beamten und den Massen an Bittstellern, von denen die meisten an diesem Morgen Ausländer sind. Erschöpfte Sozialamtsmitarbeiter, resigniert oder genervt. Müde Bedürftige, unverschämt oder verängstigt.

    1640 Euro bekommt Sead Toska vom Amt für Soziale Dienste nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Davon gehen 730 Euro an den Vermieter. Sead Toska hat schon mal vier Monate lang gearbeitet - bei einer Leiharbeitsfirma für sechs Euro die Stunde. "Das wenig Geld. Und dann immer die schmeißen mich raus", sagt er. Sead Toska wusste schon vor seiner Reise nach Deutschland, dass ihm Geld vom Sozialamt zusteht. Er findet nur, dass es zu wenig ist. "Über 100 Euro für Zigaretten. Ich kann Kinder nichts kaufen. Leben bisschen schwer", sagt er.

    Wieder ein Missverständnis
    Und dann schaut er einen an mit diesem schüchternen Blick und sagt: "Mein Sohn Djekson nicht mehr Schule freitags, wegen Diebstahl oder Versicherung, ich verstehe nicht" - und man fragt nach bei der Schuldirektorin, warum der Achtjährige freitags keinen Unterricht mehr haben soll, und sie sagt: "Ach ja, wieder einmal so ein Missverständnis. Djekson hatte ein einziges Mal am Freitag keinen Unterricht. Da ist Elternsprechtag" - und man erklärt es dem Vater, und der lächelt und zuckt ratlos die Schultern.

    Familie Toska lebt seit sechs Jahren in Deutschland - und so vieles scheint schon endgültig in die falsche Richtung gelaufen. Wie Tausende andere Familien, die wegen eines Bürgerkriegs oder wirtschaftlicher Not ihre Heimat verließen, so sind auch sie verfangen im Dschungel von Wohlfahrtsstaat und Behörden. Sind hier und doch nicht wirklich. Lernen weder Sprache noch Kultur. Lernen nur den harten Kampf um Papiere und Gelder.

    Wenn man solche Familien nach ihrem Einwanderer-Schicksal befragt - so oft erlebt man ein erschreckendes Spektrum an Ahnungslosigkeit. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Bremen. Keinen Schimmer, warum Duldung, Fiktionsbescheinigung oder wie auch immer die amtsdeutschen Bezeichnungen des Aufenthaltsrechts heißen. Keinen Dunst, was Ermessen der Behörde ist - und was Gesetz.

    So viele Menschen leben über Jahre hinweg in Deutschland und wissen nicht, was ihnen warum in diesem Land geschieht.

    Zu fremd, zu einsam
    Inzwischen stapeln sich zwar in den deutschen Behörden Faltblätter und Broschüren: erste Anlaufstellen für Flüchtlinge von Caritas oder Arbeiterwohlfahrt, Extra-Beratungsstellen beim Arbeitsamt, Informationen über Integrationskurse - so viele Telefonnummern und Adressen von Institutionen, die helfen könnten. Doch die meisten Einwanderer, nach ihren ersten Schritten in der fremden Welt befragt, erzählen endlose Geschichten über Schikanen der Behörden - und gnadenlose Einsamkeit. Sie waren zu fremd, um nach dem Faltblatt zu greifen. Zu hilflos, um eine Telefonnummer zu wählen. Zu allein, um nach Hilfe zu fragen. Wenn sie Glück hatten, halfen Verwandte. Wenn sie Pech hatten, verfingen sie sich im Teufelskreis aus falschen Erwartungen und Unwissen.

    Und zu viele hatten Pech. Jahrzehntelang Pech. So oft. So tragisch.

    Man lernt Familien kennen wie die Gencs, kurdische Libanesen, die seit 21 Jahren im Bremer Osten leben. Nur der älteste Sohn ist nicht hier geboren, die anderen sieben Kinder kennen kein anderes Land. Doch über zwei Jahrzehnte hinweg hat sich ihr juristisches Schicksal nicht entschieden. 21 Jahre lang in Deutschland mit Kettenduldung - immer in Angst. Die Kinder gehen zur Schule, die Mutter besucht einen Alphabetisierungskurs, nette Leute, die sich um ihr Leben in Deutschland bemühen. Jetzt sollen sie abgeschoben werden. Die Behörden glauben nicht, dass sie aus dem Libanon stammen. Nun sollen sie in die Türkei, auch wenn keiner außer dem Vater Türkisch spricht. Die Familie - verzweifelt. Die Nachbarn - entsetzt. Warum sie? Warum nach all den Jahren?

    Man lernt junge Männer kennen wie Ahmad Ammouri, 22 Jahre alt, in Deutschland geboren. Für ihn hat das Unwissen Konsequenzen fürs Leben. Die Grundschullehrer hatten den Sohn libanesischer Flüchtlinge fürs Gymnasium empfohlen. Seine Eltern gingen zum Elternabend und bekamen ein Formular vorgelegt, auf dem sie ankreuzen sollten, welche Schule sie für Ahmad wünschten. Sie kreuzten "Hauptschule" an. Seine Mutter sagt heute: "Meine Kinder sagen mir, dass wir manches falsch gemacht. Ich sage immer: Es tut mir leid. Es tut mir schrecklich leid."

    An den Rand der Stadt verbannt
    Wie viele andere deutsche Städte, so hat auch Bremen seine Ghettos säuberlich an den Rand der Stadt gedrückt. Lüssum liegt 26 Kilometer von der schicken Fußgängerzone im Zentrum entfernt. Viergeschossige Sozial-Wohnblöcke in vergrautem Gelb, die Balkone bepflanzt mit Wäscheleinen und Satellitenschüsseln im Dutzend. Gleich dahinter alte Einfamilienhäuschen von deutschen Rentnern, die Vorgärten bepflanzt mit Thujen im Richteuch. Und an den Kaffeetafeln: Feindseligkeit und Groll.
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  2. #2
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    AW: Lange hier und doch nicht da

    Zitat Zitat von Michaela Beitrag anzeigen
    Sie leben hier seit Jahrzehnten, sie wohnen mitten unter uns. Und irgendwie doch nicht. Einwanderer haben es in Deutschland schwer. Sie wohnen in eigenen Vierteln, sprechen oft die Sprache nicht und sie wissen nicht, was die Deutschen von ihnen erwarten. Ihre Integration ist tragisch gescheitert.

    Es ist schwer, nicht wütend zu werden. Man sitzt auf dem Sofa der Roma-Familie aus dem Kosovo, und der 24-jährige Vater raucht und jammert: Kein Geld, kein Geld. Gerade hat er die Reparatur seines riesigen Fernsehers angezahlt, der zweite läuft nebenan im Kinderzimmer, und die Tochter und die drei Söhne lächeln brav - nur der jüngste ohne verfaulte Zähne.

    Man isst ein Stück Schokoladenkuchen bei der irakischen Großfamilie, und die Cousine schuftet in der Küche. Vor wenigen Wochen wurde sie frisch importiert als Braut für den ältesten Sohn. Und im Wohnzimmer zeigt der Vater seine Schulhefte aus dem Integrationskurs vor, zu dem die Arbeitsagentur ihn verdonnert hat, und er kichert albern und sagt: "Nicht verstehen, was soll das" - und alle lachen.

    Man trinkt einen Tee bei der kurdischen Familie, acht Kinder, fast 30 Jahre in Deutschland. Die Mutter sagt: "Meine Kinder gute Kinder, nicht mal rauchen", und die zwei Söhne blicken hart gegen die Wand. Man weiß, dass sie gestohlen haben und verletzt und geraubt. Sie sind das, was die Polizei "Intensivtäter" nennt. Und der eine sagt: "Ich hab hier eh keine Chance. Ich war schon zweimal im Bau." Er ist 15.

    Was läuft falsch?
    Es ist schwer, nicht wütend zu werden bei dieser Suche nach Antworten auf die immer drängendere Frage: Woran scheitert die Integration in Deutschland? 15,4 Millionen Menschen haben ihre Wurzeln in anderen Kulturen. Und man fragt sich: Warum ist rund ein Drittel von ihnen erwerbslos? Was läuft so schief in diesem reichen Land, dass 44 Prozent der Migranten keinen Berufsabschluss haben? Dass 20 Prozent ihrer Söhne und Töchter die Schule nicht abschließen? Dass ein Drittel ihrer Kinder mit Sozialhilfe aufwächst? Warum haben fast 80 Prozent der Berliner Intensivtäter einen Migrationshintergrund? Was läuft hier verdammt noch mal so schief, dass eine große Gruppe an der Gesellschaft nicht teilhaben kann? Nicht teilhaben will? Nicht teilhaben darf? Es ist schwer, nicht wütend zu werden.

    Unsinnig, darüber zu streiten, wer nun die meisten Probleme hat - die Türken oder die Russen, die Muslime oder die Religionslosen. Unsinnig auch, immer nur auf die Metropolen zu starren - Berlin oder München oder Hamburg. Menschen, die mit dem deutschen Alltag nicht zurechtkommen; die verzweifeln und trotzdem so viele Kinder bekommen; die in Ghettos leben - diese Menschen trifft man überall. In Dortmund wie in Stuttgart wie in Villingen- Schwenningen. Oder in Bremen, dieser linksliberalen, chronisch armen Stadt an der Weser. Dort sehen die kaputten Viertel beschaulicher aus. Kleiner. Privater. Doch die Härte hinter den Gardinen ist die gleiche. Und Missverständnis und Wut. So viel Wut.

    Eigentlich ist Sead Toska ein ruhiger Mann. Schüchternes Lächeln. 24 Jahre alt. Ein muslimischer Roma, der mit seinen vier Kindern, Mutter Sahira und Ehefrau Bana in der George-Albrecht-Straße im Bremer Norden wohnt. Vor sechs Jahren sind sie aus dem Kosovo gekommen, 18 Familienmitglieder in einem abgedunkelten Kleinbus. Seither wollen sie nichts als ein bisschen Leben. Mit deutschen Papieren. Mit Geld vom Sozialamt. In aller Ruhe. Doch immer wenn Sead Toska zum Sozialamt geht, verliert er sein schüchternes Lächeln.

    Dann flippt er aus.

    Streit im Amtszimmer
    An diesem kalten Januarmorgen sitzt er also wieder einmal der deutschen Amtsfrau gegenüber, die für T wie Toska zuständig ist. Er hat für den Monat nur den halben Sozialhilfesatz bekommen, weil seine Duldung verlängert werden musste. Er sagt: "Du musst mir geben Geld. War Silvester. Teuer. Nix mehr haben." Er streitet immer mit ihr. Er hasst sie. Sie sagt: "Ja, ja, Herr Toska, schon klar. Sie wollen wieder Geld." Und er explodiert: "Du nicht reden so. Du nicht behandeln mich wie Tier. Du machen deine Arbeit!" Und sie sagt unendlich gedehnt: "Nicht in diesem Ton, Herr Toska" - und holt die Akte.

    Diese Stimmung aus Herablassung, Ablehnung und Wut legt sich wie Blei aufs Gemüt. So viel Streit in den Amtszimmern. Die Schreibtische - meterhohe Festungsmauern zwischen den deutschen Beamten und den Massen an Bittstellern, von denen die meisten an diesem Morgen Ausländer sind. Erschöpfte Sozialamtsmitarbeiter, resigniert oder genervt. Müde Bedürftige, unverschämt oder verängstigt.

    1640 Euro bekommt Sead Toska vom Amt für Soziale Dienste nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Davon gehen 730 Euro an den Vermieter. Sead Toska hat schon mal vier Monate lang gearbeitet - bei einer Leiharbeitsfirma für sechs Euro die Stunde. "Das wenig Geld. Und dann immer die schmeißen mich raus", sagt er. Sead Toska wusste schon vor seiner Reise nach Deutschland, dass ihm Geld vom Sozialamt zusteht. Er findet nur, dass es zu wenig ist. "Über 100 Euro für Zigaretten. Ich kann Kinder nichts kaufen. Leben bisschen schwer", sagt er.

    Wieder ein Missverständnis
    Und dann schaut er einen an mit diesem schüchternen Blick und sagt: "Mein Sohn Djekson nicht mehr Schule freitags, wegen Diebstahl oder Versicherung, ich verstehe nicht" - und man fragt nach bei der Schuldirektorin, warum der Achtjährige freitags keinen Unterricht mehr haben soll, und sie sagt: "Ach ja, wieder einmal so ein Missverständnis. Djekson hatte ein einziges Mal am Freitag keinen Unterricht. Da ist Elternsprechtag" - und man erklärt es dem Vater, und der lächelt und zuckt ratlos die Schultern.

    Familie Toska lebt seit sechs Jahren in Deutschland - und so vieles scheint schon endgültig in die falsche Richtung gelaufen. Wie Tausende andere Familien, die wegen eines Bürgerkriegs oder wirtschaftlicher Not ihre Heimat verließen, so sind auch sie verfangen im Dschungel von Wohlfahrtsstaat und Behörden. Sind hier und doch nicht wirklich. Lernen weder Sprache noch Kultur. Lernen nur den harten Kampf um Papiere und Gelder.

    Wenn man solche Familien nach ihrem Einwanderer-Schicksal befragt - so oft erlebt man ein erschreckendes Spektrum an Ahnungslosigkeit. Keine Ahnung, warum ausgerechnet Bremen. Keinen Schimmer, warum Duldung, Fiktionsbescheinigung oder wie auch immer die amtsdeutschen Bezeichnungen des Aufenthaltsrechts heißen. Keinen Dunst, was Ermessen der Behörde ist - und was Gesetz.

    So viele Menschen leben über Jahre hinweg in Deutschland und wissen nicht, was ihnen warum in diesem Land geschieht.

    Zu fremd, zu einsam
    Inzwischen stapeln sich zwar in den deutschen Behörden Faltblätter und Broschüren: erste Anlaufstellen für Flüchtlinge von Caritas oder Arbeiterwohlfahrt, Extra-Beratungsstellen beim Arbeitsamt, Informationen über Integrationskurse - so viele Telefonnummern und Adressen von Institutionen, die helfen könnten. Doch die meisten Einwanderer, nach ihren ersten Schritten in der fremden Welt befragt, erzählen endlose Geschichten über Schikanen der Behörden - und gnadenlose Einsamkeit. Sie waren zu fremd, um nach dem Faltblatt zu greifen. Zu hilflos, um eine Telefonnummer zu wählen. Zu allein, um nach Hilfe zu fragen. Wenn sie Glück hatten, halfen Verwandte. Wenn sie Pech hatten, verfingen sie sich im Teufelskreis aus falschen Erwartungen und Unwissen.

    Und zu viele hatten Pech. Jahrzehntelang Pech. So oft. So tragisch.

    Man lernt Familien kennen wie die Gencs, kurdische Libanesen, die seit 21 Jahren im Bremer Osten leben. Nur der älteste Sohn ist nicht hier geboren, die anderen sieben Kinder kennen kein anderes Land. Doch über zwei Jahrzehnte hinweg hat sich ihr juristisches Schicksal nicht entschieden. 21 Jahre lang in Deutschland mit Kettenduldung - immer in Angst. Die Kinder gehen zur Schule, die Mutter besucht einen Alphabetisierungskurs, nette Leute, die sich um ihr Leben in Deutschland bemühen. Jetzt sollen sie abgeschoben werden. Die Behörden glauben nicht, dass sie aus dem Libanon stammen. Nun sollen sie in die Türkei, auch wenn keiner außer dem Vater Türkisch spricht. Die Familie - verzweifelt. Die Nachbarn - entsetzt. Warum sie? Warum nach all den Jahren?

    Man lernt junge Männer kennen wie Ahmad Ammouri, 22 Jahre alt, in Deutschland geboren. Für ihn hat das Unwissen Konsequenzen fürs Leben. Die Grundschullehrer hatten den Sohn libanesischer Flüchtlinge fürs Gymnasium empfohlen. Seine Eltern gingen zum Elternabend und bekamen ein Formular vorgelegt, auf dem sie ankreuzen sollten, welche Schule sie für Ahmad wünschten. Sie kreuzten "Hauptschule" an. Seine Mutter sagt heute: "Meine Kinder sagen mir, dass wir manches falsch gemacht. Ich sage immer: Es tut mir leid. Es tut mir schrecklich leid."

    An den Rand der Stadt verbannt
    Wie viele andere deutsche Städte, so hat auch Bremen seine Ghettos säuberlich an den Rand der Stadt gedrückt. Lüssum liegt 26 Kilometer von der schicken Fußgängerzone im Zentrum entfernt. Viergeschossige Sozial-Wohnblöcke in vergrautem Gelb, die Balkone bepflanzt mit Wäscheleinen und Satellitenschüsseln im Dutzend. Gleich dahinter alte Einfamilienhäuschen von deutschen Rentnern, die Vorgärten bepflanzt mit Thujen im Richteuch. Und an den Kaffeetafeln: Feindseligkeit und Groll.
    weiter hier

    Kreuzberg liegt mitten in Berlin und Ehrenfeld mitten in Köln.
    Von wegen Ghetto am Stadtrand .
    Das die Vorgärten mit Tannen im Richteuch bepflanzt sind ist auch gut so .
    Die Vorgärten in Luxemburg,Belgien,Holland,Dänemark,Schweden,ja in ganz
    zivilisiert Europa stehen alle Tannen in Richteuch. Das ist unsere Kultur ,
    das ist unsere Denke.
    Wenn der Herr Toksa 100 Euro für Zigaretten verpulvert gut.
    Herr Müller kauft dafür Tannen um die in Richteuch zu pflanzen.
    Das ist nur ein kleiner Unterschied. Das Leben in Deutschland ist einfach.
    Aber man muss das Wollen auch wollen .

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